STOCKHOLM

Nobelpreis für Wirtschaft geht an drei US-Ökonomen

US-Trio: So wurden die drei Nobelpreisträger vorgestellt.
Foto: dpa | US-Trio: So wurden die drei Nobelpreisträger vorgestellt.

Für ihre Arbeiten zur Funktionsweise von Finanzmärkten erhalten in diesem Jahr drei US-Ökonomen den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Lars Peter Hansen, Eugene Fama und Robert Shiller hätten die Grundlagen für das aktuelle Verständnis von Vermögenswerten wie Aktien und Anleihen gelegt, erklärte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Montag in Stockholm. Shiller hatte vor dem Platzen sowohl der Dotcom-Blase als auch der Immobilienblase gewarnt.

Den Preis bekommen die drei Wissenschaftler der Akademie zufolge insbesondere für ihre empirische Analyse von Vermögenswerten. Ihre Methoden gehörten zu den Standardinstrumenten der wissenschaftlichen Forschung, ihre Arbeiten dienten als Leitfäden sowohl für die Weiterentwicklung der Theorie als auch für den praktischen Alltag von Investoren, erklärte die Jury.

Auch wenn die Preise von Aktien und Anleihen nicht für die nächsten Tage und Wochen vorhergesagt werden könnten, sei es dank der Arbeiten von Fama, Hansen und Shiller „auf jeden Fall möglich, die allgemeine Preisentwicklung über längere Zeiträume wie drei bis fünf Jahre zu berechnen“, erklärte die Akademie.

Der bekannteste des Trios ist der 67-jährige Shiller, Professor an der Universität Yale, der schon seit längerem als Kandidat für den Wirtschaftsnobelpreis galt. Er entwickelte einen wichtigen US-Immobilienpreis-Index, den auch nach ihm benannten Case-Shiller-Index, der jeden Monat von der Ratingagentur Standard and Poor's veröffentlicht wird.

Der 74-jährige Fama und der 61-jährige Hansen lehren als Professoren an der Universität von Chicago. Fama habe zusammen mit anderen Wissenschaftlern seit den 60er Jahren gezeigt, dass Aktienpreise auf kurze Sicht sehr schwer vorherzusagen seien, erklärte die Akademie. Hansen entwickelte eine statistische Methode, mit der Theorien zum Verhalten von Investoren angesichts der Unsicherheit von Vermögenspreisen getestet werden können.

Mit diesem Index begründete er seine Vorhersage einer durch den US-Finanzsektor herbeigeführten Immobilienblase und warnte vor einer Katastrophe. Seine Prognose bewahrheitete sich 2007 und 2008, als in den USA immer mehr einkommensschwache US-Hausbesitzer ihre Darlehen wegen steigender Zinsen nicht mehr abzahlen konnten. Dies löste eine weltweite Krise aus, weil die schlecht abgesicherten Kredite von Bank zu Bank als Geldanlage weitergereicht wurden. Im Jahr 2000, auf dem Höhepunkt der New Economy, veröffentlichte Shiller zudem sein Buch „Irrationaler Überschwang“, das zum Bestseller wurde.

Fama, Hansen und Shiller müssen sich das Preisgeld von umgerechnet 910 000 Euro teilen.

Nobelpreis für Wirtschaft

Er gehört nicht zu den klassischen Nobelpreisen: Der Preis für Wirtschaftswissenschaften wurde von der Schwedischen Notenbank zur Erinnerung an Alfred Nobel gestiftet und 1969 erstmals vergeben. Der schwedische Großindustrielle hatte lediglich Preise für Physik, Chemie, Medizin, Literatur und Frieden vorgesehen. Der Wirtschaftspreis ging bisher meist an Wissenschaftler aus den USA. Unter den Preisträgern befindet sich mit dem Bonner Spieltheoretiker Reinhard Selten nur ein Deutscher. Text: dpa

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