Kitzingen

Click & Collect: Händler im Landkreis Kitzingen kämpfen ums Überleben

Es ist ein kleiner Trost in Corona-Zeiten: Wenn Kunden telefonisch oder im Internet Ware bestellen, dürfen sie sie jetzt wieder persönlich abholen. Was sagen die Händler dazu?
Ein Geburtstagsgeschenk für den Papa: Matthias Alschinger aus Sommerach findet das Warenfenster am Volkacher Bücherkabinett genial.
Foto: Peter Pfannes | Ein Geburtstagsgeschenk für den Papa: Matthias Alschinger aus Sommerach findet das Warenfenster am Volkacher Bücherkabinett genial.

Aufatmen bei Geschäftsleuten, Aufatmen aber auch bei Kunden. Seit kurzem darf der Einzelhandel wieder online seine Waren anbieten. Seine Kunden können die telefonisch oder online bestellte Ware dann mit FFP2-Maske an den Ladentüren abholen. Click & Collect heißt der Slogan für den besonderen Service, also: im Internet bestellen und dann abholen. Das ist neuerdings wieder erlaubt. Wie ist die Situation in den Städten des Landkreises Kitzingen?

Nachdem sich "Essen to go" der Gastronomiebetriebe in den letzten Monaten vielerorts bewährt hat, ziehen jetzt Geschäfte des Einzelhandels nach. Nicht alle Einzelhändler im Landkreis machen mit. Dabei scheitert es vor allem an der fehlenden Homepage oder an dem unverhältnismäßig hohen Aufwand. Manche nutzen die sozialen Medien.

Übersichtlich ist das Marketing in Kitzingen. Dort hat der Stadtmarketingverein auf der Internet-Seite www.kitzingen-kanns.de eine Liste mit 42 Geschäften zusammengestellt, die Click & Collect anbieten. Recht schnell sieht der Verbraucher, wo er das gewünschte Produkt bestellen, wie und wann er es abholen kann.

Unterschiedliche Angebote im Landkreis

Die Stadt Iphofen bietet auf ihrer Homepage einen Link zu den "To go"-Angeboten von Gastronomiebetrieben und anderen Anbietern an. Auf www.iphofen.de erhält der Kunde unter "Aktuelle Infos Coronavirus" eine Download-Möglichkeit der Kontakte und der Abholzeiten.

Die Liste von Volkach erscheint laut der Gewerbeverbandsvorsitzenden Anita Krämer-Gerhard im nächsten Mainschleifen-Kurier und auf der Homepage des Verbands. Auch in Wiesentheid ist eine Zusammenstellung in Vorbereitung. Ende dieser Woche soll sie laut Tourismusreferentin Laura Kressmann fertig sein und auf der Homepage der Stadt veröffentlicht werden. Keine Listen von teilnehmenden Einzelhändlern findet man hingegen auf den Internetseiten von Dettelbach, Marktbreit und Prichsenstadt.

Weil kaum noch Passanten in den Innenstädten vor den Schaufenstern stehen, sind sich viele Geschäftsinhaber einig, dass ein Hinweis auf Click & Collect am Laden momentan keinen Sinn hat. Deshalb haben sich beispielsweise auch die beiden Buchläden in Volkach für den Online-Service entschieden. Sowohl in der Bücherblume mit ihrer kontaktfreien Giraffenrutsche als auch im Bücherkabinett können per Anruf oder online Waren bestellt und dann zu den genannten Zeiten abgeholt werden.

"Warum soll ich bei Amazon bestellen, wenn es das hier auch gibt", schwärmt ein Autofahrer am Giraffenschalter. Er hat ein Buch online bestellt und holt es jetzt durch die geöffnete Autoscheibe ins Fahrzeug. Bezahlt wird per Rechnung. Dahinter wartet schon ein weiteres Kunden-Auto. Das "To go"- Geschäft scheint gut zu laufen, auch wenn es in schwierigen Corona-Zeiten nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist.

Buchhandel ist froh über "to go"

"Click & Collect klappt super", schildert Thomas Hagemeier seine Erfahrung. Der Mitinhaber des Bücherkabinetts hat in seinem Buchgeschäft in Volkachs oberer Altstadt ein spezielles Abholfenster eingerichtet. "Das stammt noch aus früheren Drogeriezeiten", erzählt er. Mit dem Umsatz ist er zufrieden, allerdings hätte er sich die Erlaubnis für Click & Collect durch die Politik schon viel früher gewünscht. "Dann hätten wir wenigstens das Weihnachtsgeschäft mitnehmen können."

Eigentlich in einer glücklichen Lage ist Michael Then aus Dettelbach. Der Inhaber von Eisen Then darf seinen Laden aufgrund eines Paketshops geöffnet halten. Und trotzdem läuft es nicht gut, weil nur wenige Kunden telefonisch bestellen und die Sachen dann abholen. Ehrlich sagt er: "Es läuft beschissen."

Sibylle Schweizer vom Blumencafé in Iphofen hält sich mit dem Verkauf von Gemüse über Wasser. Blumen kann man bestellen und abholen. "Es geht ein bisschen was, aber es ist kein Vergleich zur Normalität", sagt sie wehmütig und appelliert an den Gesetzgeber: "Wir geben unser Bestes, würden uns aber über mehr staatliche Unterstützung freuen."

Der letzte Strohhalm

Ziemlich frustriert äußert sich Hans Otto Mayer. Der Inhaber des Sportgeschäfts Mayer in Kitzingen hat das To-go-Geschäft über eine Telefonnummer gestartet. Sein Fazit: "Das ist in meiner Branche einfach nicht machbar." Das Massen-Angebot von Non-Food der Discounter ärgert ihn besonders. "Eine Woche die Discounter schließen und die Corona-Inzidenz wird sinken", so lautet sein Vorschlag.

Beim Bekleidungshaus Otto in Kitzingen kann man zurzeit telefonisch bestellen. "Ab der kommenden Woche will ich das auch online bewerben", erklärt Inhaber Detlev Bachmann. An der Eingangstür seines Geschäfts händigt er Kunden Jacken, Röcke und Hosen aus. Vom Staat würde er sich mehr Hilfen für den Einzelhandel mit Blick auf die Fixkosten wünschen, aber "sofort und nicht erst in einem halben Jahr, wenn man in tiefroten Zahlen ist und absäuft".

Leer bei den staatlichen Zahlungen geht Schuhprofi Zechmeister in Wiesentheid aus. Ines Zechmeister betreibt ein Online-Schaufenster und wegen der Einnahmen hat sie keinen Anspruch auf Unterstützung. "Es läuft sehr schleppend", beschreibt sie den aktuellen Handel im Internet. Liefer- oder Abholservice funktionieren kontaktlos mit Schutzmaske. Aufmerksam wird der Kunde auf ihr Schuhgeschäft über Facebook und Instagram. Videoberatung gibt es per Whatsapp oder Skype. Sollte der Shutdown erneut verschärft werden, hofft Ines Zechmeister darauf, dass Click & Collect weiter erlaubt bleibt – nicht als die Rettung, aber vielleicht als letzter Strohhalm.

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