Kitzingen

Schuldnerberatung: Die Insolvenzwelle ist durch Corona in Sicht

Der Landkreis Kitzingen hat die Schuldner- und Insolvenzberatung in die Hände des Diakonischen Werkes gelegt. Durch Corona deutet sich ein erhöhter Beratungsbedarf an.
Die Schuldner- und Insolvenzberatung im Landratsamt Kitzingen liegt seit Jahresanfang in den Händen des Diakonischen Werkes.
Foto: Tessy Korber | Die Schuldner- und Insolvenzberatung im Landratsamt Kitzingen liegt seit Jahresanfang in den Händen des Diakonischen Werkes.

Das Diakonische Werk Schweinfurt übernahm Anfang dieses Jahres vom Landkreis Kitzingen die Schuldner-und Insolvenzberatung. Die Leitung hat Diplom-Sozialpädagogin Helmtrud Hartmann. Sie sagt, wie das aktuelle Angebot aussieht und was in Coronazeiten anders ist. Die Beratungen vor Ort stellen Diplom-Verwaltungswirtin Elisabeth Schmitt und Sozialpädagogin Ella Kiefel sicher.

Helmtrud Hartmann.
Foto: Diakonisches Werk | Helmtrud Hartmann.
Frage: Seit wann gibt es die Schuldner- und Insolvenzberatung im Landkreis?

Helmtrud Hartmann: Der Landkreis Kitzingen bietet Schuldnerberatung seit mehr als 20 Jahren an, seit 2007 auch Insolvenzberatung. Seit 1. Februar wurden die Aufgaben der Schuldner-und Insolvenzberatung an das Diakonische Werk Kitzingen übertragen.

An wen richtet sich das Angebot?

Hartmann: Das vertrauliche und kostenfreie Angebot der Schuldner-und Insolvenzberatung ist offen für alle Bürgerinnen und Bürger in Stadt- und Landkreis Kitzingen. In die Beratung kommen vorwiegend Privatpersonen und ehemals Selbstständige.

Wie oft wird das Angebot genutzt?

Hartmann: 2019 wurden über 350  Beratungsgespräche geführt. 16 Anträge auf Verbraucherinsolvenz wurden gestellt und außerdem 39 Bescheinigungen für ein Pfändungsschutzkonto ausgestellt. Einmalige telefonische Kurzinformationen sind dabei nicht erfasst.

Was ist jetzt in der Corona-Krise anders?

Hartmann: Aufgrund der aktuellen Lage können wir momentan keine persönlichen Beratungsgespräche anbieten. Wir sind jedoch per Telefon zu erreichen. Wir gehen davon aus, dass die wirtschaftlichen Folgen der Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie eine Insolvenzwelle nach sich ziehen wird und rechnen mit wachsenden Beratungsbedarf.

Merken Sie, dass das Thema Kurzarbeit nun in den Mittelpunkt tritt?

Hartmann: Viele Betroffene werden zunächst die Hilfen des Maßnahmepakets der Regierung in Anspruch nehmen. Wir gehen davon aus, dass die Auswirkungen der Krise zeitverzögert eine verstärkte Beratungsnachfrage nach sich ziehen wird.

Ab wann sollte man sich bei Ihnen melden?

Hartmann: Generell gilt: Je früher man sich Hilfe bei der Schuldnerberatung holt, um so besser. Also wenn beispielsweise das Girokonto dauerhaft überzogen ist, man mit Pfändungen und Vollstreckungen konfrontiert ist oder eine Wohnungskündigung oder eine Energiesperre drohen. Oftmals reicht ein Informationsgespräch, um weitere Schritte gehen zu können.

Wie läuft eine Beratung normalerweise ab?

Hartmann: Schuldnerberatung ist vertraulich und kostenfrei. Es ist ein sehr individueller Prozess, der stark von der Mitarbeit und Motivation der Ratsuchenden abhängig ist. Der Erstkontakt kommt meist durch Telefon oder E-Mail zustande. Die Wartezeit zwischen Erstkontakt und dem Erstberatungsgespräch liegt derzeit bei sechs bis acht Wochen, wobei in Krisensituationen natürlich auch kurzfristig ein Termin vergeben wird. 

Wie kann man sich mit Ihnen in Verbindung setzen?

Hartmann: Aufgrund der aktuellen Lage bietet die Schuldner- und Insolvenzberatung der Diakonie Kitzingen, Mühlbergstraße 1, keine persönlichen Beratungstermine an. Wir stehen in der Krisenzeit allen Ratsuchenden telefonisch zur Seite unter (09321) 13 38 40 oder 41. Oder per Mail unter schuldnerberatung@diakonie-kitzingen.de

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