Bad Kissingen

Landkreis Bad Kissingen: Das 5G-Netz in Theorie und Praxis

Seit neun Monaten rüstet die Telekom Masten im Landkreis mit dem Mobilfunk-Standard 5G auf. Online findet man dazu Berechnungsmodelle. Doch stimmen diese mit dem Empfang überein?
Mit Höchstgeschwindigkeit auf dem Daten-Highway unterwegs: So etwa kann man sich das vermutlich vorstellen, wenn künftig alle Menschen im Landkreis Bad Kissingen gleichzeitig im 5G-Netz surfen gehen.
Foto: 5GAA - dpa/5G Automotive Association | Mit Höchstgeschwindigkeit auf dem Daten-Highway unterwegs: So etwa kann man sich das vermutlich vorstellen, wenn künftig alle Menschen im Landkreis Bad Kissingen gleichzeitig im 5G-Netz surfen gehen.

Handynutzer kennen das Problem: Wenn sie im Landkreis Bad Kissingen im Auto unterwegs sind und telefonieren wollen, müssen sie gelegentlich damit rechnen, in ein Funkloch zu geraten. Zudem gibt es Ortschaften, deren Bewohner seit Jahren klagen, dass sie in einigen Straßenzügen schlechten oder überhaupt keinen Empfang haben. Das soll nun anders werden, wenn der neue Mobilfunk-Standard 5G im gesamten Landkreis greift und rasend schnelle Datenübertragung mit hoher Kapazität verspricht.

Zwei der drei Anbieter von Mobilfunk-Reichweiten im Landkreis, Vodafone und Telefónica (O2) wollen den Ausbau im Landkreis erst später vorantreiben. Die Nase vorn in Sachen 5G hat derzeit deutschlandweit und auch im Landkreis die Telekom. Der Konzern betreibt hier insgesamt 66 Mobilfunk-Standorte, die Bevölkerungsabdeckung liegt bei rund 95 Prozent, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung des Konzerns. Bis 2022 sollen 18 neue Standorte eingerichtet werden.

Mehr als doppelt so schnell unterwegs

In den vergangenen neun Monaten wurden von den 66 Standorten, nach Telekom-Angaben, drei mit LTE Advanced (4G) und 22 mit dem 5G-Netz ausgestattet. Konkret bedeute dies, dass sich die Surf-Geschwindigkeiten nun "teilweise mehr als verdoppeln". Die Kunden seien künftig dort mit bis zu 225 Mbit/s unterwegs, schreibt der Konzern.

In den kommenden zwei Jahren plant die Telekom, 26 weitere Standorte mit dem neuen Mobilfunk-Standard auszustatten. 2022  wären dann 51 Standorte im Landkreis mit dieser hochfrequenten Reichweite bespielt. Eine gute Nachricht, die vor allem solche Handynutzer hoffen lässt, die sich bislang in ihren Heimatorten mit einem eher mäßigen Handy-Empfang zufriedengeben mussten.

Die Standorte im Landkreis

Die bis heute mit einem 5G-Netz ausgestatteten Standorte sind, nach Angaben der Telekom, zu finden in den Kommunen Bad Bocklet, Bad Brückenau (2), Bad Kissingen (6), Burkardroth (2), Elfershausen, Euerdorf, Hammelburg (2), Motten, Münnerstadt (2), Nüdlingen, Oberthulba (2), Oerlenbach, Riedenberg, Schondra und Wildflecken.

5G-Mobilfunk ist in Bad Kissingen unter anderem auf dem Funkmast des alten Telekom-Gebäudes in der Innenstadt (Ludwigstraße) verfügbar.
Foto: Isolde Krapf | 5G-Mobilfunk ist in Bad Kissingen unter anderem auf dem Funkmast des alten Telekom-Gebäudes in der Innenstadt (Ludwigstraße) verfügbar.

Die Standorte in Elfershausen, Motten, Münnerstadt, Oberthulba (2), Riedenberg und Schondra dienen auch der Versorgung entlang der Autobahnen A 7 und A 71, teilt der Konzern mit. Denn in Sachen Mobilfunkversorgung macht die Bundesregierung, beziehungsweise die Bundesnetzagentur, Auflagen, sagt Hartmut Vierle, der Fachmann für Breitband und Mobilfunk von der Kompetenzstelle des Landratsamts, auf Anfrage dieser Redaktion. Wenn ein Anbieter die Lizenz für die Einrichtung des 5G-Netzes bekommen hat, muss er in einem bestimmten Zeitraum auch für die höherwertige Mobilfunkversorgung von Autobahnen, Bundes, Staats- und Kreisstraßen Sorge tragen.

Löchriges Versorgungsnetz?

Betrachtet man die Karte der Telekom im Internet, die den aktuellen Stand des 5G-Ausbaus in den Kommunen des Landkreises widerspiegeln soll, sieht man etliche kleine und große Lücken klaffen. Beispiel Bad Kissingen: Während die Kernstadt, Hausen, Kleinbrach und Garitz in Sachen 5G recht gut dastehen, bleibt hingegen der Ortskern von Arnshausen unversorgt. In Reiterswiesen zeigt sich mitten im Ort ein 5G-Versorgungsloch an der Burgstraße und am Burgblick. Da fragt man sich dann, ob das Hotel Sonnenhügel, das von einer schnelleren Netzgeschwindigkeit sicher profitieren würde, nun schon im 5G-Bereich liegt oder nicht.

Der Telekom-Karte zufolge herrscht auch in Albertshausen und Poppenroth, was den 5G-Empfang angeht,  bis auf kleine Randzonen weitgehend Leere. Der Stadtteil Poppenroth ist, was den Ausbau des Mobilfunks angeht, aus der Vergangenheit her ohnehin leidgeprüft, denn bereits der Ausbau von Surfgeschwindigkeiten innerhalb der 3G und 4G-Frequenzen gingen am Innerort vorbei. Die Handynutzer müssen in den meisten Straßenzügen noch mit dem 2G-Netz leben. An etlichen Stellen des Orts gibt es nur sehr schlechten Empfang.

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Ähnlich gestaltet sich auf der Karte im Internet die Situation im Burkardrother Ortsteil Stralsbach. Bestimmte Straßenzüge wurden in der Vergangenheit weder von 3G noch von 4G-Versorgung erreicht. Auch vom 5G-Empfang ist die Ortschaft bislang ausgeklammert. Zudem sind offenbar Waldfenster, Burkardroth und Oehrberg noch nicht ans 5G-Netz angebunden.

Ganz mau sieht es im östlichen Landkreis beispielsweise für Maßbach, Weichtungen, Volkershausen, Thundorf, Rothhausen und Theinfeld aus. Diese Orte waren, bis auf Maßbach, auch bislang von der 4G-Versorgung nicht komplett erfasst worden, kann man auf der Telekom-Karte recherchieren.

5G in Nüdlingen: Mobilfunkmast der Telekom auf einem Firmengebäude Am Pfaffenpfad.
Foto: Isolde Krapf | 5G in Nüdlingen: Mobilfunkmast der Telekom auf einem Firmengebäude Am Pfaffenpfad.

Manche Orte schauen noch in die Röhre

Während im Altlandkreis Bad Brückenau, nach Telekom-Angaben, beispielsweise Motten, Bad Brückenau, Oberleichtersbach und Schondra mit 5G bestens versorgt sind, schauen unter anderem Detter und Zeitlofs versorgungstechnisch noch in die Röhre.

Ein ähnliches Bild ergibt sich im Altlandkreis Hammelburg: Die Karte zeigt, dass zum Beispiel in Fuchsstadt, Obereschenbach, Morlesau, Waizenbach und Wartmannsroth die technologische Neuerung bislang kaum greift. Andererseits sind unter anderem die Stadt Hammelburg, Elfershausen und Euerdorf, sowie Aura (teilweise) gut mit den 5G-Frequenzen ausgestattet.

Theoretisches Berechnungsmodell

Ob sich wohl künftig auch kleinere Ortschaften im Landkreis, die bislang einen lückenhaften bis gar keinen Mobilfunk-Empfang hatten, an der neuen Netz-Technologie erfreuen dürfen? Mobilfunk-Experte Vierle macht Hoffnung. Auch kleinere Ortschaften würden demnächst von schnelleren 5G-Reichweiten profitieren, sagt er. Allerdings könne man hierzu keine Zeitangaben machen.

Die theoretischen Berechnungen von Mobilfunk-Frequenzen der Telefon-Konzerne seien jedoch "mit Vorsicht zu genießen", so der Mobilfunk-Beauftragte. Die Telekom-Karte im Internet zeige theoretische Berechnungsmodelle auf. "Wir als Landkreis haben aber den Anspruch, den Bürgern möglichst detailgenaue Daten an die Hand zu geben", sagt der Fachinformatiker und verweist auf seinen sogenannten Messrucksack, den er am 1. Juli offiziell in Dienst stellte.

Mit dem Messrucksack auf Tour 

Er ist mit drei Handys ausgestattet. Entweder nimmt er selbst ihn mit auf große Landkreis-Fahrt oder andere Kollegen des Landratsamts stellen ihn auf ihren Dienstreisen im Auto auf den Beifahrersitz. Ziel ist es dabei, die Mobilfunk-Frequenzen auf den Strecken des Landkreises zu erfassen, sagt Vierle.

5G in Münnerstadt: Im Bild der Mobilfunkmast der Telekom in der Nähe des Bahnhofs, gegenüber des BRK-Heims.
Foto: Isolde Krapf | 5G in Münnerstadt: Im Bild der Mobilfunkmast der Telekom in der Nähe des Bahnhofs, gegenüber des BRK-Heims.

Eine Mammutaufgabe, denn prozentual gesehen seien erst wenige Bereiche des Landkreises abgefahren worden, so der Fachmann des Landkreises. "Aber wir haben schon 21 Millionen Messpunkte gesammelt", sagt Vierle und verweist auf eine für alle einsehbare Karte im Internet (www.cellmapper.net), in die sämtliche, auf diesen Fahrten ermittelte Daten eingetragen werden. Die Karte werde auch von den Mobilfunk-Konzernen ausgewertet. "Wir stehen im ständigen Austausch." Denn es sollen im Landkreis möglichst wenig neue Mobilfunkmasten gebaut werden. Stattdessen wolle man die alten gut auslasten, so Vierle weiter.

Neue Masten braucht das Land

Dennoch bleibe es nicht aus, neue Masten zu bauen, wenn man das Mobilfunknetz an bestimmten Punkten im Landkreis schließen will, sagt Vierle. So ist jetzt beispielsweise ein neuer Mast in Völkersleier geplant, der auch die Wartmannsrother Ortsteile Heiligkreuz und Heckmühle mitversorgen soll. Zudem gebe es Verhandlungen bezüglich eines Grundstücks auf Stralsbacher Gemarkung (Marktgemeinde Burkardroth), wo ebenfalls ein Mobilfunkmast entstehen könnte.

Leider würden neu geplante Masten von der Bevölkerung gelegentlich allzu kritisch beäugt, weiß Vierle aus Erfahrung. "Alle haben Handys und beschweren sich über schlechten Empfang, aber keiner will dann den erforderlichen Mobilfunkmast in seiner Nähe haben."

Weitere Infos:  www.telekom.de/netzausbau

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