Iphofen

Kreativ in der Krise: Iphöfer Bücherei wächst trotz Corona

Wie geht es der Stadtbibliothek in Pandemie-Zeiten? Nicht so schlecht, wie nach Monaten im Lockdown anzunehmen wäre. Mit kreativen Ideen sind die Leute immer noch erreichbar.
Ulrike Witt leitet seit 16 Jahren ehrenamtlich die Iphöfer Stadtbücherei. Seit 2015 ist die Bibliothek  in neuen Räumen.
Foto: Alexander Rausch | Ulrike Witt leitet seit 16 Jahren ehrenamtlich die Iphöfer Stadtbücherei. Seit 2015 ist die Bibliothek  in neuen Räumen.

Eigentlich wären es paradiesische Zeiten für Büchereien: Weil viele Freizeitaktivitäten derzeit wegen Corona nicht stattfinden können, flüchten sich die Menschen in Literatur. Bücher bieten Kurzweil und beflügeln die Fantasie. Das Problem ist nur: Die Bibliotheken können derzeit nicht so, wie sie gerne wollten. Die Pandemie zwingt auch sie zum reduzierten Betrieb – und zu kreativen Ideen, um die Menschen zu erreichen. In Iphofen hat die Stadtbücherei seit 11. März zumindest wieder an drei Tagen in der Woche für jeweils eine Stunde geöffnet – und auch das nur unter strengen Auflagen. Leiterin Ulrike Witt zeichnete am Montagabend im Stadtrat den beschwerlichen Weg durch die Krise nach.

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Müsste Witt ein Buch schreiben über die jüngste Entwicklung der Stadtbücherei, wäre klar: Es wird eine Erfolgsgeschichte mit mehreren Kapiteln. Dem fulminanten Neuanfang im Jahr 2015 auf 140 Quadratmetern im umgebauten Dienstleistungszentrum folgten der Aufbau eines multimedialen Angebots mit fast 10 000 Medien, die Installierung einer Online-Ausleihe sowie die Gründung eines Teams mit heute 19 Ehrenamtlichen. Aus dem düsteren Ambiente eines 50 Quadratmeter großen Klassenzimmers in Iphofens Alter Schule ist eine Begegnungsstätte für die gesamte Familie geworden und ein willkommener Treffpunkt für die Kindergartenkinder, die hier einmal im Monat ihre ersten Leseerfahrungen machen.

Leser konnten Bücher abholen oder sich überraschen lassen

Dann kam Corona und bremste das steile Wachstum. Die Bücherei musste zwölf Wochen lang schließen, die Zahl der ausgeliehenen Medien sank von 20 734 im Jahr 2019 auf 14 600 im Pandemiejahr 2020. Den starken Rückgang bei der klassischen Ausleihe konnte auch ein Anstieg bei den Online-Buchungen (von 2436 auf 4039) nicht ausgleichen. Das Leitungsteam hatte sich einiges einfallen lassen, schnürte Überraschungspakete, die – je nach Alter und Interessensgebiet – gepackt waren. Und: Es bot den Leserinnen und Lesern an, per Mail Bücher zu bestellen und dann kontaktlos abzuholen. Mittlerweile dürfen sich wieder zehn Leute gleichzeitig in der Bibliothek aufhalten: mit Abstand und FFP-2-Maske.

Trotz der schwierigen Situation ist die Zahl der Neuanmeldungen zuletzt sogar leicht gestiegen. Im Jahr 2017 lag die Quote der Leser noch bei 660, ein Jahr später waren es schon 847 und im Corona-Jahr 2020 schließlich 909. Das alles zeigt die Attraktivität der Stadtbücherei, in der sämtliche Angebote kostenlos sind. Getragen wird sie vom katholischen St.-Michaelsbund, der Iphofen im vergangenen Sommer das silberne Büchereisiegel verlieh.

Das Führungsteam besteht künftig aus drei Frauen

Für Witt und ihr Team, das jährlich mehr als 1000 Stunden ehrenamtlich leistet, war das ein großes Zeichen der Wertschätzung, aber auch mit „ständig wachsenden Anforderungen“ verbunden, wie die Bücherei-Leiterin am Montag sagte. Die Führungsmannschaft wird deshalb künftig aus drei Frauen bestehen. Neben Witt sind das Birgit Hauschild und Christine Hofem.

Aus Reihen des Stadtrats erfuhr das Bücherei-Team viel Lob. Andreas Müller sprach von einer „extrem wichtigen Einrichtung im Ort“, Peggy Knauer sagte, sie sei „total begeistert“, wie rasch jedes Mal die neuen Corona-Maßnahmen umgesetzt worden seien, und Bürgermeister Dieter Lenzer sprach von „bemerkenswerten Zahlen“ und einem Team, auf das alle stolz sein könnten. Vor kurzem begrüßte Ulrike Witt die 1000. Leserin der Bücherei mit einem Blumenstrauß.

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