Wiesbaden

Preisauftrieb beschleunigt sich: Inflation bei 1,3 Prozent

Tankstelle       -  Ein Teil des Preisanstiegs ist nach Experten-Einschätzung auf den höheren Ölpreis und damit verbunden teureres Benzin und Heizöl zurückzuführen.
Foto: Sven Hoppe/dpa | Ein Teil des Preisanstiegs ist nach Experten-Einschätzung auf den höheren Ölpreis und damit verbunden teureres Benzin und Heizöl zurückzuführen.

Nach dem Auslaufen der Mehrwertsteuersenkung zieht die Teuerung in Deutschland weiter an. Die Verbraucherpreise stiegen im Februar gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Montag anhand vorläufiger Daten mitteilte.

Es war der stärkste Anstieg seit März 2020 mit damals 1,4 Prozent. Im Januar war eine Jahresinflationsrate von 1,0 Prozent und im Dezember von minus 0,3 Prozent gemessen worden. Gegenüber dem Vormonat legten die Verbraucherpreise im Februar 2021 um 0,7 Prozent zu.

Ein Teil des Anstiegs ist nach Einschätzung von Commerzbank-Experte Ralph Solveen auf den höheren Ölpreis und damit verbunden teureres Benzin und Heizöl zurückzuführen. Verbraucher mussten im Februar für Haushaltsenergie und Kraftstoffe erstmals seit Monaten wieder mehr zahlen als ein Jahr zuvor (plus 0,3 Prozent). Nahrungsmittel und Dienstleistungen verteuerten sich gegenüber dem Vorjahresmonat um jeweils 1,4 Prozent.

Nach dem Auslaufen der Mehrwertsteuersenkung hatte die Inflation bereits im Januar einen Sprung gemacht. Die für ein halbes Jahr eingeführten niedrigeren Steuersätze von 16 beziehungsweise 5 Prozent zur Ankurbelung des Konsums in der Corona-Krise waren Ende vergangenen Jahres ausgelaufen. Zudem wurde Anfang 2021 eine CO2-Abgabe von 25 Euro je Tonne ausgestoßenem Kohlendioxid (CO2) eingeführt worden, das beim Verbrennen von Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas entsteht.

Ökonomen rechnen damit, dass die Inflation in Deutschland in diesem Jahr anzieht. „Mehrwertsteuererhöhung, CO2-Abgabe und andere Sondereffekte lassen die Preise zwar nur einmal steigen. Dieser Anstieg geht aber eben auch nicht wieder weg und steht bis Jahresende in den Büchern”, erläuterte Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der Union Investment Gruppe.

Hinzu kommt: Von den coronabedingten Einschränkungen besonders hart getroffene Branchen wie Friseure, Hotels oder Gaststätten könnten die Preise erhöhen, auch um Kosten für zusätzliche Hygienemaßnahmen reinzuholen. Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Bank, weist darauf hin, dass Friseure nach dem Ende des ersten Corona-Lockdowns im vergangenen Frühjahr auf die gestiegene Nachfrage mit Preiserhöhungen reagiert hätten. „Ähnliche Muster können im Gastgewerbe erwartet werden”, argumentierte Brzeski.

Ob die Inflation dauerhaft anzieht, ist dagegen umstritten. Die Inflationsrate ist ein wichtiger Gradmesser für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

Die Notenbank strebt für den gesamten Euroraum mit seinen 19 Ländern mittelfristig eine Jahresteuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an - weit genug entfernt von der Nullmarke. Trotz Nullzinspolitik und milliardenschwerer Wertpapierkäufe der Notenbank wird dieser Wert seit Jahren verfehlt. Dauerhaft niedrige oder auf breiter Front sinkende Preise sind ein potenzielles Risiko für die Konjunktur. Sie können Unternehmen und Verbraucher verleiten, Investitionen aufzuschieben.

In Deutschland lag der für die EZB-Geldpolitik maßgebliche harmonisierte Verbraucherpreisindex HVPI im Februar um 1,6 Prozent über dem Stand des Vorjahresmonats.

© dpa-infocom, dpa:210301-99-636558/4

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