Schweinfurt

Wie Schweinfurter aus Ozeanmüll Textilien herstellen

Sportartikel, darunter vor allem Multifunktionstücher, liefert P.A.C. in über 30 Länder. Foto: P.A.C.

Was versteht ein Unternehmen von "echter gelebter Nachhaltigkeit"? Bei P.A.C. stehe Nachhaltigkeit für Umweltschutz samt Einsatz von regenerativer Energien sowie für soziale Verantwortung, sagt Jana Kerkhoff, die Marketingmanagerin des Textilherstellers aus Schweinfurt. Der familiengeführte Mittelständler begann vor sieben Jahren als Zwei-Mann-Betrieb mit der Herstellung von Multifunktionstüchern. Heute werden an über 80 Arbeitsplätzen in Deutschland und in Italien Sport-Accessoires entwickelt, entworfen, produziert, vermarktet und vertrieben.

Die Unternehmensphilosophie verpflichte P.A.C. zu einer umweltschonenden Produktion in Deutschland und zur Stromerzeugung durch die Photovoltaikanlage auf dem Dach und das Blockheizkraftwerk im Untergeschoss, sagt Jana Kerkhoff. Wichtig ist der Managerin, dass P.A.C. durch die Kooperation mit der Schweinfurter Lebenshilfe auch zur Integration von Menschen mit Handicaps beiträgt.  

Warum nicht jede Wolle verarbeitet wird

Umweltschonend und auf das Tierwohl bedacht gehe die Firma bei der Herstellung von Produkten aus Merinowolle vor, so Kerkhoff. Ein Grund, weshalb P.A.C. von den Lieferanten Achtsamkeit einfordert und nicht jede Wolle verarbeitet: Beim sogenannten "Mulesing" wird Schafen - meist ohne Betäubung - die Haut rund um den Schwanz entfernt, um einen Befall mit Fliegenmaden zu verhindern. Gebräuchlich ist das Verfahren etwa in Australien und Neuseeland. Die Wolle solcher Tiere komme nicht auf die Tische der P.A.C. GmbH, sagt Kerkhoff. Man kaufe "ausschließlich Mulesing-freie Premium-Merinowolle".  

P.A.C., 2012 vom damals 23-jährigen Lukas Weimann gegründet, will als Vorreiter zeigen, wie man nachhaltig profitabel in Deutschland produzieren könne, sagt Kerkhoff. Und weil das Recycling von Polyethylenterephthalat (PET) nicht alles sein dürfe, arbeitet das Unternehmen mit der europäischen Organisation Seaqual zusammen.  

Firmensitz: In der Alois-Türk-Straße in Schweinfurt werden die Textilien von P.A.C. bedruckt und verpackt.   Foto: Gerd Landgraf

Jährlich landen über acht Millionen Tonnen Müll in den Meeren, wovon 90 Prozent schnell versinken und damit scheinbar verschwinden. In der Alois-Türk-Straße im Schweinfurter Stadtteil Hainig will man durch die Herstellung von "Ocean Upcycling-Mulitfunktionstücher" aus vollständig recyceltem Garn gegen den Plastikmüll in den Meeren ankämpfen. 1500 Fischer hat Seaqual zusammengebracht, die auf 400 Schiffen täglich Müll aus den Fischernetzen holen und trennen, was im Mittelmeer entsorgt wurde. Das Meeresplastik wird anschließend gereinigt, zu Granulat verarbeitet und zu Garn gesponnen. 

Besonderheit: Pflanzliche Farbstoffe und keine Chemie beim Färben

Mit der Produktlinie Merino Nature habe das Schweinfurter Textilunternehmen ein "neues Level echter Nachhaltigkeit" erreicht, so Kerkhoff. Die Besonderheit liege in den rein pflanzlichen Farbstoffen, beispielsweise aus Holunder. Auch während des Färbens würden keine Chemikalien eingesetzt.   

Zum Sortiment der auf "Head- und Neckwear" für Kopf und Hals) und auf Funktionssocken spezialisierten Firma sagt die Managerin: "Es gibt nichts, was wir nicht haben, und das für jeden Bedarf und jedes Alter". Multifunktonstücher, Stirnbänder, Kopfbedeckungen für das Laufen, für Fußball und Skaten, Wandern, Skifahren und Radeln: Der Katalog Winter 2019/20 für den Fachhandel bewirbt auf 300 Seiten eine Vielzahl an Produkten aus den atmungsaktiven, multifunktionalen und schnell trocknenden Textilien.    

Mit Garn aus Meeresmüll: In Schweinfurt werden die Produkte von P.A.C. bedruckt und verpackt.  Foto: P.A.C. GmbH

Verkauft wird die Produktion von P.A.C. über Sportfachgeschäfte. Die Strickmachinen stehen auf der Schwäbischen Alb. Bedruckt und verpackt werden die Textilien dann in Schweinfurt, wo drei Viertel der 80 Mitarbeiter beschäftigt sind.

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