Mellrichstadt

Ein Hauch von Robin Hood im Mellrichstädter Stadtwald

Die Jagdbogenfreunde Rhön e.V. errichten in der Nähe des Kirschgartens bei Mellrichstadt einen 3D-Bogenparcours. Was ist an dieser Sportart so faszinierend?
Dieser Silberfuchs scheint den Hasen hinterherzujagen. Er wird sie allerdings nie erreichen. Denn es handelt sich lediglich um Attrappen. Zu sehen sind sie in der Nähe des Kirschgartens bei Mellrichstadt im 3D-Bogenparcours der Jagdbogenfreunde Rhön.
Foto: Björn Hein | Dieser Silberfuchs scheint den Hasen hinterherzujagen. Er wird sie allerdings nie erreichen. Denn es handelt sich lediglich um Attrappen.

Der Faszination von Pfeil und Bogen konnte man sich als Kind nur schwer entziehen. Wer erinnert sich nicht daran, dass er als Kind mit "Flitzebogen" und "Haselnussstecken" losgezogen ist, um ganz in der Tradition von Robin Hood auf Pirsch nach (virtueller) Beute zu gehen. Auch wenn mit zunehmendem Alter solche Fantasien in den Hintergrund treten: Die Grundfaszination bleibt erhalten. Das Kind im Manne (oder der Frau) ist häufig immer noch begeistert, wenn es einen Bogen und Pfeile sieht.

Zu Beginn und Ende des Bogenparcours ist eine Rastmöglichkeit eingerichtet. Über den entstehenden Bogenparcours freuen sich (von links): Mellrichstadts Bürgermeister Michael Kraus, Marco Wenzel (1. Vorsitzender der Jagdbogenfreunde Rhön), Michael Wehner (2. Vorsitzender) und Otfried Pankratius (Forstbetriebsgemeinschaft Rhön).
Foto: Björn Hein | Zu Beginn und Ende des Bogenparcours ist eine Rastmöglichkeit eingerichtet. Über den entstehenden Bogenparcours freuen sich (von links): Mellrichstadts Bürgermeister Michael Kraus, Marco Wenzel (1.

Die Begeisterung für den Bogensport lässt auch die Jagdbogenfreunde Rhön nicht los. 2017 wurden sie von den heutigen Vorsitzenden Marco Wenzel und Michael Wehner gegründet. In der Nähe des Kirschgartens hat der Verein einen Schießplatz eingerichtet. Doch das war den Mitgliedern nicht genug. Der Wunsch, einen 3D-Bogenparcours einzurichten, war schon immer da. "Wir haben zahlreiche Parcours in ganz Deutschland besucht und uns hier Anregungen geholt", sagt Wenzel, der genauso wie Wehner schon lange in der Szene aktiv ist. Eifrig hatte der Verein auch schon 3D-Tiere gesammelt, bisher fehlte nur noch ein passender Ort. Dieser konnte mittlerweile gefunden werden. Am Naherholungsgebiet Kirschgarten, ganz in der Nähe des Vereinsgeländes, wird derzeit eifrig an dem 3D-Bogenparcours gebaut. Spätestens bis Ende Mai hofft man, ihn vollendet zu haben.

Geier im Wald von Mellrichstadt? So etwas findet man wohl nur auf dem 3D-Bogenparcours.
Foto: Björn Hein | Geier im Wald von Mellrichstadt? So etwas findet man wohl nur auf dem 3D-Bogenparcours.

Im Rahmen eines Pressetermins stellten die beiden Vorsitzenden den im Bau befindlichen Parcours vor. Die Liebe zum Detail sieht man an allen Ecken und Enden. "Hier entsteht etwas Tolles", zeigte sich Mellrichstadts Bürgermeister Michael Kraus begeistert. Denn der Bogenparcours ist nicht nur für die Mitglieder. "Jeder Bogenschütze, der ein Mindestmaß an Erfahrung hat, kann hier schießen", erklärt Wenzel. Ein gemütlicher Platz mit Bänken und Tischen am Anfang des Parcours lädt zum Verweilen ein. Dabei wurde auch an Kleinigkeiten gedacht: Der Bogenfreund kann sein Sportgerät standesgemäß aufhängen, wenn er Rast macht.

Viel Herzblut in die Anlage investiert

Beim Rundgang über die Anlage zeigt sich, wie viel Herzblut die Jagdbogenfreunde Rhön hier investiert haben. "Ein rudimentärer Weg war zwar schon vorhanden. Dieser musste aber von Gestrüpp befreit werden, was Einiges an Arbeit gemacht hat", führt 2. Vorsitzender Michael Wehner aus. Dank der Beschilderung weiß der Besucher, wo das nächste Ziel ist.

An den Tieren aus Spezialschaum sind Wertungskreise angebracht.
Foto: Björn Hein | An den Tieren aus Spezialschaum sind Wertungskreise angebracht.
Die Jagdbogenfreunde Rhön haben viel Zeit investiert und die Wege befestigt.
Foto: Björn Hein | Die Jagdbogenfreunde Rhön haben viel Zeit investiert und die Wege befestigt.

Dass für den Parcours gerade der Kirschgarten ausgesucht wurde, hat mehrere Gründe. "Das Areal ist waldwirtschaftlich gesehen nicht rentabel", führt Otfried Pankratius von der Forstbetriebsgemeinschaft (FGB) Obere Rhön aus. "Außerdem sind ja nicht nur wirtschaftliche Aspekte bei einem Wald interessant, sondern auch der Erholungswert ist sehr wichtig", ergänzt Kraus. Und auch parcoursmäßig sei das Areal top. "Die Hanglage dient hier auch sozusagen als natürlicher Kugelfang, sodass die Sicherheit gewährleistet ist", sagt Wenzel. Außerdem liegt der Parcours abseits von Rad- und Wanderwegen, was bedeutet, dass hier alle sicher unterwegs sind. "Die Anbindung ist dennoch sehr gut", findet der Bürgermeister. Parkplätze sind in unmittelbarer Nähe ebenso vorhanden wie öffentliche Toiletten und zum Rasten lädt der nahegelegene Kiosk mit Imbiss und Biergarten ein. "Wir haben hier eine klassische Win-Win-Situation", freut sich Wehner.

Vor der Errichtung des Parcours ist der Wald von der Stadt zuerst durchforstet worden. Das angefallene Totholz wurde von den eifrigen Bogenfreunden dazu verwendet, Geländer und Treppen anzulegen, damit der Parcours bequem zu begehen ist.

Hirsch und Bär als Attraktionen

Ein Prachtexemplar von einem Hirsch.
Foto: Björn Hein | Ein Prachtexemplar von einem Hirsch.

Die geplanten 20 Stationen, von denen schon einige aufgebaut sind, bieten viel Abwechslung. Ein großer Hirsch sowie ein Bär sind die Attraktionen. Zwischendurch gibt es Hasen, Füchse und auch Geier sowie weiteres Getier. Alle Tiere sind aus Spezialschaum gefertigt und halten somit lange den Pfeilen stand. Durch die Wertungskreise an den Zielen wird gewährleistet, dass die Schützen präzise vorgehen müssen. Außerdem sind verschiedene Pflöcke eingeschlagen, von denen aus geschossen werden muss. "Die blauen Pflöcke sind für die Visierschützen gedacht, die roten für die Schützen, die einen Bogen ohne Visiereinrichtung haben", erklärt Wenzel.

Der Rundgang ist genau ausgeschildert. Freunde benachbarter Vereine haben den Parcours darauf hin geprüft, dass alles sicher und gut zu begehen ist. Auf dem "Internationalen Streutal-Parcours", wie ihn Wenzel mit einem Schmunzeln nennt, kann einiges dazugelernt werden, nicht nur bogentechnisch. Denn jede der Stationen trägt eine Länderflagge, die angibt, wo das Tier in freier Wildbahn häufig anzutreffen ist. Der Bär steht für Russland, der Wolf für Polen und das Reh für Deutschland.

Ein Fuchs jagt Rebhühnern hinterher.
Foto: Björn Hein | Ein Fuchs jagt Rebhühnern hinterher.

Schon über 300 Arbeitsstunden investiert

Diese Hasen warten auf die Bogenschützen im 3D-Parcours.
Foto: Björn Hein | Diese Hasen warten auf die Bogenschützen im 3D-Parcours.

Der "harte Kern" der Jagdbogenfreunde hat mittlerweile 300 Arbeitsstunden investiert. "Am Ende werden wir an die 500 Stunden hier verbracht haben", schätzt Wenzel. Coronakonform war man in Zweiergruppen unterwegs, was sehr gut geklappt habe. Ende Mai soll der 3D-Bogenparcours eröffnet werden. Dieser steht dann für alle Bogenfreunde und Interessierte zur Verfügung. "Das Begehen ist auf eigene Gefahr, jeder Schütze haftet für seinen Schuss", sagt Wenzel. Die Bahnen seien nach den geltenden Sicherheitsregeln eingerichtet worden.

Eine Rotte Wildschweine gibt sich auf dem Parcours ein Stelldichein.
Foto: Björn Hein | Eine Rotte Wildschweine gibt sich auf dem Parcours ein Stelldichein.

Aber warum hat man Tiere aus Spezialschaum als Ziel? "Es macht einfach mehr Spaß, auf 3D-Objekte zu schießen", meint Wenzel. Bogen zur richtigen Jagd sind zumindest in Deutschland nicht zugelassen. Aber um sich ein wenig wie Robin Hood zu fühlen, der im Sherwood Forest verbotenerweise den Hirsch des Königs erlegt - nicht nur dafür sind die Kunststofftiere gut. Denn auch wenn die heutigen Sportbögen mit den Flitzebögen von einst nicht mehr viel gemeinsam haben: Die Faszination für das Bogenschießen bleibt bei vielen ein Leben lang.

Wer sich für das Bogenschießen interessiert, kann mit den Jagdbogenfreunden Rhön e.V. unter jagdbogenfreunde-rhoen@gmx.de Kontakt aufnehmen.

Auch an Kleinigkeiten wurde gedacht: Hier kann auf dem Rastplatz der Bogen aufgehängt werden.
Foto: Björn Hein | Auch an Kleinigkeiten wurde gedacht: Hier kann auf dem Rastplatz der Bogen aufgehängt werden.
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