NÜRNBERG

Zurück zu den Bio-Wurzeln

Leckereien und ein kleines Kochbuch: Der Neuheitenstand der Biofach-Messe 2014 in Nürnberg mit veganen Salaten. Die Leitmesse für die Biobranche öffnet von Mittwoch bis Samstag ihre Pforten für Fachbesucher aus aller Welt.
Leckereien und ein kleines Kochbuch: Der Neuheitenstand der Biofach-Messe 2014 in Nürnberg mit veganen Salaten. Die Leitmesse für die Biobranche öffnet von Mittwoch bis Samstag ihre Pforten für Fachbesucher aus aller Welt. Foto: dpa

Ausgerechnet Bananen. Wenn die Deutschen zu Bioobst greifen, müssen es unbedingt die beliebten Gelbfrüchte sein. Beim Medientag der Biofach in Nürnberg erfährt man an diesem Dienstag so manches über Bio-Vorlieben. Und bekommt als Pressevertreter sogar ein Stück Torte.

Denn die Nürnberger Messemacher haben etwas zu feiern: Vor 25 Jahren kamen sie auf die Idee, eine Fachmesse für Bioprodukte in die Welt zu setzen. Es war die Zeit, als der Biomarkt noch aus ein paar verschrumpelten Kartoffeln in der Ecke eines alternativen Lädchens bestand.

Heute kann der Kunde sich vor Bioprodukten kaum mehr retten – und aus der kleinen Biofach ist längst die weltgrößte Messe für die boomende Öko-Branche geworden. Von diesem Mittwoch an trifft man sich auf dem Nürnberger Messegelände, knapp 2300 Aussteller haben sich gemeldet, aus mehr als 130 Ländern. Doch in ihrem Jubiläumsjahr stellt sich für die Messe – und die gesamte Branche – eine gewichtige Frage: „Wo liegt unsere Zukunft?“. Das fragt sich nicht nur Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstandschef des Bio-Weltverbandes BÖLW (Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft). Klar sei, dass es „Zeit ist für Organic 3.0“.

Darunter versteht die Branche einen ganzheitlichen Ansatz beim Umgang mit Bioprodukten. „Bio ist für uns keine Produktionsnische“, sagt zu Löwenstein, biologisches Wirtschaften sei auf Dauer der einzig richtige Weg für eine nachhaltige Gesellschaft. Er fordert analog zur Energie einen grundlegenden „Ernährungswandel“. Klare Appelle hat er daher an die Politik: Bei der europäischen Agrarförderung sei ein Umdenken nötig. „Die Preise müssen endlich die ökologische Wahrheit sprechen.“

Der Geschäftsführer von IFOAM (Internationale Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen), Markus Arbenz spricht vom Megatrend Gesundheit, aber auch von Herausforderungen wie dem globalen Hunger und dem Klimawandel. Seine Lösung hießt: zurück zu den Wurzeln. „Wir brauchen kürzere Ketten“, sagt er, und meint damit mehr Regionalität. Im Hier und Jetzt bewegt sich Stefan Zwoll vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft. „Wir schreiben die Erfolgsgeschichte des Ökolandbaus in Deutschland fort“, lobt er. Jeder zwölfte landwirtschaftliche Betrieb arbeite nach ökologischen Maßstäben – gut zwei Drittel davon verbandsgebunden.

Ja, der Biosektor hat sich in den zweieinhalb Jahrzehnten seit der ersten Biofach einen wahren Dschungel an Institutionen, Qualitätssiegeln und Statistiken zugelegt. Neben der IFOAM und dem BÖLW gibt es den BNN (Bio-Handelsverband), die AMI (machen Statistiken), das FiBL (ein spezialisiertes Forschungsinstitut) oder auch den Gäa (einen Landbauverband).

Wer aber ist denn nun der typische Biokunde? „Bio ist ein junges Thema“, sagt Elke Röder vom BNN, 23 Prozent der unter 30-Jährigen würden regelmäßig zu Bioprodukten greifen – und „das sind häufig Haushalte mit weniger als 1000 Euro netto im Monat“. Spezialisierte Naturkostmärkte würden schneller wachsen als der traditionelle Lebensmitteleinzelhandel. Einen hohen Marktanteil haben zudem, gerade in Deutschland, die Discounter.

Und welche Produkte bevorzugt der Verbraucher nun in Bioqualität? Der AMI hat klare Antworten: Die Kunden, heißt es, greifen gern zu Biokartoffeln, -milch, -gemüse oder -obst – und hier eben vor allem Bananen. Bei Fleisch und Käse hingegen – das erstaunt – gab es zuletzt sogar einen leichten Rückgang.

Und woher soll all die Bioware kommen? Fakt ist: „Die Nachfrage übersteigt das deutsche Angebot“, beklagt Stefan Zwoll. Immer mehr Bioprodukte auf deutschen Ladentheken stammen somit aus dem Ausland – und hier sind es nicht zuletzt Entwicklungsländer, die auf ökologischen Landbau setzen. Das Problem dabei, so Zwoll: „Die Kunden wollen deutsche, regionale Bioware.“

„Das kann ich bestätigen“, sagt Antje Müller auf Anfrage dieser Zeitung, „regionale Produkte haben beim Kunden Vorrang“. Müller ist Sprecherin der Dennree GmbH, aus dem oberfränkischen Töpen, dem führenden Biogroßhändler für den deutschsprachigen Raum, der etwa 1300 Einzelhändler beliefert.

Und was sind nun die Produkttrends? Die Antwort fällt leicht: Es sind vegane Lebensmittel und Produkte, die auf Unverträglichkeiten Rücksicht nehmen, etwa bei Lactose oder Gluten. Und so heißen die Neuheiten, die in Nürnberg in einer eigenen Schau präsentiert werden, denn auch „Sandwich Veggie Cheese“, Lasagne Bio-Vegan, Bio Dinkeldrink oder glutenfreie Gnocchi. Die Messe hat von Mittwoch bis Samstag nur für Fachbesucher geöffnet.

Der weltweite Biomarkt

Die USA sind weltweit der größte Markt für Bioprodukte (Umsatz: 22,6 Milliarden Euro). Danach folgt mit sieben Milliarden Euro Deutschland – gemessen an der Einwohnerzahl entspricht das sogar einem höheren Bioanteil. Auf Platz drei: das Genießerland Frankreich mit vier Milliarden Euro. Auch die Schweiz und Österreich sind – mit je einer Milliarde Euro Umsatz – starke Bioländer.

Die zertifizierten Bioproduzenten leben zu 80 Prozent in Entwicklungsländern. Hier liegt Indien (600 000 Produzenten) vor Uganda (190 000) und Mexiko (170 000). Die Länder mit den größten Bioanbauflächen sind Australien, Argentinien und die USA – vor allem mit Weideflächen. Den höchsten Bioanteil an der Landwirtschaftsfläche haben die Falklandinseln (36 Prozent), Liechtenstein (30) und Österreich (20). Text: MD

Die Geburtstagstorte wird angeschnitten. Die Biofach-Messe findet zum 25. Mal statt.
Die Geburtstagstorte wird angeschnitten. Die Biofach-Messe findet zum 25. Mal statt. Foto: dpa

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