Berlin/Frankfurt

Wirtschaft rechnet vorerst nicht mit Trendwende

Maschinenbau       -  Ein Arbeiter baut in einem Werk ein Getriebe zusammen. Laut Industriepräsident Dieter Kempf bleibt die Lage besonders für die Industrie „schwierig”.
Foto: Felix Kästle/dpa | Ein Arbeiter baut in einem Werk ein Getriebe zusammen. Laut Industriepräsident Dieter Kempf bleibt die Lage besonders für die Industrie „schwierig”.

Nach einem Jahr geprägt von Konjunkturabkühlung und globalen Handelskonflikten erwartet die deutsche Wirtschaft auch 2020 keine durchgreifende Trendwende. Die Aussichten sind gedämpft. Allerdings dominiert nicht überall Pessimismus.

Nach Einschätzung von Industriepräsident Dieter Kempf bleibt die Lage für die Industrie schwierig. „Wir befinden uns im Abschwung, eine Bodenbildung ist noch nicht in Sicht”, sagte Kempf der Deutschen Presse-Agentur. DIHK-Präsident Eric Schweitzer sagte, zwar habe sich die Stimmung zuletzt wieder leicht verbessert. „Aber die konkreten Rückmeldungen aus vielen Unternehmen ergeben weiterhin vor allem den Rückschluss: 2020 wird für die deutsche Wirtschaft ein herausforderndes Jahr.”

Die Exportunternehmen erwarten „ein Jahr des Übergangs, das - wenn alles gut geht - etwas besser als das aktuelle wird”, sagte Holger Bingmann, Präsident des Außenhandelsverbandes BGA. „Also kein Einbruch, aber eben auch keine großen Sprünge nach vorne.” Für das laufende Jahr 2019 rechnete der BGA zuletzt mit einem Exportwachstum von maximal 0,5 Prozent.

Aus Sicht Bingmanns besteht eine kleine Chance auf Aufhellung, sollte US-Präsident Donald Trump „zur Einsicht gelangen, dass im Wahljahr eine störungsfreie und rund laufende Weltwirtschaft von Vorteil für ihn ist, und wenn sich abzeichnet, wie der Brexit ausgestaltet wird.” Insgesamt blieben Weltwirtschaft und Welthandel aber störungsanfällig und die Welthandelsorganisation (WTO) angeschlagen.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) rechnet kalenderbereinigt mit einem Wachstum des Bruttoinlandprodukts in Deutschland von 0,5 Prozent im kommenden Jahr - das aber mehr Arbeitstage hat.

„Die Industrie aber ist in einem Abwärtstrend. Der Handelskrieg zum Beispiel zwischen den USA und China ist noch lange nicht vorbei”, sagte Kempf. „Die einzige gute Nachricht bei alldem ist aus unserer Sicht, dass die trüben Konjunkturaussichten wohl noch keine deutlich negativen Effekte auf das Thema Beschäftigung haben werden.”

Nach einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) unter 48 Wirtschaftsverbänden haben sich die Aussichten für 2020 in Teilen der deutschen Industrie etwas aufgehellt. „Es ist ein zarter Hoffnungsschimmer, aber noch keine Entwarnung”, sagte Michael Hüther, Direktor des arbeitgebernahen IW. „Die Unsicherheit wird hoch bleiben.”

Mit einem Absturz der Konjunktur rechnet Hüther nicht. „Das Bild insgesamt ist zwar mau. Ein schwerer Konjunktureinbruch wie im Jahr 2009 während der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise zeichnet sich aber nicht ab.” Bauwirtschaft und Privatkonsum seien weiter robust, der Arbeitsmarkt stabil. Für das kommende Jahr rechnet das IW mit einem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes in Europas größter Volkswirtschaft von 0,9 Prozent, bereinigt um die Zahl der Arbeitstage von 0,7 Prozent.

Die Herausforderungen für deutsche Unternehmen bleiben aber groß: Internationale Handelskonflikte, Digitalisierung, Strukturwandel und Konjunkturabkühlung belasten die Geschäfte. So gaben bei der Umfrage 32 (Vorjahr: 21) von 48 Verbänden an, dass die wirtschaftliche Situation der Firmen zur Jahreswende 2019/2020 schlechter sei als vor einem Jahr. Dies betrifft den Angaben zufolge besonders große und exportorientierte Branchen wie die Autoindustrie, den Maschinenbau, die Elektro- sowie die Chemieindustrie.

Für das kommende Jahr dominieren die Optimisten gegenüber den Pessimisten. Der Umfrage zufolge gehen 19 Verbände von einer etwas höheren Geschäftstätigkeit der Mitgliedsfirmen als 2019 aus. Ein kräftiges Plus wird allerdings in keiner Branche erwartet. 12 Verbände rechnen mit sinkender Produktion, der Rest geht von unveränderten Geschäften aus.

Zu den Optimisten zählen unter anderem die Bauindustrie und die Immobilienwirtschaft, die von der boomenden Wohnungsnachfrage profitieren. Das Handwerk, Handel, Versicherungen und teilweise auch Banken sind den Angaben zufolge ebenfalls zuversichtlich. Maschinenbau sowie Stahl- und Metallverarbeitung erwarten hingegen weitere Produktionsrückgänge. In der Automobil-, Elektro- und Chemieindustrie dürfte sich der Rückgang zumindest nicht weiter fortsetzen. Die Branchenexperten gingen hier von einer im Vergleich zum Jahr 2019 mehr oder weniger gleichbleibenden Produktion aus.

Getrübt ist die Stimmung bei Familienunternehmen. Bei einer aktuellen Umfrage der Verbände „Die Familienunternehmer” und die „Jungen Unternehmer” gaben zwar 48 Prozent der Mitglieder an, 2020 ein Wachstum zu erwarten. Für das Jahr 2019 hatten dies aber noch 61 Prozent der befragten Firmen angegeben. Knapp ein Drittel der Unternehmen befürchtet 2020 eine Verschärfung des Fachkräftemangels.

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