Unterstützung in Sachen Nachhaltigkeit

Auf neuen Wegen: Jürgen Schmidt (links) und Peter Kowalsky wollen im Rahmen der Initiative „Sustainable Business Angels“ junge Unternehmen beraten.
Foto: Susanne Popp | Auf neuen Wegen: Jürgen Schmidt (links) und Peter Kowalsky wollen im Rahmen der Initiative „Sustainable Business Angels“ junge Unternehmen beraten.

Nachhaltigkeit ist Trend, die unterfränkische Ökolimonade Bionade galt hier lange als Vorzeigeprodukt. Peter Kowalsky, ehemaliger Geschäftsführer der Bionade GmbH, geht dreieinhalb Monate nach seinem Rückzug aus dem Ostheimer Familienbetrieb neue Wege. Im Rahmen der Initiative „Sustainable Business Angels“ berät er zukünftig gemeinsam mit Jürgen Schmidt, Aufsichtsratsvorsitzender der memo AG, junge Unternehmer.

Frage: Wo liegen für Sie die Herausforderungen, in Zukunft junge Unternehmer als Experten zu unterstützen?

Peter Kowalsky: Jürgen Schmidt und ich haben beide Unternehmen aufgebaut, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen. Dabei mussten wir uns oft auf unser Bauchgefühl verlassen. Mit der Initiative wollen wir jungen Unternehmern Mut machen, neue Wege zu gehen und sie vor Fehlern, die vielleicht das Genick brechen würden, bewahren.

Sie sind beide 2007 als „Ökomanager des Jahres“ ausgezeichnet worden. Qualifiziert Sie das als „Sustainable Business Angels“?

Jürgen Schmidt: Ich würde sagen, dass ich selbst alle Fehler gemacht habe, die man als junger Unternehmer machen kann. Das verhindert vielleicht nicht unbedingt Erfolg, aber es verlangsamt ihn. Heute, mit Internet und Web 2.0, wird ein Unternehmen für Fehler wesentlich schneller an den Pranger gestellt.

Herr Kowalsky, Sie selbst haben sich im Februar aus der Geschäftsführung der Bionade-GmbH zurückgezogen. Welche Fehler sind dort gemacht worden?

Kowalsky: Keine. Wir haben diese Entscheidung getroffen, weil es für Bionade und uns als Familie das Beste war.

Wovor können Sie junge Unternehmer warnen?

Kowalsky: Warnen vor nichts. Wir haben alle Entscheidungen aus freien Stücken getroffen, insofern ist das Wort warnen falsch. Aber immer wenn sich zwei Unternehmen zusammenschließen, prallen verschiedene Kulturen aufeinander und diese bekommen Sie nie deckungsgleich.

Sie spielen auf die Kooperation zwischen Bionade und Radeberger an?

Kowalsky: Ja, auch zwischen Rhön-Sprudel und Bionade. Das Gleiche erlebt Jürgen mit seinen Aktionären, dort existieren auch unterschiedliche Meinungen. Mein Ratschlag ist: Wenn man für ein Produkt Leidenschaft hegt, sollte man so lange es geht die Entscheidungen selbst treffen. Alles andere ist immer ein Kompromiss.

Was können Sie jungen Unternehmern mitgeben?

Schmidt: Wir können helfen, die richtigen Kapitalgeber zu finden und langfristig erfolgreiche Führungsstrukturen aufzubauen. Manchmal sind Anfangsfehler zehn oder zwanzig Jahre später das, was ein Unternehmen in die falsche Richtung lenkt.

Ist das Projekt „Sustainable Business Angels“ nach Bionade die Suche nach einem neuen „Wirtschaftsmärchen“?

Kowalsky: Wir wollen viele Wirtschaftsmärchen wahr machen. Unser Ziel ist es, in den nächsten drei Jahren vier Unternehmen fit zu machen. Nachhaltigkeit ist dabei ein wichtiges Tool, das in allen Bereichen, von Management über Organisation bis zum Kerngeschäft, wichtig ist.

Schmidt: Wir glauben, dass Nachhaltigkeit ein Trend sein und Anziehungskraft verkörpern kann.

Wie können junge Unternehmen von diesem Trend profitieren?

Kowalsky: Wenn man Nachhaltigkeit von Anfang an in die Struktur eines Unternehmens implementiert, steckt darin eine starke emotionale Wertschätzung. Denn neben dem rationalen Entschluss beinhaltet die Kaufentscheidung der Verbraucher immer eine Emotion. Und auch das hat mit Wirtschaft und Handel zu tun.

Welche Unternehmen will die Initiative fördern?

Schmidt: Da sind wir offen, da wir aus unterschiedlichen Erfahrungsfeldern, aus Handel und Produktion, kommen.

Wie sieht die Arbeit eines „Sustainable Business Angel“ aus?

Kowalsky: Das Konzept sieht vor, dass jeder von uns zwei Unternehmen für die Dauer von mindestens zwölf Monaten unterstützt. In diesem Zeitraum finden in regelmäßigen Abständen acht bis zehn Beratungstermine mit dem Unternehmen statt.

Was haben Sie selbst von der Initiative?

Kowalsky: Es macht Spaß. Wir machen das ehrenamtlich. Wichtig ist uns, das Wissen, das wir gesammelt haben, weiterzugeben. Es bringt nichts, wenn man alle fünf Jahre alles neu erfinden muss.

Will das Projekt deshalb allgemeine Nachhaltigkeits-Guidelines erstellen?

Kowalsky: Es nützt niemandem, wenn man sein Wissen für sich behält. Wer neue Wege geht und dabei Erfahrungen macht, sollte diese teilen. Es gibt genügend Investoren, die innovative Projekte fördern wollen. Dafür braucht es aber einen Leitfaden, der Transparenz schafft und nachvollziehbare Messgrößen für Nachhaltigkeit bereithält.

Initiative „Sustainable Business Angels“

Die Initiative „Sustainable Business Angels“ (SBA) ermöglicht jungen Unternehmern eine einjährige Beratung und Begleitung durch einen erfahrenen Unternehmer. So sollen ökologische und soziale Aspekte gefördert und CSR (Corporate Social Responsability) in allen Unternehmensbereichen implementiert werden. Zusätzlich entwickelt die Initiative aus den Erfahrungen der „Business Angel“ und im Gespräch mit unabhängigen Experten Leitlinien für die transparente Umsetzung von Nachhaltigkeit.

Träger der Initiative sind die RhönCampus e.G. und der Versandhandel memo AG sowie die Mediengruppe macondo und das Institut für Nachhaltigkeitsmanagement. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und dem Europäischen Sozialfonds (ESF). Weitere Informationen unter: www.sba-initiative.de. Quelle: SBA

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