Frankfurt/Main

Zeichen stehen auf Konjunkturerholung

Mobile Kräne       -  Mobile Kräne im Rostocker Seehafen. Die deutsche Industrie profitiert laut Bundesbank bereits seit geraumer Zeit von einer starken Nachfrage im Zuge der weltweiten Konjunkturerholung.
Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa | Mobile Kräne im Rostocker Seehafen. Die deutsche Industrie profitiert laut Bundesbank bereits seit geraumer Zeit von einer starken Nachfrage im Zuge der weltweiten Konjunkturerholung.

Nach dem Konjunktureinbruch in der Corona-Pandemie zu Jahresbeginn zeichnet sich eine rasche Erholung in Deutschland ab.

Die Bundesbank rechnet damit, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal wieder deutlich zulegt. Zunehmende Lockerungen der Corona-Maßnahmen beflügelten im Mai auch die Stimmung der Unternehmen im Euro-Raum. Sie war so gut wie seit Februar 2018 nicht mehr.

Bei schnellen Impf-Fortschritten bestehe die Aussicht, dass die Eindämmungsmaßnahmen in den kommenden Monaten erheblich gelockert werden könnten, schrieb die Bundesbank in ihrem am Freitag veröffentlichten aktuellen Monatsbericht. Dann könnte das Bruttoinlandsprodukt im dritten Vierteljahr stark zulegen und sein Vorkrisenniveau bereits im Herbst wieder überschreiten.

Die Inflationsrate dürfte im Laufe des Jahres weiter anziehen. Der für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) maßgebliche harmonisierte Verbraucherpreisindex HVPI könnte zum Ende des Jahres in Deutschland vorübergehend vier Prozent erreichen. Ursache sei vor allem der statistische Sondereffekt bei Pauschalreisen, die wegen der Pandemie 2020 zeitweise zum Erliegen gekommen waren.

Im ersten Quartal 2021 war das BIP nach vorläufigen Zahlen gegenüber dem Vorquartal um 1,7 Prozent eingebrochen. Im Euro-Raum insgesamt war die Wirtschaftsleistung gegenüber dem Vorquartal um 0,6 Prozent geschrumpft.

Die Stimmung in den Unternehmen des Euro-Raums hellte sich im Mai weiter auf. Der Einkaufsmanagerindex des Marktforschungsinstituts IHS Markit stieg gegenüber dem Vormonat um 3,1 Punkte auf 56,9 Punkte, wie Markit nach einer ersten Schätzung in London mitteilte. Dies ist der höchste Stand seit Februar 2018. Mit über 50 Punkten signalisiert das Konjunkturbarometer klar Wirtschaftswachstum. Vor allem die Stimmung im Dienstleistungssektor verbesserte sich deutlich. Ein wenig eingetrübt hat sich der Indikator für die Industrie. Experten verweisen vor allem auf Probleme bei Lieferketten.

Dienstleister wie Gastronomen, Einzelhändler oder Hoteliers leiden besonders unter den Corona-Beschränkungen. Die deutsche Industrie profitiert dagegen bereits seit geraumer Zeit von einer starken Nachfrage im Zuge der weltweiten Konjunkturerholung. So stiegen beispielsweise die Exporte der deutschen Elektroindustrie im März gegenüber dem Vorjahresmonat um 12,2 Prozent auf 19,7 Milliarden Euro. Die teilweise bereits von der Corona-Krise verursachten Einbußen im März 2020 konnten so mehr als wettgemacht werden, berichtete der Branchenverband ZVEI. Für das gesamte erste Quartal, in dem auch Umsatz und Produktion wieder über den Vorjahreswerten gelegen hatten, ergab sich ein Export-Plus von 3,4 Prozent.

Das gewaltige Konjunkturpaket der neuen US-Regierung unter Präsident Joe Biden dürfte laut der Bundesbank auch positiv auf Europa ausstrahlen. Im Euroraum könnte das Niveau des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im laufenden Jahr dadurch um 0,1 bis 0,3 Prozent zunehmen. Vor allem die Exporteure dürften von der anziehenden US-Nachfrage profitieren. Grundlage der Schätzung sind zwei Modellrechnungen. Die neuen billionenschweren Pläne der US-Regierung zur Stärkung der Infrastruktur sind nicht enthalten.

Auch Deutschland und andere Länder versuchen, das Corona-Tief mit Hilfsmilliarden abzufedern. Nach Einschätzung der Bundesbank könnte sich das deutsche Staatsdefizit im laufenden Jahr „auf eine Größenordnung von sechs Prozent des BIP zubewegen” nach gut vier Prozent im Jahr 2020. „Solange die pandemiebedingten Einschränkungen anhalten, bleiben gezielte fiskalische Hilfen wichtig”, hieß es im Monatsbericht.

Die Staaten der Europäischen Union hatten wegen der Corona-Krise erstmals die Regeln des Stabilitäts- und Wachstumspakts ausgesetzt, wonach das Haushaltsdefizit nicht über 3 Prozent und die Gesamtverschuldung nicht über 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen darf. Die EU-Kommission plädiert dafür, die Aussetzung der Regeln in diesem Jahr beizubehalten.

Die Bundesbank spricht sich dafür aus, erst später im Jahr über die EU-Regeln und die deutsche Schuldenbremse zu entscheiden. „Denn im weiteren Jahresverlauf wird sich wesentlich besser bewerten lassen, ob die jeweilige Ausnahmeklausel noch nötig ist, um die Krisenlage zu überwinden”, argumentierten die Notenbank-Ökonomen.

© dpa-infocom, dpa:210521-99-689748/4

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