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Bauernproteste: Handel geht auf Landwirte zu

Schlachtbetrieb       -  Schweinehälften hängen in einem Schlachtbetrieb. Die Rewe-Gruppe kündigte an, bei Schweinefleisch höhere Beschaffungspreise zu zahlen.
Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa | Schweinehälften hängen in einem Schlachtbetrieb. Die Rewe-Gruppe kündigte an, bei Schweinefleisch höhere Beschaffungspreise zu zahlen.

Nach den Bauernprotesten der vergangenen Wochen geht der Lebensmittelhandel in Deutschland auf die Landwirte zu. Nach Lidl kündigten am Freitag auch Rewe und Kaufland an, ihre Einkaufspreise für Schweinefleisch zu erhöhen.

Die Rewe-Gruppe, zu der auch der Discounter-Penny gehört, kündigte an, bei Schweinefleisch bis auf weiteres Beschaffungspreise zu zahlen, die dem Marktniveau vor Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest und dem damit zusammenhängenden völligen Zusammenbruch des Exportmarktes entsprechen. „Wir wollen damit kurzfristig einen Beitrag leisten, die akute Krise der deutschen Schweinebauern zu beenden”, sagte Einkaufsvorstand Hans-Jürgen Moog.

Rewe setze auf eine langfristige und nachhaltige Stärkung der heimischen Landwirtschaft. Dazu habe das Unternehmen bereits ein Positionspapier erarbeitet, über das man mit dem Deutschen Bauernverband und der Bewegung „Land schafft Verbindung” im Gespräch sei. Bestandteile davon seien unter anderem der Ausbau von Regionalfleischprogrammen und Maßnahmen zur dauerhaften Stärkung der deutschen Milchwirtschaft.

Auch der - wie Lidl - zur Schwarz-Gruppe gehörende Großflächen-Discounter Kaufland kündigte an, den Einkaufspreis für verschiedene Schweinefleischartikel um einen Euro pro Kilo zu erhöhen. „Entsprechend steigt der Verkaufspreis für diese Artikel um einen Euro pro Kilo”, teilte das Unternehmen mit. Dies gelte unter anderem für Schweineschnitzel, Schweinehackfleisch, Schweinegulasch und Schweinekotelett.

„Wir haben Verständnis für die aktuellen Sorgen und Ängste der heimischen Landwirte”, betonte Kaufland. Die Bauern hätten es schon vorher nicht leicht gehabt, doch mit Covid-19 und der Afrikanischen Schweinepest stehe die Landwirtschaft vor fast unlösbaren Problemen, weil Absatzwege etwa in der Gastronomie und im Export wegbrechen und die Erzeugerpreise sinken.

Ein Sprecher von Aldi Süd betonte, der Discounter zahle schon seit Monaten die vor dem Preisverfall durch Corona und die Afrikanische Schweinepest vereinbarten Preise für Schweinefleisch.

Zuvor hatte bereits Lidl als Reaktion auf die jüngsten Protest- und Blockadeaktionen von Landwirten die Preise für Schweineprodukte erhöht. Lidl hatte nach eigenen Angaben den Einkaufspreis für zehn Artikel aus dem Schweinefleischsortiment um ein Euro pro Kilogramm angehoben. Als Folge steige der Verkaufspreis im gleichen Umfang, teilte Lidl mit.

Die vier großen Handelsketten - Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe - sowie der Handelsverband Lebensmittel (BVLH) trafen sich am Freitag mit Vertretern der Landwirte zu Verhandlungen. Parallel gab es auch Gespräche von Aldi mit Bauernvertretern. In Handelskreisen hieß es allerdings, dass die Probleme der Bauern vom Handel allein nicht gelöst werden könnten. Um die Strukturprobleme in der Landwirtschaft in den Griff zu bekommen, seien staatliche Hilfen in Milliardenhöhe nötig. Von Aldi wurde ein Hilfsfonds ins Spiel gebracht, in den die Händler einen bestimmten Umsatzanteil aus dem Verkauf von Agrarprodukten einbringen könnten, der dann aber vom Staat aufgefüllt werden müsse.

Auch am Freitag gab es wieder Proteste von Landwirten gegen zu niedrige Lebensmittelpreise. Unter dem Motto „Bald steht der letzte Trecker still” legten Hunderte Bauern mit knapp 500 Großmaschinen den Verkehr in Teilen Mecklenburg-Vorpommerns lahm.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch betonte unterdessen, dass die Landwirte Mitschuld an den aktuellen Problemen trügen. „Bei allem Verständnis für die Nöte der Bauern: Ihre Probleme sind zu einem erheblichen Teil selbst gemacht. Ihre eigene, enorm einflussreiche Lobby hat die Landwirtinnen und Landwirte in jenen ruinösen Preiswettbewerb getrieben, den sie jetzt beklagen”, sagte ein Foodwatch-Sprecher. Hochsubventioniert mit Steuergeldern werde so billig wie möglich für den Weltmarkt produziert - egal wie groß Umweltschäden und Tierqual seien und egal wie viele bäuerliche Existenzen zerstört würden. „Es ist höchste Zeit, dass die Bauern aufhören, sich als Opfer fremder Mächte darzustellen, sondern anfangen, sich gegen eine verfehlte Agrarpolitik zu wehren, deren Leidtragende sie selber sind”, meinte der Sprecher.

© dpa-infocom, dpa:201211-99-657599/3

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