Marktbreit

Traumberuf: Sabine Stahl arbeitet mit Leidenschaft als Buchbinderin

Das gute alte Buch hat trotz digitaler Medien viele Freunde. Auch Sabine Stahl liebt Bücher. Aber sie liest sie nicht. Als Buchbinderin arbeitet sie mit ihnen.
Diese Holzpresse in Sabine Stahls Werkstatt lässt den Besucher vermuten, dass dort die Zeit still steht.
Foto: Hartmut Hess | Diese Holzpresse in Sabine Stahls Werkstatt lässt den Besucher vermuten, dass dort die Zeit still steht.

Digitalisierung, Internet, elektronische Medien – das sind die Mega-Themen unserer Zeit. Wer die Werkstatt der Marktbreiterin Sabine Stahl betritt, glaubt, dass dort die Zeit stehen geblieben ist. Kein Computer arbeitet dort, keine Bildschirme sind zu sehen, stattdessen prägen alte Maschinen und Gerätschaften die Optik. "Hier habe ich meinen Traumberuf gefunden", sagt die 54-Jährige. Sie stammt aus Markt Einersheim, zog 1994 nach Iphofen, zeichnete einst Flaggen und Embleme für eine Stickerei und bekam einen Job in einer Buchbinderei, in der sie zehn Jahre arbeitete. Sie hat zwar bis zum heutigen Tag keinen Gesellenbrief im Handwerk, aber da sie handwerklich begabt ist, weiß sie, was sie tut. 

2004 wagte Stahl mit ihrer Werkstatt in Marktbreit den Sprung in die Selbstständigkeit. Klein und bescheiden war der Anfang. Mittlerweile hat sie so viel zu tun, dass bisweilen ein Jahr ins Land geht, bis manch spezieller Auftrag erledigt ist. "Diese Maschinen funktionieren verlässlich und sind auch noch reparierbar", erklärt sie leidenschaftlich, warum sie mit betagten Geräten arbeitet. "Meine gusseiserne Presse ist unkaputtbar." Allerdings ist dabei viel Muskelkraft gefragt. 

Sabine Stahl geht in ihrer Arbeit auf und hat in dem traditionellen Handwerk des Buchbinders ihre Erfüllung gefunden.
Foto: Hartmut Hess | Sabine Stahl geht in ihrer Arbeit auf und hat in dem traditionellen Handwerk des Buchbinders ihre Erfüllung gefunden.

Weitere und größere Maschinen in der Werkstatt sind der Stapelschneider und die Pappschere. Nicht fehlen darf die Heftlade für eine besondere Bindetechnik. Stahl arbeitet meist mit der Leimheftung per Lumbeck-Technik. Sie ist die günstigste Variante in der handwerklichen Buchbinderei. "Meine Lieblingstechnik ist aber die Fadenheftung mit einem Sprungrückenbuch", sagt die Buchbinderin. "Da geht mir das Herz auf. Da kann ich zeigen, was ich drauf habe."

Leim aus dem Soßenkocher

Sobald Stahl ein Buch in ihren Händen hält, sagt ihr das Fingerspitzengefühl, welcher Art und Qualität es ist. Für altes Papier wäre die Verwendung von Dispersionskleber eine Sünde; dafür gehört ein spezieller Leim eingesetzt. Stahl hat eigens einen Soßenkocher aus Frankreich erworben, um darin ihren Leim zu kochen. Während Schreiner gerne mit Knochenleim arbeiten, bereitet die 54-Jährige ihre Leime zeitaufwändig aus Stärke und Hasenhaut-Granulat.

"Die Buchbinderei ist die Erfüllung für mich", sagt die Handwerkerin mit leuchtenden Augen. Ihre Kunden kommen hauptsächlich aus 40 Kilometern Umkreis, aber auch aus Tübingen oder Bremen. "Mein Kundenkreis wird immer größer, auch weil immer mehr Buchbinder aufhören", sagt Stahl. Oft kämen die Kunden erst in die Werkstatt, ehe sie einen Auftrag erteilen.  "Die Leute überlegen sich genau, wem sie ihre meist emotional wertvollen Bücher anvertrauen", sagt Stahl, die gelernte Einzelhandelskauffrau ist.

Sabine Stahl arbeitet mit verschiedenen Pressen, die betagt sind, aber noch bestens funktionieren.
Foto: Hartmut Hess | Sabine Stahl arbeitet mit verschiedenen Pressen, die betagt sind, aber noch bestens funktionieren.

"Ich kann keine Aufträge ablehnen, dafür kann es dann aber dauern", bekennt die Handwerkerin, die zum Ausgleich morgens und abends laufen geht und gerne im Garten arbeitet. Oft kommen ihr dort oder in der Werkstatt oder im Kundengespräch neue Ideen. Wenn sie dann merkt, dass Kunden sich über gelungene Restaurierungen alter Schmöker freuen, sagt sie: "Das ist ein schöner Lohn für mich."

Der Buchbinder

Den Beruf des Buchbinders gibt es schon sehr lange. Er entstand dort, wo Bücher geschrieben und eingesetzt wurden, also in Klöstern und Kirchen. Später wurden in Klöstern nicht nur Bücher für den Eigenbedarf, sondern auch Auftragsarbeiten gebunden. Bürgerliche Buchbinder kamen dort auf, wo es ebenfalls einen großer Bedarf an Büchern gab – in Universitäts- und Handelsstädten. Von einer größeren Verbreitung  des Berufs kann man gegen Ende des 15. Jahrhunderts sprechen. 
Buchbinder stellen Erzeugnisse in Einzel- und Sonderanfertigung her. Sie reparieren Bücher und gestalten Einbände individuell mit Vergoldungen, Einfassungen oder Applikationen. Weiter verstärken sie Pläne, Landkarten, Fotos oder Bilder und rahmen diese. Auch Zeitschriften-Einbände, Kästen und Kassetten fertigen sie an. 
Im Landkreis Kitzingen gibt es neben Sabine Stahl noch die Buchbinderei und Bildereinrahmungen Grötsch in Iphofen, die Buchbinderei Menninger in Eichfeld und die Buchbinderei im Kloster Münsterschwarzach.
Quelle: Lexikon der Ausbildungsberufe - Bundesagentur für Arbeit, Wikipedia
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