Berlin

Immobilienverband: Wohnbedarf durch Neubau nicht gedeckt

Wohnungsbau       -  Der Bau von Wohnungen hinkt aus sicht des Immobilienverbands GdW nach wie vor der Nachfrage hinterher.
Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa | Der Bau von Wohnungen hinkt aus sicht des Immobilienverbands GdW nach wie vor der Nachfrage hinterher.

Noch immer werden aus Sicht des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) nicht genügend neue Wohnungen gebaut, um den Bedarf zu decken.

Insgesamt rund 293.000 Einheiten seien im vergangenen Jahr bundesweit fertiggestellt worden, teilte der Verband am Mittwoch in Berlin mit. Um mit dem Bedarf mitzuhalten, seien aber rund 320.000 notwendig gewesen. Damit übersteige die Nachfrage das Angebot um etwa acht Prozent.

Mit Blick auf den sozialen Wohnungsbau sei die Lage sogar dramatisch, sagte GdW-Präsident Axel Gedaschko. Hier gebe es eine „katastrophale Bedarfsunterdeckung von 32 Prozent”. 25.600 Sozialwohnungen wurden demnach im vergangenen Jahr gebaut. „Wir brauchen aber jedes Jahr im Schnitt 80.000 solcher Wohnungen. Davon sind wir meilenweit entfernt.”

Während also nur ein Bruchteil dessen gebaut werde, was notwendig sei, fielen gleichzeitig jedes Jahr 43.000 Mietwohnungen aus der Sozialbindung. Der Bestand sei zwischen 2002 und 2019 um 1,2 Millionen Sozialwohnungen geschrumpft.

„Das bedeutet aber nicht, dass auch die Mieten sofort auf das Niveau des Mietspiegels steigen”, sagte Gedaschko. Vor allem kommunale Wohnungsunternehmen seien darum bemüht, die Mieten auch dort niedrig zu halten, wo Wohnungen aus der Sozialbindungn gefallen sind.

Besonders schlecht sei die Situation in Berlin. Hier wurden im vergangenen Jahr lediglich knapp 1800 Sozialwohnungen gebaut und damit etwa halb so viele wie im Jahr zuvor.

Einen Grund für die bundesweite Entwicklung sieht Gedaschko in den hohen Baupreisen. Diese seien im Februar vor der Corona-Krise erneut um 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen. Innerhalb der vergangenen fünf Jahre hätten sich die Preise im Monat Februar verdoppelt. „Das ist der Auslastung geschuldet”, sagte er.

„Wenn wir etwas Gutes in der Corona-Krise sehen wollen, dann ist es das Momentum, dass an einigen Stellen Aufträge derzeit zurückhaltender vergeben werden, was die Auslastung wahrscheinlich kurz oder mittelfristig nach unten bringt.” Allerdings seien auch die Bodenpreise vor allem in den Gebieten, in denen dringend Wohnungsbau notwendig ist, in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen.

Der GdW forderte auch ein Umdenken bei der energetischen Sanierung. Seit 2010 seien fast 342 Milliarden Euro in energetische Modernisierungsmaßnahmen von Gebäuden investiert worden. Doch der Endenergieverbrauch habe zwischen 2010 und 2018 stagniert. „Wenn wir diese Zahlen sehen, können wir nicht einfach so weiter machen wie bisher”, sagte Gedaschko.

Unterdessen kritisierte der Deutsche Mieterbund am Mittwoch, dass der Kündigungsschutz für Mieter wegen Corona-bedingter Mietausfälle Ende Juni ausgelaufen ist und nicht verlängert wurde. „Hunderttausenden Mietern kann nun trotz anhaltender Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit und Einkommenseinbußen wieder wegen Mietrückständen gekündigt werden, auch wenn diese rein corona-bedingt sind”, teilte der Verband mit.

Dem GdW zufolge sind bei den eigenen Mitgliedsunternehmen zwischen April und Juni rund 18,1 Millionen Euro an Mietrückständen aufgelaufen. 0,6 Prozent aller Mietverhältnisse seien betroffen. „Mit Stundungsanträgen kamen Mieter nur in 0,33 Prozent aller Mietverhältnisse auf ihr Wohnungsunternehmen zu.”

© dpa-infocom, dpa:200701-99-635078/2

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