Kitzingen

Neu beim Weinbauring: Eine Netzwerkerin

Ihr Fachwissen will sie nicht einfach weitergeben, sondern den Dialog mit Winzern fördern: Beate Leopold ist die neue Geschäftsführerin des Weinbaurings Franken.
Foto: Ralf Dieter | Ihr Fachwissen will sie nicht einfach weitergeben, sondern den Dialog mit Winzern fördern: Beate Leopold ist die neue Geschäftsführerin des Weinbaurings Franken.

Es dauert nicht lange – und schon ist man mitten drin im Thema. Bewässerung, Humusaufbau, neue Rebsorten, die zweite Generation. Beate Leopold hat viel zu sagen. Seit Anfang August ist sie die neue Geschäftsführerin des Weinbaurings Franken.

In große Fußstapfen sei sie getreten, meint die 41-jährige aus Gerolzhofen. Ihr Vorgänger, Artur Baumann, hat den Weinbauring 25 Jahre lang geprägt. Zwei Monate haben die beiden im Sommer zusammengearbeitet. „Die Übergangszeit war sehr hilfreich“, sagt Leopold. Kontakte konnten geknüpft, Zukunftsthemen besprochen werden. Als Netzwerkerin versteht sich die junge Frau, als Ansprechpartner für Winzer und als Schnittstelle zwischen den Praktikern vor Ort und den Forschern – beispielsweise in Veitshöchheim, bei der LWG.

In Gerolzhofen ist sie aufgewachsen, nicht in einer Winzerfamilie, aber mit engem Bezug zur Natur. In Heilbronn hat sie zunächst Weinbetriebswirtschaft studiert, später in Geisenheim Weinbau und Oenologie. Zuletzt hat sie mehrere Jahre lang praktische Erfahrungen bei einem Bio-Winzer an der Mosel gesammelt. Jetzt freut sie sich auf eine neue Herausforderung. „Das hier ist eine sehr spannende Aufgabe“, sagt Leopold und breitet an ihrem Schreibtisch die Arme aus. Zusammen mit ihren Mitarbeitern Matthias Muth und Biologin Christiane Brauns muss sie die Entwicklungen im Anbaugebiet immer im Blick haben, aktuelle Empfehlungen geben und auf Veränderungen schnell reagieren.

Zweimal pro Woche erscheint das „Weinbaufax“, das längst per Mail verschickt wird, auf Wunsch finden Beratungen vor Ort statt. Vom Untermain bis zum Steigerwald ist der Weinbauring gefragt. Rund 2500 Mitglieder hat der Weinbauring, der als Verein von Beiträgen lebt und vom Staat mit einer Pauschale gefördert wird. 5500 von den rund 6300 Hektar Anbaufläche in Franken bewirtschaften die Vereinsmitglieder. Sie wollen mit Informationen versorgt sein.

Leopold will kommunizieren, einen Austausch pflegen. Angesammeltes Fachwissen einfach weitergeben ist nicht ihr Ding. „Ich höre gerne zu“, sagt sie. „Und nehme die Erfahrungen der Winzer auf.“ Sehr vielschichtig sei das fränkische Anbauland, die Ausgangssituation in Klingenberg eine völlig andere als an der Mainschleife oder im Steigerwald. Präzise Handlungsanweisungen seien deshalb gar nicht möglich. „Wir können nur Handlungsanregungen geben“, betont sie. Die Winzer sollen so viele Informationen so schnell und unkompliziert erhalten, wie möglich. Über den Winter will sie deshalb mit ihren Mitstreitern an einer App feilen, die die Kommunikation schneller, aber keinesfalls einseitig machen würde. „Unsere Mitglieder könnten uns beispielsweise Bilder von ihren Weinbergen schicken und wir könnten ihnen direkt eine Empfehlung geben“, erklärt sie. Die Begehungen vor Ort sollen dadurch keinesfalls ersetzt werden.

Beate Leopold übernimmt ihr Amt in einer spannenden Phase. Der Klimawandel fordert die Winzer. Die Bewässerung und die Spätfröste hält sie für die drängendsten Themen. Mit neuen Züchtungen könne man zumindest den Spätfrösten ein Schnippchen schlagen, sensible Sorten wie den Bacchus nach und nach ersetzen. Cabernet Blanc, Sauvignac oder Donauriesling heißen die neuen Sorten, die später reifen, aber dennoch über die klassischen Aromen verfügen und einen weiteren Vorteil haben: sie brauchen weniger Pflanzenschutz. „Ein gutes Verkaufsargument in diesen Zeiten“, sagt Leopold.

Die viel diskutierte Bewässerung sieht sie skeptisch, weil sie nicht das Allheilmittel ist. Man müsse das Thema differenziert betrachten, als ein Teil im Maßnahmenportfolio gegen die Trockenheit sehen. Leopold will sich lieber darauf konzentrieren, die vorhandenen Ressourcen zu optimieren. Ein Ziel müsse lauten, das vorhandene Wasser im Boden besser zu speichern. Ein aktives Bodenleben sei dafür ausschlaggebend, eine gute Bodenstruktur. Mit einem durchdachten Begrünungsmanagement könne der Winzer einen wichtigen Beitrag dafür leisten. „Humus erhöht die Speicherkapazität des Wassers im Boden“, erklärt Leopold. Mikroorganismen können das natürliche Abwehrsystem der Rebstöcke unterstützen.

Schädlinge wie echter oder falscher Mehltau sind für die Winzer alte Bekannte. Die Kirschessigfliege ist ein Vorbote für neue Gefahren. „Durch die wärmeren Winter werden neue Schädlinge nach Franken kommen“, prophezeit Leopold. Auch mit Virus-Erkrankungen müssen die Winzer rechnen. Die so genannte „goldgelbe Vergilbung“ – die bisher noch nicht in Deutschland angekommen ist – sorgt beispielsweise für ein Absterben der Rebstöcke. Gegenmaßnahmen sind schwierig. „Da hilft nur Quarantäne, wie wir sie derzeit ja vom Menschen kennen“, sagt die Geschäftsführerin.

An Herausforderungen wird es in den kommenden Jahren sicher nicht mangeln. Beate Leopold freut sich auf die vielfältigen Aufgaben, die ihr neuer Job mit sich bringt. Die Ausbildung der Nebenerwerbswinzer gehört dazu, Kurse im Rebschnitt oder Vorträge vor Sommeliers und anderen Fachgruppen. Das Wichtigste wird für sie der Austausch mit den Winzern bleiben. Die Weitergabe von Informationen und Wissen – in beide Richtungen.

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