Bad Kissingen

Wie Bad Kissingen zu Badehaus, Bahnverkehr und Prachtbauten kam

1821 und 1871 waren bedeutsame Jahre für die Entwicklung Bad Kissingens in der Geschichte. Das liefert der Stadt 2021 die Möglichkeit zu schönen Jubiläen.
Vor 150 Jahren als Badehaus entstanden, wird das Luitpoldbad heute als Behördenzentrum genutzt.
Foto: Siegfried Farkas | Vor 150 Jahren als Badehaus entstanden, wird das Luitpoldbad heute als Behördenzentrum genutzt.

Bad Kissingens Geschichte als einer der bedeutendsten Badeorte Europas wirkt bis in unsere Tage nach. Die Segnungen der Weltbadzeit garantieren Bad Kissingen nicht nur einen guten Platz in der aussichtsreichen Bewerbung der elf Heilbäder, die zusammen als Great Spas of Europe in die Unesco-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen werden wollen. Der Blick in die Historie beschert der Stadt Jahr für Jahr interessante Erinnerungen und Jubiläen.

Für 2021 hält das Schatzkästlein der Geschichte ein paar runde Jubiläen von Einrichtungen bereit, die für das Leben in der Kurstadt auch viele Jahrzehnte nachdem sie in die Welt kamen, noch Bedeutung haben. Zum Beispiel das Luitpoldbad. Der erste Teil, der 120 Badekabinette aufnahm und im Innenhof ein Kesselhaus mit hohem Schornstein erhielt, wurde 1871, also vor 150 Jahren, vollendet. Der nördliche Abschluss der ursprünglichen Dreiflügelanlage durch einen Kursaalbau, das heutige Luitpoldcasino, kam von 1878 bis 1880 hinzu.

Das alte Kesselhaus stand bis ins letzte Viertel des 20. Jahrhunderts. Es musste erst um 1980 herum einem Solebewegungsbad weichen. Das ist allerdings, seit dem Umbau des ehemaligen Badehauses zum Behördenzentrum, auch schon wieder Geschichte.

Der Anschluss Kissingens an die Bahn erfolgte vor 150 Jahren.
Foto: Siegfried Farkas | Der Anschluss Kissingens an die Bahn erfolgte vor 150 Jahren.

Verkehrstechnisch entscheidender Schritt

Ebenfalls 150 Jahre her ist ein für das auf Gesundheit und Fremdenverkehr ausgerichtete Bad verkehrstechnisch besonders wichtiger Schritt: 1871 wurde die Bahnlinie Schweinfurt-Ebenhausen mit der Stichbahn nach Kissingen eröffnet. Das Bahnhofsgebäude war erst 1874 fertig. Ebenso die Fortsetzung der Hauptstrecke von Schweinfurt über Ebenhausen nach Neustadt und Meiningen. Nicht nur die imposante Größe und Bauart des Bahnhofs, sondern auch das im Inneren noch immer bestehende Fürstenzimmer belegen, dass man beim Anschluss der Stadt an den überörtlichen Verkehr nicht einfach nur an deren Einwohner dachte, sondern auch an ihre hochwohlgeborenen Gäste.

Ignatius Taschner auf dem Titel des Begleitbands zu einer Ausstellung über ihn und sein Werk.
Foto: Repro Siegfried Farkas | Ignatius Taschner auf dem Titel des Begleitbands zu einer Ausstellung über ihn und sein Werk.

1871 liefert Bad Kissingen sogar noch einen dritten runden Geburtstag. Am 9. April jenes Jahres kam in der Weidgasse Ignatius Taschner zur Welt, der sich später als Bildhauer, Grafiker, Illustrator in München und weit darüber hinaus einen Namen machte. In Kissingen verbrachte der aber nur die ersten Jahre seiner Kindheit, danach zog die Familie nach Lohr um. Trotzdem erinnert neben dem Hinweis auf das Geburtshaus auch ein Brunnen, der einem Werk Taschners nachgebildet ist, an den künstlerisch zwischen Jugendstil und Neoklassizismus verorteten Bildhauer.

Wie sich die Stadt von Gästen Geld besorgte

Dass Kissingen schon immer Geld brauchte, um seinen Gästen etwas zu bieten, beschert der Stadt 2021 sogar mehrere Jubiläen, die aber vermutlich nicht als Anlass zum Feiern betrachtet werden. 1821, also vor 200 Jahren, "ward für die Zukunft eine bessere nächtliche Beleuchtung im Städtchen und auf dem Wege zum Kurhause anbefohlen", heißt es in einem historischen Text. "Zu diesem Behufe" habe der Magistrat ein sogenanntes Laternengeld eingeführt, das von jedem Badegast verlangt wurde. Schon damals wurde diese "Abgabe von den Quartiersträgern eingenommen" und an eine öffentliche Kasse abgeliefert.

Von seinen Gästen eingenommenes Geld konnte Kissingen schon immer gut gebrauchen. Ein Ansatz im 19. Jahrhundert war das sogenannte Laternengeld.
Foto: Siegfried Farkas | Von seinen Gästen eingenommenes Geld konnte Kissingen schon immer gut gebrauchen. Ein Ansatz im 19. Jahrhundert war das sogenannte Laternengeld.

Diese Kasse war seinerzeit noch eine städtische. 55 Jahre später, also vor 145 Jahren, führte das Königreich Bayern, vertreten durch die Staatsministerien des Inneren und der Finanzen eine Kur- und Musiktaxe ein. Diese kommt der heutigen Kurtaxe schon im Namen ziemlich nahe. Vor knapp 100 Jahren versuchte sich die Stadt auch mit einer gemeindlichen Beherbergungssteuer. 1925 fiel diese Steuer aber wieder weg.

Ein Todestag, der sich zum 100. Male jährt

Zum 100. Mal jährt sich 2021 der Todestag von Oskar Panizza. Der einzige Bad Kissinger Schriftsteller mit literaturgeschichtlicher Bedeutung, der ursprünglich selbst zum Psychiater ausgebildet worden war, starb 1921 in einer Bayreuther Nervenheilanstalt, wo er die letzten 16 Jahre seines Lebens verbracht hatte. Panizzas Leben und Wirken als Literat war von Skandalen begleitet. Für seine antikatholische Groteske Das Liebeskonzil, den größten Literaturskandal der 1890-er-Jahre, wurde er  zu einem Jahr Einzelhaft verurteilt, die er in Amberg vollständig absaß.

Sonderausstellung wegen Luitpolds 200. Geburtstag

Doppelter Luitpold: Einmal für das Rakoczy-Fest dargestellt von Peter Krug und einmal gemalt durch Franz von Stuck.
Foto: Siegfried Farkas | Doppelter Luitpold: Einmal für das Rakoczy-Fest dargestellt von Peter Krug und einmal gemalt durch Franz von Stuck.

Während nicht sicher ist, ob Bad Kissingen eines der bisher beschriebenen Jubiläen feierlich begeht, laufen im Zusammenhang mit einem runden Geburtstag, der erst auf den zweiten Blick mit Kissingen zu tun hat, bereits umfangreiche Vorbereitungen. Prinzregent Luitpold kam am 12. März 1821 in Würzburg zur Welt. Während seiner Regentschaft erlebte Bad Kissingen jenen Boom, der es endgültig zum Weltbad aufsteigen ließ. In jenen Jahrzehnten, die in Bayern gerne als gute alte Zeit apostrophiert werden, entstanden Gebäude, die Deutschlands bekanntesten Kurort noch heute prägen.

Wie Kulturreferent Peter Weidisch bei der städtischen Haushaltsdebatte berichtete, ist dazu eine Sonderausstellung geplant. Weltbad Kissingen und Prinzregent Luitpold soll sie heißen. Eröffnet wird sie, wenn die Corona-Situation das zulässt, am 12. Mai.

Weitere Jubiläen im Überblick

  • Vor 145 Jahren, am 11. Januar 1876, nahm Kissingens damaliger Bürgermeister Dr. Gottlieb Full die erste standesamtliche Trauung in der Stadt vor. Dass diese obligatorische Zivilehe eingeführt wurde hat viel mit dem sogenannten Kulturkampf zu tun, den Otto von Bismarck, Kissingens Eiserner Kurgast, mit der katholischen Kirche führte.
  • Vor 135 Jahren begannen in Bad Kissingen die Arbeiten an einer sogenannten Schwemmkanalisation. Die Kurstadt war mit diesem Projekt seinerzeit vielen anderen, auch größeren Städten weit voraus.
  • Vor 130 Jahren wurde die evangelisch-lutherische Erlöserkirche um ihre beiden markanten Vordertürme und eine Chorpartie erweitert. Das Ausgangsgebäude, ein 1845 bis 1847 entstandenes Bethaus geht zurück auf den Architekten Friedrich von Gärtner, von dem auch Arkadenbau, Krugmagazin und die erste Ludwigsbrücke stammen.
  • Vor 120 Jahren wurde die russische Kirche in der Salinenstraße fertig. Als äußerer Anlass für den Bau der Kirche gelten nicht nur die beiden Kaiserkuren von 1864 und 1868, als die Zarenfamilie jeweils in der Stadt weilte. Entscheidend war auch die nach dem Eisenbahnanschluss 1871 deutlich gestiegene Zahl russischer Kurgäste.
  • Vor 120 Jahren wurde vom damaligen Premierminister der Südafrikanischen Union, General Louis Botha  der Bad Kissinger Golfplatz eröffnet. Die Anlage ist der älteste Golfplatz in Bayern.
  • Vor 110 Jahren wurde mit einem großen gesellschaftlichen Ereignis die Wandelhalle eröffnet. Die Online-Enzyklopädie Wikipedia bezeichnet sie als größte Trinkkurhalle der Welt. 
  • Vor 110 Jahren wurde auch der Tattersall eröffnet. Das ursprünglich als Reithalle erstellte Gebäude ist heute Tagungs- und Veranstaltungsort. Im Zuge der aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie wurde es zum Impfzentrum für den Landkreis Bad Kissingen auserkoren. 
  • Vor 20 Jahren legte die Stadt den Grundstein für die damals noch Heilbadelandschaft genannte KissSalis Therme.
  • Vor 20 Jahren feierte Bad Kissingen zudem das 1200-Jährige seiner ersten urkundlichen Erwähnung als Chizziche im Jahre 801.
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