Frankfurt/Main

Lufthansa mit Rekordverlust im Corona-Jahr

Lufthansa zieht Corona-Bilanz für Horror-Jahr 2020       -  Die Lufthansa zieht Corona-Bilanz für das Horror-Jahr 2020.
Foto: Vasco Garcia/dpa | Die Lufthansa zieht Corona-Bilanz für das Horror-Jahr 2020.

Nach einem milliardenschweren Rekordverlust für 2020 rüstet sich die Lufthansa für ein weiteres schwieriges Jahr mit der Corona-Pandemie.

Der staatlich gestützte Luftverkehrskonzern traute sich bei der Bilanzvorlage am Donnerstag für 2021 keine konkrete geschäftliche Prognose zu und rechnet nur noch mit einem Flugangebot zwischen 40 bis 50 Prozent des Niveaus aus dem Vorkrisenjahr 2019. Bisher hatte Unternehmenschef Carsten Spohr noch bis zu 60 Prozent für möglich gehalten.

Der Geschäftseinbruch in der Corona-Krise hat der Lufthansa im abgelaufenen Jahr einen Rekordverlust von 6,7 Milliarden Euro eingebracht nach einem Gewinn von 1,2 Milliarden ein Jahr zuvor. Der Umsatz des MDax-Konzerns brach um fast zwei Drittel auf 13,6 Milliarden Euro ein. Der operative Verlust (bereinigtes Ebit) belief sich auf 5,45 Milliarden Euro nach einem Plus von gut 2 Milliarden im Vorjahr. Eine Dividende für die Aktionäre wird es erneut nicht geben.

Für 2021 geht Spohr davon aus, dass der operative Verlust geringer ausfällt und die Lufthansa trotz der weiterhin schwierigen Lage die gewährten Staatshilfen von insgesamt 9 Milliarden Euro nicht vollständig in Anspruch nehmen muss. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben bereits 1 Milliarde Euro des hochverzinslichen KfW-Darlehens zurückgezahlt. 5,7 Milliarden Euro seien noch nicht genutzt worden. Nach der staatlichen Rettung konnte sich der Konzern auch wieder am privaten Kapitalmarkt Mittel besorgen und sie unter anderem mit Flugzeugen besichern.

Voraussetzung für eine Erholung seien Fortschritte beim Impfen und Testen. Vorstandschef Spohr verlangte ein einheitliches Vorgehen: „International anerkannte, digitale Impfnachweise und Testzertifikate müssen an die Stelle von Reiseverboten und Quarantäne treten.” Quarantänevorschriften seien der eigentliche Grund, warum Menschen auf Reisen verzichteten. Der von der EU vorangetriebene elektronische Impfnachweis müsse auch Corona-Tests enthalten, fordert Spohr.

Unterdessen hat das Management den Geldabfluss im laufenden Geschäft weiter eingedämmt. Obwohl der Flugbetrieb in den Wintermonaten größtenteils am Boden liegt, verbrannte die Lufthansa im vierten Quartal pro Monat nur noch 300 Millionen Euro. Dieses Niveau peilt der Vorstand auch für das laufende erste Quartal an. Um den Geldabfluss zu stoppen, müsste die Lufthansa nach eigenen Angaben mindestens halb so viele Flüge mit Passagieren durchführen wie im Jahr 2019. Nachdem Spohr seine Geschäftspläne für 2021 gekappt hat, ist dies für das laufende Jahr insgesamt nur schwer zu erreichen. Die liquiden Mittel zum Jahreswechsel beziffert der Konzern auf 10,6 Milliarden Euro.

Derzeit stehen rund 500 der insgesamt fast 800 Flugzeuge des Konzerns am Boden, darunter die vierstrahligen Langstreckenjets vom Typ Airbus A380, Airbus A340 und Boeing 747-400. Bis zum Jahr 2023 soll die Konzernflotte auf 650 Maschinen schrumpfen. Für 115 Maschinen steht bereits fest, dass sie für die Lufthansa nicht mehr starten werden. Der Vorstand will auf der Langstrecke künftig vor allem auf weniger spritdurstige Modelle setzen wie Airbus A350 und Boeing 787 „Dreamliner”.

Im abgelaufenen Jahr absolvierte der Konzern nur ein Drittel so viele Flüge wie 2019. Rund 36,4 Millionen Fluggäste bedeuteten im Vergleich zum Vorjahr nur 25 Prozent. Einziger Lichtblick in der Konzernbilanz ist die Frachttochter Lufthansa Cargo, die dank kräftig gestiegener Preise ein operatives Rekordergebnis von 772 Millionen Euro ablieferte. Wegen der ausgefallenen Passagierflüge sank zwar das Platzangebot für Fracht um 39 Prozent, gleichzeitig stiegen aber die Durchschnittserlöse im verbleibenden Angebot um 55 Prozent.

Weiterhin hat der Konzern eine zu große Mannschaft für seine abgespeckten Ziele an Bord. Zwar haben weltweit rund 31 000 von einstmals 141 000 Beschäftigten das Unternehmen bereits verlassen, aber Spohr hält nur eine Höchstzahl von 100.000 für möglich. Das setze bereits eine starke Ausweitung der Teilzeit voraus. In Deutschland hat der Konzern rund 62.000 Beschäftigte von einstmals 70.000. Hier war insbesondere der Verkauf des Cateringgeschäfts LSG in Europa wirksam. Der Konzern versucht, Mitarbeiter mit Abfindungen zum Gehen zu bewegen, bereitet sich aber auch auf Entlassungen insbesondere von Piloten vor.

Der Konzern macht sich auch bereit zum Verkauf verschiedener Teilgesellschaften. Als erstes ist das außereuropäische Catering-Geschäft dran, danach der Geschäftsreise-Dienstleister AirPlus. Langfristig könnte auch ein Minderheitsanteil der Lufthansa Technik veräußert werden, die in normalen Zeiten stabile Erträge geliefert hat.

© dpa-infocom, dpa:210304-99-681582/3

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