Frankfurt/Main (dpa)

Ex-Bundesbank-Präsident Tietmeyer gestorben

Hans Tietmeyer war einer der Architekten der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion - und der letzte Bundesbank-Chef der D-Mark-Ära. Immer wieder mahnte der Ökonom solide Staatsfinanzen an.
Ex-Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer       -  Der frühere Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer. Foto: Klaus Dranke
| Der frühere Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer. Foto: Klaus Dranke

Der letzte Bundesbank-Präsident der D-Mark-Ära ist tot: Hans Tietmeyer ist am Dienstag im Alter von 85 Jahren gestorben. Das teilte die Bundesbank am Mittwoch in Frankfurt mit.

Der Diplom-Volkswirt stand vom 1. Oktober 1993 bis zum 31. August 1999 an der Spitze der Notenbank. Er war der letzte Bundesbank-Chef mit der ganzen Machtfülle der D-Mark - und der erste, der ab 1998 im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) sein Gewicht für Deutschland in die Waagschale warf.

Der Westfale galt als Garant einer stabilitätsorientierten Geldpolitik. Bei der Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung trat er für solide Staatsfinanzen ein. „Hans Tietmeyer war ein herausragender Präsident, dessen Handeln stets klaren und festen Linien mit dem Ziel der Geldwertstabilität folgte”, sagte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker würdigte Tietmeyer als einen der wichtigsten Architekten des Euro: „Mit ihm verlieren Europa, der Euro und ich persönlich einen wichtigen Weggefährten.”

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Uwe Fröhlich, bezeichnete den früheren Bundesbank-Präsidenten als „engagierten Kämpfer für eine stabilitätsorientierte Geldpolitik und solide Staatsfinanzen in Europa”. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) meinte, Tietmeyer habe durch seine Geldpolitik die Stabilität der D-Mark gesichert.

Tietmeyer begann seine Karriere 1962 als Beamter im Bonner Wirtschaftsministerium. Als CDU-Mitglied verfasste er 1982 für den damaligen FDP-Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff das „Lambsdorff-Papier”, das den Bruch der sozialliberalen Regierung und am Ende den Sturz von Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) einleitete.

Später wechselte der Ökonom als Staatssekretär ins Bundesfinanzministerium. Als persönlicher Beauftragter bereitete er für den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) die internationalen Wirtschaftsgipfel vor. 1993 folgte Tietmeyer auf Helmut Schlesinger an der Spitze der Bundesbank. Nach seiner Zeit bei der Notenbank saß der Vater von zwei Kindern in zahlreichen Gremien und Aufsichtsräten.

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