Washington

US-Notenbank warnt vor langsamerer wirtschaftlicher Erholung

US-Notenbank       -  Die Zentrale der US-Notenbank Federal Reserve in Washington.
Foto: J. Scott Applewhite/AP/dpa | Die Zentrale der US-Notenbank Federal Reserve in Washington.

Der wirtschaftlichen Erholung von der Corona-Krise geht der Schwung aus. Das hat die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) angesichts der weiter relativ hohen Arbeitslosenrate und den anhaltenden konjunkturellen Folgen der Pandemie erklärt.

„Die Geschwindigkeit der Erholung von Wirtschaft und Arbeitsmarkt hat sich in den vergangenen Monaten gemäßigt”, erklärte die Zentralbank am Mittwoch. Besonders schwierig sei es für Branchen, die direkt von den Auswirkungen betroffen seien wie etwa das Gastgewerbe.

Die Notenbank der weltgrößten Volkswirtschaft betonte, die weitere Entwicklung der Wirtschaft werde abhängen „vom Kurs des Virus, inklusive Fortschritt bei den Impfungen”. Damit erwähnte die Zentralbank erstmals die laufende Corona-Impfkampagne in prominenter Weise. Notenbankchef Jerome Powell sagte mit Blick auf die hochgradig wirksamen Impfstoffe: „Hinreichend weit verbreitete Impfungen würden es uns ermöglichen, die Pandemie hinter uns zu lassen und zu normalerem Wirtschaftsgeschehen zurückzukehren.” Der wirtschaftliche Ausblick für die zweite Jahreshälfte sei daher besser, sagte er.

Powell räumte aber ein, dass es lange dauern werde, genügend Amerikaner zu impfen, um die sogenannte Herdenimmunität zu erreichen. Er zeigte sich trotzdem optimistisch: „Es gibt für die Wirtschaft jetzt nichts wichtigeres, als dass die Leute geimpft werden.” Bislang wurden rund 20 Millionen der 330 Millionen Menschen im Land geimpft.

Die Fed hielt daher wie erwartet an ihrer historisch lockeren Geldpolitik fest. Der Leitzins verbleibt auf dem ultraniedrigen Niveau von 0,0 bis 0,25 Prozent. Dies sei angesichts der Lage am Arbeitsmarkt und der niedrigen Inflation weiter angemessen, hieß es. Auch die Wertpapierkäufe in Höhe von rund 120 Milliarden US-Dollar im Monat zur Stützung der Konjunktur werden demnach weitergehen.

Die Geldpolitik werde weiter „wirkmächtige Unterstützung” leisten, bis die Erholung der Wirtschaft abgeschlossen sei, versprach Powell. Die Wirtschaft habe sich als wandlungsfähig und widerstandsfähig erwiesen, auch dank der großen Konjunkturpakete, sagte Powell. Aber die Lage am Arbeitsmarkt habe sich zuletzt wieder verschlechtert, mahnte er. Die weitere Entwicklung sei hochgradig unsicher”.

Nur eine Woche nach der Vereidigung des neuen US-Präsidenten Joe Biden war bei der Fed-Sitzung nicht mit großen Entscheidungen gerechnet worden. Die unabhängige Notenbank hat ihre Geldpolitik wegen der Corona-Krise bereits beispiellos gelockert.

Der Kongress hatte zuletzt Ende Dezember ein Hilfspaket im Umfang von rund 900 Milliarden US-Dollar beschlossen. Der Demokrat Biden wirbt indes bereits für ein weiteres Konjunkturpaket in Höhe von rund 1,9 Billionen Dollar, um Wirtschaft und Arbeitsmarkt wieder anzukurbeln und die Pandemie einzudämmen. Biden ist dafür aber auf die Zustimmung der beiden Parlamentskammern im US-Kongress angewiesen.

Vor der Zuspitzung der Pandemie im vergangenen März boomte die US-Wirtschaft noch. Die Arbeitslosenquote war mit 3,5 Prozent so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr, im Dezember lag sie bei 6,7 Prozent. Zuletzt erhielt rund 16 Millionen Menschen eine Form von Arbeitslosengeld. Bereits an diesem Donnerstag wollte die Regierung die erste Schätzung zum Wachstum der Wirtschaftsleistung im vierten Quartal und für das ganze Kalenderjahr bekanntgeben.

Kein Land der Welt ist in absoluten Zahlen so stark von der Pandemie betroffen wie die USA. Bislang meldeten die Behörden rund 25,5 Millionen bestätigte Infektionen und fast 430.000 Todesfälle. Zuletzt ging die Zahl der Neuinfektionen jedoch wieder etwas zurück und lag im Schnitt bei rund 165.000 pro Tag.

© dpa-infocom, dpa:210127-99-197827/2

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