Des Gutsherrn Dichtkunst

Golden wird in diesem Jahr das Ochsenfurter Bratwurstfest. Zum 50. Mal nach der Wiederbegründung 1963 lädt der Volkstrachtenverein ins Städtchen am Main geladen. Dass dieses Fest bekannterweise auf eine ältere Tradition zurückgeht, schildert in lustigen Versen ein Gedicht in einem kleinen Büchlein mit dem Titel „Gesammelte Werke und schlechte Witze“, erschienen im Jahr 1855. Es wird von der Würzburger Universitätsbibliothek verwahrt.

Verfasser ist Theodor Gätschenberger (1791-1858), für rund 25 Jahre bis 1847 Gutsbesitzer in Tückelhausen und – mit seinem Würzburger Bruder Franz Anton – Gründer der dortigen Ölmühle für die Verarbeitung von Raps.

Beide gehörten zu einer Familie, die zwischen 1750 und 1847 von Würzburg aus ein großes Handels- und Industrieunternehmen aufgebaut hatte und der Wirtschaft in Franken bedeutende neue Impulse gab – unter anderem mit der Einführung von Klee- und Rapsanbau, der Mitbegründung der „Meekuh-Dampfschifffahrt“ oder der Steigerung der Salzproduktion in Bad Kissingen.

Der Ruf dieser Ölmühle drang bis nach München, so dass König Ludwig I. und Königin Therese am 27. August 1829 Theodor Gätschenberger in Tückelhausen besuchten und bei ihm das Mittagsmahl einnahmen.

1842 beim Kreisfest in Würzburg schloss den Festzug mit 16 Wagen jener der Gemeinde Tückelhausen, auf dem in verkleinertem Maßstab jene Ölmühle in vollem Betrieb aufgestellt war, wie das „Centralblatt des Landwirthschaftlichen Vereins Bayern“ vermeldet.

Wohl um die gleiche Zeit, vor 1847, zu der er noch in Tückelhausen lebte, hat Gätschenberger sein Gedicht zum Bratwurstfest verfasst, als dieses zusammen mit dem Landwirtschaftsfest in Ochsenfurt begangen wurde:

Dünkt euch schon schön das Bratwurstfest
In unser'n reichen Gauen,
Beweiset nichts - bekömmt sein Rest,
Da Größ'res anzuschauen.
Es tritt das Fest der Landwirtschaft
Heut bei uns ein mit Saft und Kraft!

Wohl kein Stadt im Frankenland
Hat so, wie sie, die Mittel,
Sie gab schon Feste mit Verstand
Eh'mals dem Domkapitel;
Hat alten Ruf und viel Metall,
Stadtgräben, Tür'n, und einen Wall.

Kanonen sind's nicht alle mehr,
Ein Teil wurd' einst gestohlen;
Sie kämpften für der Freiheit Ehr
Adieu! und Gott befohlen.
Nur Ruhe ist des Bürgers Pflicht,
Dazu braucht man Kanonen nicht

1847 sank der Stern der Gätschenberger'schen Unternehmen, vor allem als Folge des im gleichen Jahr gegründeten Zollvereins, der unter anderem den deutschen Ölmarkt neu regelte und die bayerischen Ölproduzenten in den Ruin trieb. So musste auch in Tückelhausen alles verkauft werden und Theodor Gätschenberger kehrte in seine Heimatstadt Würzburg zurück.

Weitere Artikel
Themen & Autoren
Archive
Bratwurstfest
Gedichte
Kunstwerke
Traditionen
Tückelhausen
Universitätsbibliotheken
Witze und Witzigkeit
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)