Mainstockheim

Im Interview: Uwe Ungerer vom Projektchor „Chorason“

Lustig soll es nicht nur bei den zwei Konzerten, sondern gerne auch mal beim Proben zugehen.
Foto: Dagmar Ungerer-Brams | Lustig soll es nicht nur bei den zwei Konzerten, sondern gerne auch mal beim Proben zugehen.

Jedes Jahr aufs Neue ist es spannend, was sich Uwe Ungerer wohl diesmal ausgedacht hat. Jetzt hat der Leiter des Projektchors „Chorason“ das Thema des diesjährigen Auftritts verkündet: „Smiling Chorason“. Was genau dahinter steckt, werden die Proben verraten, die am kommende Wochenende starten.

Frage: „Chorason“ ist ein Projektchor. Was muss man sich darunter im Vergleich zu einem „normalen Chor“ vorstellen?

Uwe Ungerer: Einmal im Jahr veranstalten wir hier in Mainstockheim zwei große Konzerte, die unter einem bestimmten Motto stehen. Das Konzertprogramm wird innerhalb eines Jahres einstudiert. Daneben gibt es meistens noch zwei bis drei kleinere Auftritte, wie zum Beispiel dieses Jahr am 17. November auf dem Schwanberg. Sängerinnen und Sänger können sich projektbezogen anmelden, sich aber auch problemlos wieder ausklinken, wenn sie im folgenden Jahr nicht mehr dabei sein möchten. Letzteres geschieht allerdings nur selten – und wenn, dann eher aus zeitlichen, beruflichen oder familiären Gründen. Normale Chorvereine gehen von einer langfristigen Bindung der Sänger aus. Projektchöre sind in, da sie Sängern die Möglichkeit bieten, unverbindlich oder nur für eine bestimmte Zeitspanne teilzunehmen.

Inzwischen hat sich ein harter Kern gebildet, auf den ich mich als Chorleiter verlassen kann, so dass ich auch in der Lage bin, Aufbauarbeit zu leisten. Das wäre nicht ohne weiteres möglich, wenn es bei jedem Projekt eine vollkommen neue Besetzung wäre.

Was hat Sie als Chorleiter daran gereizt, sich diesmal für das Thema „Humor und Musik“ zu entscheiden?

Ungerer: Unsere vergangenen Projekte waren eher ernster Natur – es waren Kirchenkonzerte darunter oder wie im vergangenen Jahr ein Jubiläumskonzert mit eher gediegenem Programm. Dem ganzen nun eine humoristische Seite abzugewinnen, ist eine große Herausforderung für uns Ausführende, denn nichts ist so schwierig, wie einem Publikum ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Das Einstudieren der Noten, das Feilen am Klang und so weiter – all das läuft selbstverständlich wie immer. In den Konzerten Witz und gute Laune zu verbreiten, wenn man die Stücke immer und immer wieder über Wochen hinweg geprobt hat, wird schwer sein. Da dürfen wir selber auch nicht den Humor verlieren!

Kommt der Humor denn nur in den Liedtexten zum Tragen?

Ungerer: Natürlich sind viele Lieder durch ihre Texte sehr lustig. Ich denke da an Heinz Erhard oder Bodo Wartke. Aber mich interessieren auch andere Facetten des Humors. Skurrile Texte, schräge Klänge, witzige Wendungen oder Ungewohntes wie Sprechgesang. Wenn Erwartungen unterlaufen, das Gewohnte gegen den Strich gebürstet oder das Erhabene auf normal zurechtgestutzt wird, funktioniert Humor am besten. Das hat nichts mit billigen Gags und flachen Schenkelklopfern zu tun.

Als Konzertchor können wir zwar kein Schauspiel anbieten, verbinden werden wir die einzelnen Stücke aber dennoch mit unterhaltsamen Moderationen. Auf einer Leinwand werden dazu passende Bilder gezeigt. Und da die nächste Fußball-WM ansteht, habe ich auch gleich ein Stück zum Thema komponiert, das vor allem aus Zitaten bekannter Fußballprofis besteht. Diese bestechen vor allem durch ihren unfreiwilligen Humor.

Sie sagen, Humor spielt in der Musik schon immer eine Rolle. Können Sie hier ein konkretes Beispiel nennen?

Ungerer: Volksmusik mit Humor gab es schon immer, auch im Mittelalter. Die klassischen Komponisten dagegen – sieht man mal von einigen Bühnenwerken ab – haben sich nur selten an humoristische Werke getraut. Dennoch gibt es Beispiele. Johann Sebastian Bach hat eine amüsante Kantate über das Kaffee trinken geschrieben, Georg Friedrich Telemann hat einen musikalischen Nachruf auf seinen toten Kanarienvogel verfasst und Mozart hat Kanons mit teils extrem vulgärer Sprache ohne erkennbaren Sinn komponiert. Heute können wir musikalischen Witz vor allem im Bereich der Comedy antreffen, wie bei Monty Python oder Georg Kreisler.

Neue Sänger sind jederzeit willkommen. Wie kommt es, dass Tenor- und Bassstimmen besonders gefragt sind?

Ungerer: Warum nicht nur bei „Chorason“, sondern in vielen Chören vor allem Männerstimmen fehlen, ist schwer zu sagen, denn immerhin gibt es ja trotzdem etliche Männer, die zum Beispiel professionell Gesang studieren oder in Profi-Chören mitsingen. Im Laienchorbereich sieht das jedoch anders aus. Anscheinend hat das etwas mit der Entwicklung der Stimme während der Pubertät zu tun. Mädchen werden, bevor sie ins Erwachsenenalter kommen, normalerweise in ihrem Spaß am Singen nicht durch den Stimmbruch ausgebremst.

Jungs dagegen können während des Stimmbruchs oft gar nicht mehr singen oder haben enorme Probleme, die richtige Tonhöhe (wieder) zu finden. Ich merke das auch bei meinem Kinder- und Jugendchor „Young Harmony“.

Während die Mehrheit der Mädchen auch nach dem 14. Lebensjahr noch mitsingt, kommt ein großer Teil der Jungs nach dem Stimmbruch nicht mehr zurück. Singen ist dann einerseits uncool, andererseits setzen die Jugendlichen andere Prioritäten. Dieses – ich nenne es mal – Pubertätsproblem scheinen viele Männer, selbst wenn der Stimmbruch schon Jahrzehnte hinter ihnen liegt, noch immer nicht überwunden zu haben (grinst).

Es heißt, sängerische Erfahrung wird vorausgesetzt. Was bedeutet das genau?

Ungerer: Da „Chorason“ ein ambitionierter Laienchor ist, sollten neue Sänger nicht ausgerechnet bei uns zum ersten Mal seit der Grundschule singen.

Irgendeine wie auch immer geartete sängerische Erfahrung ist sehr wichtig, auch wenn ein Gesangsstudium als Vorbildung natürlich nicht notwendig ist. Mit Noten zurecht kommen, die eigene Stimme kontrolliert einsetzen zu können und ein musikalisches Gehör zu besitzen sind Voraussetzungen, die ein gewisses Niveau erst ermöglichen. Im Zweifelsfall kann auch ein Vorsingen stattfinden.

In den Proben, die von der Anzahl her verhältnismäßig überschaubar sind, erarbeiten wir teilweise sehr anspruchsvolle Chormusik beziehungsweise komplexe Arrangements. Das erfordert auch sehr großen persönlichen Einsatz jedes einzelnen Sängers. 75 Prozent aller Proben müssen besucht werden, ein extra Chor-Wochenende im Herbst ist für alle Pflicht.

2014 wurden wir vom VDKC (Vereinigung Deutscher Konzertchöre) in einem Konzert geprüft und dürfen uns seitdem offiziell Konzertchor nennen. Daher muss ich als Chorleiter darauf achten, dass ich das bis jetzt erreichte Niveau halten oder sogar noch steigern kann.

Dass wir aber dennoch viel Spaß – auch bei den Proben – haben, würde mir sicher jeder Sänger gerne bestätigen. Bei uns machen sogar die ernsthaftesten Proben noch unheimlich viel Spaß!

„Smiling Chorason“

Das Projekt: Der Konzertchor „Chorason“ startet mit dem Thema „Humor“ in die neue Projektsaison. Bei den zwei Aufführungen im Herbst kommen unter anderem Original-Werke von Komponisten der Renaissance bis zur Romantik sowie Beiträge aus Film und Fernsehen, skurrile Arrangements oder auch Humorvolles von Künstlern wie George Gershwin, Georg Kreisler, Alan Menken, den Muppets, Max Raabe, John Cage, Dieter Hallervorden, den Wise Guys, Heinz Erhard, Bodo Wartke, Monty Python und anderen auf die Bühne.

Die Proben: Die erste Probe findet am Samstag, 27. Januar, im J.H. Zang-Haus in Mainstockheim statt. Neue Sänger sind willkommen. Nähere Infos: www.chorason.de oder bei Chorleiter Uwe Ungerer, postfach@musikwelt-ungerer.de, Tel. 09321/9292920.

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