Bad Kissingen

Bad Kissingen: Warum die CSU jetzt drei Repräsentanten hat

Bei der Wahl der Landratsstellvertreter sollten eigentlich die Parteien nach der Anzahl ihrer Sitze im Kreistag berücksichtigt werden. Diesmal zählte etwas anderes.
Landrat Thomas Bold (CSU, ganz rechts) und seine künftigen Stellvertreter (von rechts) Emil Müller (CSU), Gotthard Schlereth (Freie Wähler) und Brigitte Meyerdierks (CSU).
Foto: Isolde Krapf | Landrat Thomas Bold (CSU, ganz rechts) und seine künftigen Stellvertreter (von rechts) Emil Müller (CSU), Gotthard Schlereth (Freie Wähler) und Brigitte Meyerdierks (CSU).

Es ist jedes Mal spannend, wenn es zu Beginn der neuen Amtsperiode im Kreistag darum geht, wer künftig Landrat Thomas Bold stellvertretend repräsentieren soll. In der konstituierenden Sitzung am Montag in der Nüdlinger Schlossberghalle war schnell klar, dass die Parteien und Gruppierungen, bezüglich der zu vergebenden drei Stellvertreterposten, auch diesmal bereits im Vorfeld ihre Wunsch-Kandidaten untereinander ins Spiel gebracht und versucht hatten, Mehrheiten zu generieren.

So verlief die Wahl des ersten Stellvertreters, dessen Aufwandsentschädigung höher dotiert ist als bei den anderen beiden Kollegen, recht glatt ab. CSU-Fraktionssprecher Siegfried Erhard schlug Emil Müller dafür vor, der das Amt bereits zwölf Jahre lang bekleidete. Müller habe die Erwartungen, die man an ihn stellte, erfüllt. Er sei stets loyal und kurzfristig für Termine verfügbar gewesen, so Erhard weiter. Zudem sei er Sprecher des Kreistags gewesen. Bei der geheimen Wahl lief alles gut. 59 Kreistagsmitglieder stimmten ab. Müller bekam aber nur 52 Mal ein Ja, denn fünf Stimmen waren ungültig und zwei Personen hatten den Namen Manuela Rottmann auf ihre Zettel geschrieben.

Wer wird 2. Stellvertreter?

Vor 24 Jahren hatte man beschlossen, dass der 2. und 3. Stellvertreter des Landrats gleichberechtigt behandelt werden sollen. Jetzt wurde dies in der Geschäftsordnung geändert, wie Bold sagte, weil es diesbezüglich anderswo offenbar Unstimmigkeiten gegeben habe. Man legte fest, dass der 2. Stellvertreter sozusagen stets verpflichtend einspringen müsse, wenn der 3. keine Zeit habe. Dies gelte vor allem im Hinblick auf die Leitung der Sitzungen.

 

Am Montag wurden im Kreistag auch die neuen Mitglieder vereidigt (im Bild sind leider nur elf von 21 zu sehen).
Foto: Isolde Krapf | Am Montag wurden im Kreistag auch die neuen Mitglieder vereidigt (im Bild sind leider nur elf von 21 zu sehen).

Die beiden Landratsrepräsentanten wurden dann, wie üblich, per Handzeichen bestimmt. Schwierig schien es nicht gewesen zu sein, im Konsens einen 2. Stellvertreter zu bestimmen. Wie man aus internen Kreisen hörte, hatten Freie Wähler, Christlicher Bürgerblock Hammelburg (CBB) und die Parteilose Wählergruppe Bad Brückenau (PWG), die zusammen 12 Sitze im Kreistag haben, bereits im Vorfeld ihren Anspruch angemeldet und Gotthard Schlereth für diesen Posten ins Spiel gebracht. Die anderen Parteien und Gruppierungen sollen dies mitgetragen haben, wussten gewöhnlich gut unterrichtete Kreise. Das wundert nicht, denn Schlereth gilt überall als höchst integere Persönlichkeit.

Was ist mit den Mehrheitsverhältnissen?

Als Wolfgang Dünisch, Sprecher der Freien Wähler im Altlandkreis und des CBB, den früheren Bürgermeister Oberthulbas (20 Jahre lang) und langjährigen Kreisrat (18 Jahre lang) in der Kreistagssitzung ins Spiel brachte, gab es keinen Gegenvorschlag. Bei der Abstimmung waren alle für den Kollegen mit der großen kommunalpolitischen Erfahrung und dem ausgleichenden Wesen. Dass alle für ihn gestimmt hatten, freute Schlereth besonders, wie er später öffentlich formulierte.

Und dann wurde es spannend. Eigentlich muss man bei einer solchen Wahl davon ausgehen können, dass das Ergebnis auch die Mehrheitsverhältnisse im Kreistag widerspiegelt. Dagegen war jedoch in der Vergangenheit schon öfter verstoßen worden, als beispielsweise die SPD mit ihrer Stellvertreter-Anwärterin Sabine Dittmar weder 2002 noch 2008 zum Zuge gekommen war, obwohl die Partei ab 2002 die zweitstärksten Kraft im Kreistag darstellte.

Bei der Wahl der Stellvertreter pflegen alle sechs Jahre etliche im Gremium dann auch das Abdecken der Regionen durch die zu Wählenden anzumahnen. Diese beiden Umstände – der Parteien-Proporz und die Berücksichtigung der Altlandkreise – spielten bei der Abstimmung über den dritten Stellvertreterposten eine gewisse Rolle.

Horcher oder Meyerdierks?

B‘90/Die Grünen/Bürger für Umwelt (BfU) sind bekanntlich seit dem 15. März zweitstärkste Kraft im Kreistag. So beanspruchten sie am Montag auch den letzten ausstehenden Stellvertreterposten. Kreisrat Johannes Wegner schlug seine Parteikollegin Monika Horcher vor, die den Landrat in den vergangenen Jahren sehr gut vertreten habe, wie er sagte. Sie sitze seit 1996 im Kreistag und habe sich in ihrer Partei sehr kompetent gezeigt.

Doch auch die Parteilose Wählergruppe PWG meldete sich in der Sitzung zu Wort. Sprecher Roland Limpert schlug Brigitte Meyerdierks aus Bad Brückenau vor. Seiner Ansicht sollte man Kandidaten nicht nach Fraktionen auswählen, sondern auch danach, welchen Landkreis-Teil sie repräsentieren könnten. Meyerdierks sei von den Wählern an die dritte Stelle im Kreistag gewählt worden, was Limpert als Anerkennung ihres langjährigen politischen Engagements wertete. Deshalb sei sie für diesen Posten sehr gut geeignet.

Monika Horcher wurde bei der darauffolgenden Abstimmung mit 16:43 Stimmen abgelehnt. Und Brigitte Meyerdierks kam schließlich mit 54:5 Stimmen ins Ehrenamt.

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