Marktheidenfeld

IG Metall: Welle der Warnstreiks in Mainfranken geht weiter

Menschenkette, früher Feierabend: Auch am Freitag setzten in Mainfranken Metaller die Warnstreiks der vergangenen Tage fort. Der Druck auf die Unternehmen wächst.
Warnstreik unter Corona-Bedingungen:  Die Beschäftigten der Firmen Warema sowie Procter & Gamble in Marktheidenfeld bildeten am Freitag mit Zollstöcken eine Menschenkette, um die Abstandsregeln einzuhalten.
Foto: Klaus Gimmler | Warnstreik unter Corona-Bedingungen:  Die Beschäftigten der Firmen Warema sowie Procter & Gamble in Marktheidenfeld bildeten am Freitag mit Zollstöcken eine Menschenkette, um die Abstandsregeln einzuhalten.

Die IG Metall hat in Mainfranken mit weiteren Warnstreiks den Druck auf die Arbeitgeber erhöht. Im Zuge des Tarifstreits machten am Freitag laut Gewerkschaft nahezu 1500 Beschäftigte mit. Betroffen waren Werke in Marktheidenfeld, Würzburg und Kitzingen.

Nach einer ersten Protestwelle in der vergangenen und den Aktionen in dieser Woche will die IG Metall nicht locker lassen. Sie kündigte weitere Warnstreiks in den kommenden Tagen an. Dann soll es um Koenig & Bauer in Würzburg, Schaeffler in Kitzingen und Bosch Rexroth im benachbarten Volkach gehen.

"Die Arbeitgeber haben sich verrechnet."
Johann Horn, IG Metall

Eine Menschenkette in Marktheidenfeld war am Freitag die auffälligste Veranstaltung. Von einem "großartigen Signal" sprach Norbert Zirnsak, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Würzburg. 800 Beschäftigte der Unternehmen Warema und Procter & Gamble hatten sich nach Angaben der Gewerkschaft an deren Warnstreik beteiligt und damit für Rückenwind für die laufenden Tarifverhandlungen gesorgt. "Es stehen alle Maschinen in beiden Werken still", rief Zirnsak den Beschäftigten zu, die am Mittag für eine Stunde vorzeitig ins Wochenende gingen und vor den Werkstoren eine Menschenkette bildeten.

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In Corona-Zeiten hat auch ein Streik seine eigenen Regeln. So war für die Menschenkette vor den Werkstoren nur die Beteiligung von 180 Beschäftigten genehmigt worden. Die IG Metall hatte an die Streikenden Zollstöcke verteilt, damit die Abstandsregeln eingehalten werden. Dies wurde beachtet.

"Die Arbeitgeber haben sich verrechnet", rief Johann Horn ins Mikrofon, der IG-Metall-Bezirksleiter und Verhandlungsführer der IG Metall bei den laufenden Tarifverhandlungen ist. Die Arbeitgeber hätten geglaubt, dass man in der Corona-Krise alles mit den Beschäftigten machen könne. Er wolle kämpfen für vier Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten bei einer Laufzeit von zwölf Monaten – auch in den Betrieben, in denen es kriselt, um den Lohnverlust auszugleichen. Zudem sollen die Auszubildenden eine sichere Perspektive erhalten.

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Der Betriebsratsvorsitzende von Procter & Gamble, Helmut Hauptmann, griff die Unternehmen an. "Den Betrieben geht es gut", meinte er. Daher sei das Angebot der Arbeitgeber unsozial. Die Arbeitgeber müssten sich bewegen, tönte es aus dem Lautsprecher, so dass dies möglicherweise auch Angelique Renkhoff-Mücke hörte. Die Unternehmensleiterin von Warema ist zugleich Verhandlungsführerin der bayerischen Metall- und Elektroindustrie.

Kämpferisch gab sich auch Alexander Thauer, Betriebsratsvorsitzender von Warema. "Es geht um unsere Zukunft", sagte er. Die Beschäftigten hätten sich in der Corona-Krise sehr flexibel gezeigt und viel geleistet. Dies müsse belohnt werden. Thauer kritisierte, dass eine mögliche steuerfreie Corona-Hilfe beim Unternehmen Warema nur zu einem geringen Teil ausgezahlt worden sei.

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Bereits zum zweiten Mal innerhalb einer Woche beteiligten sich am Freitag Mitarbeiter des Brose-Werks in Würzburg an den Warnstreiks. Laut IG Metall ging die Frühschicht am Mittag zwei Stunden früher als üblich ins Wochenende. 600 Beschäftigte machten den Angaben zufolge mit.

In Kitzingen traf es den Anlagenbauer Baumüller. Dort zählte die Gewerkschaft 80 Arbeiter, die je nach Schichtbeginn ebenfalls zwei Stunden früher Feierabend machten. "Die Beteiligung am Warnstreik von gut 80 Prozent zeigt, dass die Belegschaft hinter den Forderungen der IG Metall steht", wird Betriebsratsvorsitzender Martin Konnerth in einer Mitteilung der IG Metall zitiert.

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Die Warnstreikwelle hatte vergangene Woche begonnen, nachdem die Tarifverhandlung in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie ins Stocken geraten und die vorgeschriebene Friedenspflicht zu Ende war. Allein am vergangenen Donnerstag traten im Freistaat laut IG Metall 12 000 Beschäftigte von 55 Betrieben in den Warnstreik, darunter 250 bei Konecranes in Würzburg.

Der bayerische Arbeitgeberverband vbm hatte zu Wochenbeginn die Aktionen der Gewerkschaft kritisiert. Er bezeichnete sie als "unverhältnismäßige Stimmungsmache in schweren Zeiten".

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