Wolfsburg/Brüssel

VW-Konzern verfehlt CO2-Ziele 2020 leicht

Volkswagen-Elektroauto       -  Ein neuer VW ID.3 steht bei einem Pressetermin zur Auslieferung der ersten Volkswagen-Elektroautos in einem Autoturm der Autostadt.
Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa | Ein neuer VW ID.3 steht bei einem Pressetermin zur Auslieferung der ersten Volkswagen-Elektroautos in einem Autoturm der Autostadt.

Der Volkswagen-Konzern hat die Flottenziele der Europäischen Union für den Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) im vergangenen Jahr wie erwartet knapp verfehlt.

2020 sanken die durchschnittlichen Emissionen neu verkaufter Autos aus der VW-Gruppe zwar um rund ein Fünftel auf 99,8 Gramm je gefahrenem Kilometer, wie die Wolfsburger mitteilten.

In dem mit einigen kleineren Herstellern bei der EU gebildeten, maßgeblichen Pool zur CO2-Abrechnung lag VW aber insgesamt noch 0,5 Gramm über dem nötigen Zielwert von etwa 98,8 Gramm. Im vierten Quartal entstehe dadurch keine weitere Ergebnisbelastung, weil bereits frühzeitig Rückstellungen gebildet worden seien, hieß es.

Die EU-Kommission muss die Abgaswerte der Hersteller noch offiziell bestätigen. VW-Vorstandschef Herbert Diess hatte schon angekündigt, dass die Ziele im vergangenen Jahr um weniger als ein Gramm verfehlt worden sein dürften. Volkswagen als Konzern lag den Angaben eines Sprechers zufolge mit den erreichten 99,8 Gramm rund ein Gramm über den Vorgaben für den Pool. Zu diesem zählen unter anderem auch der chinesische Joint-Venture-Partner SAIC, eine britische Tochter des chinesischen Herstellers Geely oder das Aachener E-Auto-Unternehmen Next.e.GO des Streetscooter-Mitgründers Günther Schuh.

In der EU gelten seit 2020 verschärfte Vorgaben für den CO2-Ausstoß. Branchenweit sollte dieser - von Übergangsregelungen abgesehen - bei 95 Gramm pro gefahrenem Kilometer liegen.

Jeder Autohersteller hat je nach Marktposition und Schwere der produzierten Fahrzeuge eigene individuelle Ziele zu erfüllen. Außerdem gab es „Supercredits” etwa für die Anrechnung von E-Modellen, womit der relative Beitrag von Verbrennern gedrückt werden kann. Weichen die realen CO2-Werte insgesamt weit von den Zielen ab, drohen hohe Strafen: Pro verkauftem Fahrzeug und Durchschnittsgramm zu viel sind 95 Euro fällig - was sich im Fall großer Spannen bis zu Milliardenzahlungen addieren kann.

Derzeit legen die Verkäufe von Elektroautos und Plug-in-Hybriden auch wegen stärkerer Förderung zu - wobei Klimaschützer kritisch auf die Zuschaltung von Dieseln oder Benzinern in Hybridmodellen verweisen. Mit Blick auf 2021 und den erwarteten steigenden Absatz alternativer Antriebe äußerte sich Diess zuversichtlich: „Nun kommen neben Volkswagen Pkw und Audi auch Cupra und Skoda mit weiteren E-Modellen. Damit werden wir in diesem Jahr das Flottenziel erreichen.”

Insgesamt hatte die Pandemie 2020 die Auslieferungen des VW-Konzerns um 15,2 Prozent abrutschen lassen. Deutliche Zuwächse gab es aber bei alternativen Antrieben: Für reine E-Fahrzeuge wurde mehr als eine Verdreifachung auf knapp 232 000 Stück gemeldet, bei Plug-in-Hybriden eine Steigerung um 175 Prozent auf gut 190.000 Exemplare. Innerhalb der EU einschließlich Großbritannien, Norwegen und Island stieg der Verkaufsanteil elektrifizierter Wagen um 8 Punkte auf 9,7 Prozent.

Die Kernmarke VW Pkw allein erfüllte die CO2-Vorgaben 2020 nach vorläufigen Unterehmensangaben bereits mehr als nötig: Sie erreichte - auch dank des Starts der neuen ID-Reihe - einen Flottenschnitt von 92 Gramm je Kilometer, 5 Gramm unter dem Ziel. Audi mit dem e-tron soll ebenso schon unterhalb seiner Markenschwelle liegen, genauere Daten hierzu gab es zunächst nicht. Die Luxusmarken Lamborghini und Bentley zählen nicht in die Konzernbilanz. Bis 2050 strebt die VW-Gruppe die Klimaneutralität an, in den kommenden fünf Jahren fließen rund 46 Milliarden Euro in den Ausbau der E-Mobilität und Hybridtechnik.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace sieht die bisher bekannten Werte mit gemischten Gefühlen. „VW lässt sich von einer Reihe anderer E-Auto-Hersteller unter die Arme greifen und reißt trotzdem seine seit Jahren bekannten europäischen CO2-Ziele”, meinte Verkehrsexperte Benjamin Stephan zu den Pool-Zahlen. „Wenn Volkswagen den europäischen Klimazielen im Verkehr nicht weiter hinterherlaufen will, muss Diess sich schnell vom Verbrennungsmotor verabschieden.”

Der Konkurrent BMW schaffte 2020 Unternehmenskreisen zufolge die Einhaltung seines CO2-Flottenziels. Er blieb nach Informationen der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX schon im vorigen Jahr deutlich unter den Vorgaben: Die Münchener unterschritten mit 99 Gramm das Soll um rund 5 Gramm. BMW-Chef Oliver Zipse hatte sich des Öfteren selbstbewusst gegeben, was das Erreichen der Klimaziele angeht.

© dpa-infocom, dpa:210121-99-117968/3

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