München

Früherer Audi-Chef Stadler angeklagt

Rupert Stadler
Die Staatsanwaltschaft München II hat in der Diesel-Affäre Anklage gegen den früheren Audi-Chef Rupert Stadler erhoben. Foto: Sebastian Gollnow

Die Staatsanwaltschaft München will den früheren Audi-Chef Rupert Stadler vor Gericht stellen. Wegen Betrugs in der Dieselaffäre habe sie Anklage gegen Stadler und drei weitere Beschuldigte erhoben, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Ob es auch zum Prozess kommt, muss nun das Landgericht entscheiden - vielleicht sogar erst nächstes Jahr. Stadler will auf jeden Fall kämpfen. „Er wird sich gegen die Anklagevorwürfe verteidigen”, kündigte sein Anwalt Thilo Pfordte an. Die Verteidigung müsse jetzt erst einmal die Anklage studieren und werde dann später Stellung nehmen.

Rund 400 Seiten lang ist die Anklageschrift, dazu kommen noch 7000 Seiten im Anhang - das Ergebnis jahrelanger Ermittlungen der Staatsanwälte. Dem 56-jährigen Stadler werfen sie vor, er habe spätestens Ende September 2015 von den Abgas-Manipulationen bei Audi-Dieselmotoren gewusst und den Verkauf der Autos trotzdem nicht verhindert. „Betrug, mittelbare Falschbeurkundung sowie strafbare Werbung” lautet der Vorwurf.

Bei einer Verurteilung könnte den Angeklagten rein theoretisch bis zu 15 Jahre Gefängnis drohen. Aber dieses Strafmaß sei auch bei Schuldsprüchen nicht zu erwarten, betonen Juristen.

Die drei zusammen mit Stadler angeklagten Manager und Ingenieure sollen bei Audi Dieselmotoren mit einer verbotenen Abschaltfunktion entwickelt haben. Damit stießen die Motoren auf dem Prüfstand weniger Abgas aus als im alltäglichen Betrieb auf der Straße. Diese Motoren seien dann in 250.712 Audis, 71.577 Fahrzeuge von VW und 112.131 Fahrzeuge von Porsche eingebaut worden. Die Autos wurden in Europa und den USA verkauft.

Die Wirtschaftsstrafkammer unter Richter Alexander Kalomiris muss nun entscheiden, ob sie die Anklage zulässt. Das kann dauern - alle Beteiligten müssen sich einarbeiten, danach bekommen sie Zeit für Stellungnahmen. Im Münchner Prozess der Kirch-Gläubiger gegen die Deutsche Bank etwa dauerte dieses sogenannte Zwischenverfahren acht Monate.

Stadler war zwölf Jahre lang Audi-Chef gewesen. Eine Mitwisserschaft oder gar Beteiligung an Diesel-Manipulationen hat er stets bestritten. Die Ermittler hatten bei Razzien in der Audi-Zentrale in Ingolstadt und im Werk Neckarsulm Material sichergestellt, sein Privathaus bei Ingolstadt durchsucht und sein Telefon abgehört. Wegen Verdunkelungsgefahr war er im Juni 2018 noch als Vorstandschef verhaftet worden und hatte vier Monate lang in Augsburg in Untersuchungshaft gesessen.

Nach Aufgabe seiner Ämter als Audi-Chef und VW-Konzernvorstand und der Ernennung von Bram Schot zu seinem Nachfolger wurde er im Oktober unter Auflagen aus der U-Haft entlassen. Seine Verfassungsbeschwerde gegen ein umfassendes Kontaktverbot blieb erfolglos.

Wie Stadler hatten auch ein ehemaliger Chef der Audi-Motorenentwicklung, Wolfgang Hatz, und ein ehemaliger leitender Ingenieur aus Neckarsulm, Giovanni P., in München zeitweise in Untersuchungshaft gesessen. Ein Verteidiger des mitangeklagten Giovanni P. sagte, sein Mandant habe sich ausführlich geäußert und Unterlagen vorgelegt. Hatz' Verteidigung teilte mit, „dass sie die Vorwürfe nach wie vor für unzutreffend erachtet”.

Der Skandal hat Audi seit 2015 rund 3,4 Milliarden Euro gekostet. Audi erklärte am Mittwoch, es sei „im Interesse der Mitarbeiter, der Anteilseigner und des ganzen Unternehmens, die Sachverhalte, die zur Dieselkrise geführt haben, juristisch restlos aufzuklären.” Unter Stadler sei „Audi ein international erfolgreiches Unternehmen geworden. Bis zur Klärung der Vorwürfe gilt für alle Beschuldigten die Unschuldsvermutung.” Mit Stadler hatte Audi von 2007 bis zur Aufdeckung des Dieselskandals 2015 Umsatz und Betriebsgewinn verdoppelt und Mercedes bei den Verkaufszahlen überholt.

Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt immer noch gegen mehr als 20 weitere Beschuldigte, darunter auch gegen einen Audi-Vorstand. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hatte im April Anklage gegen den ehemaligen VW-Konzernchef Martin Winterkorn erhoben. Er soll nicht erst im September 2015, sondern bereits Mitte 2015 von der illegalen Motorsteuerung gewusst haben.

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