Washington/Berlin

Handelsstreit bedroht deutsche Firmen

BMW-Werk Spartanburg       -  Produktion im BMW-Werk in Spartanburg. Dem bayerischen Konzern zufolge ist das Werk in South Carolina gemessen am Warenwert der größte Autoexporteur in den USA.
Foto: Daniel Schnettler/Archiv | Produktion im BMW-Werk in Spartanburg. Dem bayerischen Konzern zufolge ist das Werk in South Carolina gemessen am Warenwert der größte Autoexporteur in den USA.

Bange Blicke nach Washington und Peking: Der Handelsstreit zwischen den USA und China ist auch für deutsche Unternehmen eine große Gefahr.

Autokonzerne wie BMW und Daimler drohen beim Machtkampf der beiden größten Wirtschaftsmächte unter die Räder zu geraten, auch etliche andere Firmen zittern vor Strafzöllen. Sollten die Staatschefs Donald Trump und Xi Jinping ernst machen, könnte das für die exportabhängige deutsche Wirtschaft sehr schmerzhaft enden.

Lobbyverbände bereiten sich angesichts der jüngsten Eskalationen auf den Ernstfall vor. „Die von der US- und der chinesischen Regierung veröffentlichten Listen mit Waren zeigen: Es droht eine Spirale von wechselseitigen Strafzöllen”, sagte Außenwirtschaftsleiter Ulrich Ackermann vom Maschinenbauverband VDMA der Deutschen Presse-Agentur. Das „Sandkastenspiel” der zwei großen Wirtschaftsblöcke führe zu einer Belastung des Welthandels und könne Schule machen.

Zuvor hatte bereits der Deutsche Industrie- und Handelskammertag gewarnt: „Deutsche Firmen haben Tausende Niederlassungen und Joint Ventures in den USA und China. Zölle zwischen beiden Märkten treffen damit zwangsläufig auch die deutsche Wirtschaft.” Laut einer Studie des Analysehauses Evercore ISI würden die deutschen Autoriesen BMW und Daimler die von China angedrohten Strafzölle sogar stärker zu spüren bekommen als die US-Hersteller.

Die Verdopplung der Einfuhrzölle um 25 auf 50 Prozent, die Peking im Kräftemessen mit der Trump-Regierung auf bestimmte Auto-Importe erwägt, seien in Wahrheit eine „Steuer für Süddeutschland, nicht für die USA”, meint Evercore-Experte Arndt Ellinghorst. Denn BMW und Daimler verschifften viel mehr in den USA gefertigte Autos nach China als die Konkurrenten General Motors, Ford und Fiat Chrysler.

Laut Ellinghorsts Analyse dürften BMW und Daimler in diesem Jahr erneut mehr als 100 000 Fahrzeuge von ihren US-Werken aus nach China exportieren. Weil es sich vor allem um teurere SUV und Premium-Modelle handele, könnten die Strafzölle die Hersteller rund 1,73 Milliarden Dollar (1,4 Mrd Euro) kosten. Dabei handele es sich aber um eine grobe Schätzung, die nur im schlimmsten anzunehmenden Fall gelte, schränkt Ellinghorst ein.

Die Unternehmen halten sich auf Nachfrage bedeckt. „Wir bitten um Verständnis, dass wir über laufende Verhandlungen nicht spekulieren können”, heißt es von Daimler. Die Situation werde aber genau beobachtet. BMW macht ebenfalls keine Angaben zu drohenden Kosten, bestätigt aber, dass das Werk in Spartanburg, South Carolina, am Warenwert gemessen der größte Autoexporteur in den USA ist.

Das bedeutet, BMW muss fast jedes Mal bangen, wenn US-Präsident Donald Trump („Handelskriege sind gut und leicht zu gewinnen”) sich mit Handelspartnern anlegt. Insgesamt ist die Gefahr für die deutsche Autoindustrie indes überschaubar. Dem Branchenverband VDA zufolge wurden 2017 etwa 151 000 der insgesamt 4,85 Millionen von deutschen Herstellern in China verkauften Fahrzeuge von den USA aus exportiert.

Experte Frank Schwope von der NordLB glaubt ohnehin nicht, dass das Säbelrasseln zwischen Washington und Peking Schreckensszenarien für die deutsche Autoindustrie birgt. „Man sollte den Handelskonflikt - ein Krieg ist es noch nicht - etwas entspannter sehen.” Es gehe momentan darum, dass beide Staatschefs am Ende als Gewinner dastehen. „Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.”

Doch nicht überall sieht man es so entspannt. „Bei einer Eskalation des Handelskonflikts könnte es zu einer Eintrübung der Weltkonjunktur kommen”, warnt VDMA-Außenwirtschaftsleiter Ackermann. Dies würde zu einem Rückgang der Nachfrage nach Maschinen und Anlagen führen, vor allem auch in China. In den letzten Tagen habe sein Verband bereits einige Anfragen von besorgten Mitgliedsunternehmen erhalten, die von Fertigungsstätten in China aus in die USA liefern.

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