Markt Einersheim

Dekan Huber: Unfreiwillig mehr Bauherr als Seelsorger

Als Ivo Huber als Geistlicher von München nach Markt Einersheim kam, wusste er nicht, welch zahlreiche Baumaßnahmen auf ihn warteten. Wie er mit seiner Rolle zurecht kommt.
Markt Einersheims evangelischer Dekan Ivo Huber vor der Baustelle mit dem neuen Pfarrhaus und dem Dekanatsgebäude. Der Münchner ist seit seinem Wechsel in die fränkische Provinz mehr mit Bauprojekten als mit der Seelsorge beschäftigt.
Foto: Hartmut Hess | Markt Einersheims evangelischer Dekan Ivo Huber vor der Baustelle mit dem neuen Pfarrhaus und dem Dekanatsgebäude.

Die Rahmenbedingungen des Markt Einersheimer Dekans Ivo Huber sehen ganz anders aus, als er es sich mit seiner Frau, Gertraud Stängle, vorgestellt hatte, bevor er aus der Landeshauptstadt München in die Provinz, in die Vogelsang-Gemeinde gewechselt war. In München war er als Kirchenrat in der evangelisch-lutherischen Landeskirche 17 Jahre lang Ökumene-Referent und viel in der Welt unterwegs gewesen. "Danach habe ich mich bewusst dafür entschieden, mit den Menschen an der Basis in einer Kirchengemeinde und einem Dekanat zu arbeiten", sagt der Kirchenmann im Rückblick. Doch es kam anders als geplant.

War er in München für einen großen Aufgabenbereich verantwortlich, wusste er nicht, dass in Markt Einersheim gleich mehrere Millionenprojekte folgen sollten, die den Dekan über Jahre zum unfreiwilligen Bauherrn werden ließen. Bevor er gekommen ist, hätte das Pfarrhaus saniert werden müssen, in das er 2016 hätte einziehen sollen. Allerdings erwies sich das Haus als so verseucht mit Schadstoffen, dass es abgerissen werden musste. Deswegen wohnte Huber das erste Jahr in einem kleinen Hotel.

Kirchengemeinde und Landeskirche verhandelten fleißig und lange

Dann, nachdem sich die Landeskirche gewünscht hatte, dass mit dem Bau auch das Gemeindezentrum bedacht werden sollte, ging es für ihn mit einer kleinen Mietswohnung in Possenheim weiter, während seine Familie weiter in München lebte. Doch das Tagesgeschäft ließ den 59-Jährigen gar nicht viel Zeit zum Sinnieren. Denn zwischen der hiesigen Kirchengemeinde und der Landeskirche wurde fleißig und zeitlich ausgedehnt wegen des Pfarrhauses und des Dekanatsgebäudes weiterverhandelt.

Fast schon nebenher liefen die Vorbereitung und Sanierung am Dach und der Fassade der St.-Matthäus-Kirche. Deren Sanierung war unbedingt notwendig, weil am Kirchturm sogar noch statische Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg nicht behoben waren. Im Mai 2017 war die umfangreiche Sanierung für 769 000 Euro beendet – doch Zurücklehnen konnte sich Dekan Huber weiter nicht.

Vor den Bauarbeiten kamen die Archäologen 

Denn parallel zog sich das Projekt Pfarrhaus/Dekanatsgebäude wie ein Kaugummi. "Die Landeskirche bestand damals auf einen teuren Architektenwettbewerb", bemerkt Huber. Erst im Jahr 2018 starteten der Abriss, der bald jäh unterbrochen wurde. Denn unter den kirchlichen Gebäuden befand sich der im 17. Jahrhundert aufgegebene Friedhof. Deshalb gruben dort erst einmal Experten des Landesamts für Denkmalpflege und förderten gar ein Exponat aus der Karolinger-Zeit ans Tageslicht.

Markt Einersheims evangelischer Dekan Ivo Huber vor dem Modell der Neubauten von Pfarrhaus und Dekanatsgebäude. Er hofft, im kommenden Jahr, nach mehreren Jahren endlich in das Pfarrhaus einziehen zu können.
Foto: Hartmut Hess | Markt Einersheims evangelischer Dekan Ivo Huber vor dem Modell der Neubauten von Pfarrhaus und Dekanatsgebäude. Er hofft, im kommenden Jahr, nach mehreren Jahren endlich in das Pfarrhaus einziehen zu können.

Die Ausgrabungen warfen den Bauzeitenplan um ein halbes Jahr zurück und erzeugten gut 152 000 Euro Mehrkosten. "Der aufgelöste Friedhof ist typisch lutherisch, denn Martin Luther wollte einst die Friedhöfe, die um die Kirchen angelegt waren, aus den Ortskernen heraus verlegen, um dadurch die Seuchengefahr zu bannen", klärt Huber auf. "Als Dekan wie als Pfarrer ist man nicht für Bausachen ausgebildet", sagt er. Was er deswegen besonders schätzt, ist die Expertise seines Vertrauensmanns in der Kirchengemeinde, Gunther Klatt, der als Bauingenieur ein unverzichtbarer Ratgeber ist.

"Als Pfarrer kommen Sie irgendwann einmal mit Bauangelegenheiten in Kontakt", ist Huber klar. Doch in seinem Fall blieb es nicht bei "irgendwann einmal". Noch während der Abrissphase hinter der Kirche entschied sich der Diakonie-Verein zur Aufgabe der ehemaligen Station in Nenzenheim und sanierte für den Umzug den Alten Kindergarten in Markt Einersheim. Dazu nahm er den angegliederten Neubau einer Tagespflege-Einrichtung in Angriff, was 1,5 Millionen Euro kostete.

Politische Gemeinde zahlte einen Beitrag

Doch das war eine wichtige Investition in die dörfliche Zukunft, weshalb die politische Gemeinde mitzog und 400 000 Euro beisteuerte. Im Juni 2019 konnte die Einrichtung dann seiner Bestimmung übergeben werden.

Der evangelische Dekan Ivo Huber kann viel erzählen wenn es um kirchliche Bauangelegenheiten in Markt Einersheim geht.
Foto: Hartmut Hess | Der evangelische Dekan Ivo Huber kann viel erzählen wenn es um kirchliche Bauangelegenheiten in Markt Einersheim geht.

Das Richtfest für den mit 2,2 Millionen Euro veranschlagten Neubau von Pfarrhaus und Dekanatsgebäude durfte im Mai 2020 coronabedingt nur im kleinen Kreis gefeiert werden. Die Verantwortlichen hoffen auf die Einweihung bis Mitte dieses Jahres. Dann dürfte der Dekan kurz durchschnaufen können, wenn er mit seiner Frau endlich ins neue Pfarrhaus eingezogen ist.

Es geht ihm um ein lebenswertes Dorf

"Mir war es immer wichtig, um die Kirche und das Rathaus herum eine Situation zu schaffen, die den Ortskern erhält und aufwertet. Denn unser aller Ziel muss es sein, unsere Dörfer lebenswert zu gestalten", sagt Huber.

"Die Entwicklung meiner Aufgaben in Markt Einersheim war aus der Not heraus geboren, doch man kann seinen Aufgaben nicht davonlaufen", sagt er. Langweilig wird es ihm auch kommendes Jahr nicht werden, denn es gibt eine weitere Baustelle, die auf ihn wartet: der Friedhof, der sich im Besitz der Kirchengemeinde befindet. Dort sind nur noch unter bestimmten Voraussetzungen Erdbestattungen möglich. Ziel ist es, dort mehr Urnenbestattungen zu ermöglichen sowie aufgegebene Gräber und Brachflächen zu gestalten.

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