WÜRZBURG/BAMBERG

Wo Wohnen am meisten ins Geld geht

Es ist eine Binsenweisheit: Wohnen ist teuer. Dass dies in Bayern in erster Linie für den Großraum München gilt, ist auch bekannt. Überraschend ist indes, in welchem Maße die Kosten für die Wohnung im Verhältnis zur Kaufkraft der Einwohner steht – und da erreichen Städte in Franken zum Teil sehr unterschiedliche Werte.

Das sind die Top-Städte

An der Spitze: Würzburg. Die Universitätsstadt mit ihren 125 000 Einwohnern liegt hier nach einer neuen Untersuchung des Onlineportals ImmobilienScout24 gar auf Platz drei in Deutschland – hinter Freiburg/Breisgau und München sowie vor zum Teil wesentlich größeren Städten wie Regensburg, Stuttgart, Frankfurt/Main, Hamburg oder Berlin. Demnach lag der Wohnkostenanteil in Würzburg 2016 bei 26,1 Prozent der Kaufkraft.

Freiburg ist mit 31,4 Prozent das teuerste Pflaster in Deutschland, München kommt auf 30,5 Prozent. Würzburg war im Jahr davor auf Platz 4 dieser Hitparade gelandet.

Wo Wohnen am günstigsten ist

Zum Vergleich: Am wenigsten Geld fürs Wohnen muss man der Analyse zufolge in Pirmasens (10,8 Prozent) vom Einkommen abzweigen. In Franken gehören der Kreis Lichtenfels (10,4 Prozent) und die Stadt Hof (12,8) zu den günstigsten Orten. Im breiten Mittelfeld liegen hingegen unter anderem Bamberg Schweinfurt, Bayreuth, Aschaffenburg und Nürnberg (siehe Grafik).

Das Onlineportal hat für seinen jetzt veröffentlichten „Erschwinglichkeitsindex“ aus seinem Datenbestand heraus die Wohnkosten (Miete und Kauf) von mehr als 400 Städten und Kreisen mit der jeweiligen Kaufkraft verglichen.

 

Was die Kriterien der Analyse sind

Zugrunde gelegt wurde dafür eine fiktive, 30 Jahre alte Wohnung mit drei Zimmern, 80 Quadratmetern, Einbauküche, Balkon und Keller. Kernaussage: „Vor allem in bayerischen Städten ist der Wohnkostenanteil in den letzten drei Jahren am stärksten gestiegen“, fasst Jan Hebecker, Leiter Märkte und Daten bei ImmobilienScout24 zusammen. „Ganz anders sieht es in Klein- und Mittelstädten in eher strukturschwachen Regionen aus.“

Warum Würzburg bei dem Vergleich unter die Top-Drei der teuersten Städte gerutscht ist, hat aus Sicht von Geschäftsführer Hans Sartoris von der Stadtbau GmbH zwei Gründe: „Die Kaufkraft ist weniger stark gestiegen als die Miete.“ Und: In den vergangenen Jahren sei – unter anderem im neuen Stadtteil Hubland – schlagartig neuer Wohnraum entstanden mit höheren Einstiegsmieten ab zehn Euro pro Quadratmeter.

Experte nennt die Gründe für Würzburgs Abschneiden

Dieser Effekt zieht Sartoris zufolge das generelle Niveau in kurzer Zeit deutlich nach oben und mache die Stadt Würzburg zumindest statistisch plötzlich zu einem teuren Wohnort. „Das überrascht mich nicht“, sagt Sartoris über die Auswertung von ImmobilienScout24. Die von der Kommune getragene Stadtbau GmbH ist nach eigenen Angaben mit 5000 Wohnung in Würzburg das größte Immobilienunternehmen in der Stadt. Nach Informationen des Immobilienverbandes Deutschland (IVD) hat es in der Tat einen gehörigen Schub an Wohnraum in Würzburg gegeben. So wurden 821 Wohnungen in 2016 fertiggestellt – eine Steigerung von 176 Prozent (Bayern: 23 Prozent) gegenüber dem Vorjahr.

Kaufkraft in Franken geht weit auseinander

Die Auswertung von ImmobilienScout24 zeigt auch, dass die Kaufkraft in Würzburg pro Haushalt (35 830 Euro in 2016) tatsächlich schwach ist im Vergleich zu anderen fränkischen Städten: Im Bamberg (40 917 Euro), Schweinfurt (38 326), Aschaffenburg (44635), Coburg (43297) oder im Raum Lichtenfels (44411) bekommt man deutlich mehr für sein Geld. Auffallend auch: In den Landkreisen rund um diese Städte ist die Kaufkraft noch mal um Einiges größer.

In den Kreisen Würzburg und Bamberg etwa liegt sie bei jeweils gut 49 000 Euro, im Umland von Aschaffenburg und Nürnberg gar bei knapp über 50 000 Euro. Das kommt freilich nicht an die Werte rund um die Boom-Städte wie München oder Frankfurt/Main heran: Dort liegt die Kaufkraft stellenweise bei knapp 70 000 Euro.

Wo die Miete hoch ist

In diesen Regionen müssen die Menschen aber auch deutlich mehr Miete bezahlen: In den Kreisen München und Starnberg beispielsweise lag 2016 der Quadratmeter bei um die 12 Euro. Zum Vergleich: Laut ImmobilienScout24 zahlt man in fränkischen Städten zwischen 5 Euro (Lichtenfels, Schweinfurt, Hof) und knapp über 7 Euro (Bamberg, Bayreuth). Würzburg liegt hier bei 9,24 Euro.

Kauft man eine Wohnung, so zeigen sich ebenfalls deutliche Unterschiede. Den Zahlen des Onlineportals zufolge kostet der Quadratmeter in Würzburg 2658 Euro – halb so viel wie in München. Doch selbst damit liegt die unterfränkische Bezirkshauptstadt im weiteren Umkreis an der Spitze: In Bamberg (2229 Euro), Aschaffenburg (2209), Bayreuth (1940) oder Schweinfurt (1621) lässt sich deutlich günstiger Wohnraum kaufen. Selbst das viel größere Nürnberg (2485) landet hinter Würzburg.

Wohnraum wird zum exklusiven Gut

So oder so: In vielen Städten Deutschlands wird bezahlbarer Wohnraum knapp. Darauf hat vor wenigen Tagen die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung mit Bezug auf eine Studie hingewiesen. Bei vier von zehn Haushalten im Land sei die Mietbelastung mittlerweile gefährlich groß. Diese Einschätzung teilt Sprecher Stephan Kippes vom Maklerverband IVD in München. Dass Wohnraum mitunter zu einem exklusiven Gut geworden ist, gelte in Bayern „für alle großen Städte“.

„Die Kaufkraft ist weniger stark gestiegen als die Miete“
Hans Sartoris, Stadtbau GmbH, über die Lage in Würzburg

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