Volkach

Freibad Volkach: Stadtrat bevorzugt konventionelle Reinigung

Das Volkacher Freibad wird saniert. Da war sich der Stadtrat einig. Die Idee eines Naturbads fand dagegen keine Mehrheit. Und dann ging es noch um die Größe der Wasserflächen.
Das Luftbild des Volkacher Freibads ist gut fünf Jahre alt. Fest steht: Nach der Sanierung wird das Bad sein Gesicht verändert haben – egal wie die Detaillösungen aussehen werden. Einig waren sich alle im Stadtrat, dass das neue Freibad auf jeden Fall so attraktiv bleiben soll, wie es das alte schon allein dank seines schönen Umfelds war.
Foto: Berthold Diem | Das Luftbild des Volkacher Freibads ist gut fünf Jahre alt. Fest steht: Nach der Sanierung wird das Bad sein Gesicht verändert haben – egal wie die Detaillösungen aussehen werden.

Am Ende entschied sich eine eindeutige 14:6-Mehrheit des Volkacher Stadtrats dafür, beim Freibad doch fast alles beim Alten zu belassen: Das Bad wird saniert, aber das neue Freibad wird eines mit konventioneller Technik bleiben. Die Alternative, ein Naturbad mit biologischer Wasseraufbereitung, war im Abstimmungsmarathon zuvor denkbar knapp mit einem Stimmen-Patt von 10:10 gescheitert. Überwogen also die Stimmen der Vernünftigen, oder fehlte den meisten dann einfach der Mut für Neues?

Diese Frage war am Dienstagabend auch nach der beinahe dreistündigen, phasenweise lebhaften Sondersitzung des Stadtrats in der Mainschleifenhalle, in der es allein um die Freibad-Sanierung ging, nicht klar zu beantworten. Spürbar war der Zeitdruck, unter dem das Gremium stand. Der Fördergeber Bund, der die Sanierung mit 1,4 Millionen Euro zusätzlich zu den 1,6 Millionen, die der Freistaat in Aussicht stellt, unterstützt, möchte bis Ende Oktober wissen, für welche Form der Wasseraufbereitung sich die Stadt entschieden hat: konventionell, mit Chlor, oder biologisch, etwa mit Hilfe eines Schilfbeets. Beide Alternativen waren dem Stadtrat in der Woche zuvor ausführlich vorgestellt worden.

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Im Grunde genommen hatte der Stadtrat am Dienstag "nur" über einen groben Rahmen, die Wasseraufbereitung, zu entscheiden, wie Bürgermeister Heiko Bäuerlein anfangs der Sitzung feststellte und zuversichtlich hinterher schob: "Egal, was wir machen, es wird hoffentlich ein schönes Bad." Diesen Wunsch sollte er im Lauf des Abends mehrmals, fast mantraartig wiederholen. Denn es zeigte sich recht schnell: Einfach machten es sich die 20 Stadträte mit ihrer Entscheidung nicht. Vielmehr führten sie, zumindest ansatzweise, immer wieder Diskussionen, die in der über drei Jahre zurückreichende Debatte, wie es mit dem sanierungsbedürftigen Freibad weitergehen soll, schon zig Mal geführt wurden.

Vorgelegte Zahlen erregen die Gemüter

Mathias Krönert (FDP) und Anja Hirt (FWG) etwa wünschten sich mehr Details zu den Zahlen, die den Kostenschätzungen der möglichen Sanierungsvarianten zugrunde liegen und die Elmar Datzer (BL) als "nicht nachvollziehbar" bezeichnete. Dabei verwies Beate Rudelgast, die die Stadt beim Fördermanagement der Badsanierung unterstützt, während der Sitzung mehrfach darauf, dass diese nicht in Stein gemeißelt und vorläufig nur Anhaltspunkte sind. Abhängig von der folgenden Ausführungsplanung ändern sich diese – je nachdem, wie das Freibad letztlich gestaltet werden wird. Darauf wies auch der Bürgermeister hin.

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Im Lauf der Diskussion kristallisierte sich als Kernthema die nach der Sanierung zur Verfügung stehende Wasserfläche heraus. Im alten Freibad mit Schwimmer-, Nichtschwimmer- und Kinderbecken beträgt diese rund 1800 Quadratmeter. Alle vorliegenden Rechenvarianten gehen von – teils deutlich – kleineren Flächen aus. Die Varianten mit Edelstahlbecken etwa von 900, das Naturbad immerhin von 1600 Quadratmetern. Weshalb mit kleineren Flächen gerechnet wird, begründete Rudelgast damit, dass die Fördergeber die Höhe des Zuschusses unter anderem an Hochrechnungen von Besucherzahlen aus den vergangenen Jahren festmachen. Demnach wird für das Volkacher Freibad von einer Wasserfläche von 912 Quadratmetern ausgegangen. Wenn die Stadt größer baut, dann wird das Mehr anteilig nicht gefördert, wie auch Bäuerlein klarstellte.

Es ging um die Frage der Sicherheit

Die Fraktion der Freien Wähler bestehe auf einer Lösung mit mindestens 1400 Quadratmetern Wasserfläche, was 80 Prozent des Bestands entspricht, machte Fraktionssprecher Herbert Römmelt klar. Zudem plädierte er für die konventionelle Chlor-Reinigung des Wassers, da diese mehr Hygienesicherheit böte als ein Naturbad. Dem stimmte Stephan Dinkel (CSU) zu, obgleich er zugunsten eines Naturbads dessen größere Wasserfläche anführte. Simon Rinke (CSU) fand die konventionelle Lösung sicherer und günstiger.

Apropos Kosten: Hier teilten sich die Meinungen, ob die Stadt sich eine Freibadsanierung bei ihrer Finanzkraft prinzipiell ohnehin nicht erlauben dürfte, es aber als Zugeständnis an die dort lebenden Menschen "einfach machen muss", wie Jochen Flammersberger (BL) meinte. Oder ob die Stadt mit sechs Millionen Euro über so hohe Rücklagen "wie noch nie" verfüge und das Freibad entsprechend mutig planen sollte, wie Peter Kornell (FWG) befand. Ohnehin seien die Betriebskosten des Bads auf Dauer entscheidender als die Baukosten, weshalb die Stadt jetzt auch keine "Planschbecken" planen solle, wie Kornell einen vorherigen Einwurf von Krönert bestätigte.

Naturbad verlangt den Mut zu Neuem

Auch für Andrea Rauch (Grüne) sind die Unterhaltskosten des Bades "wesentlich". Und hier sah sie das Naturbad, das zudem für Besucher attraktiver sei, "als beste Lösung für Volkach", zumal mit der größeren Wasserfläche. Für ein attraktives Naturbad warb auch Andrea Haupt (CSU): "Habt keine Angst vor Neuem", rief sie ihren Ratskollegen zu.

Am Ende kam es dann anders. Nachdem man sich nach knapp einer halben Stunde über das Prozedere der Abstimmung und die Beschlussvorschläge geeinigt hatte, zementierte der Stadtrat zunächst einstimmig den grundsätzliche Wunsch, das Freibad mit Hilfe von Zuschüssen von Bund und Land zu sanieren. Dann fiel ein von Barbara Nikola-Bier (SPD) eingebrachter Vorschlag, das Bad in jetziger Größe mit Edelstahlbecken und konventioneller Wasseraufbereitung zu sanieren (Kostenprognose: 7,31 Millionen Euro), mit 2:18 Stimmen durch. Es folgten das bereits genannte Stimmen-Patt für die Variante "Naturbad mit biologischer Reinigung und Sandlagunenlandschaft" (7,38 Millionen Euro) und die Sieger-Variante "Zwei Edelstahlbecken mit konventioneller Reinigung und reduzierter Wasserfläche" (ohne Kostenprognose), wobei die Wasserfläche doch mindestens 80 Prozent des Bestands haben soll.

Einig war sich der Stadtrat, eine beratende Projektgruppe ins Leben zu rufen, die Planung und Bau des Freibads begleitet. Dieser sollen neben Stadtratsmitgliedern Vertreter der Verwaltung sowie je ein Vertreter des Fördervereins Volkacher Bäder und der Wasserwacht angehören.

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