Karlstadt

Karlstadter Rennfahrer: Welches Elektroauto kommt am weitesten?

Der Karlstadter Alexander Goldberg nimmt am Eco-Grand-Prix-Germany-Cup teil – und das mit großem Erfolg.  Denn es geht dabei nicht darum, schnell zu sein . . .
Alexander Goldberg (links) vor seinem Tesla zusammen mit Sponsor Sebastian Inderwies.
Foto: Karlheinz Haase | Alexander Goldberg (links) vor seinem Tesla zusammen mit Sponsor Sebastian Inderwies.

Während andere noch darüber diskutieren, ob Elektroautos die Mobilität der Zukunft sind, nimmt ein Karlstadter schon an Rennen mit stromgetriebenen Fahrzeugen teil. An diesem Freitag und Samstag ist Alexander Goldberg wieder beim 24-Stunden-Eco-Grand-Prix auf der Rennstrecke von Oschersleben in der Nähe von Magdeburg. Dort kommt es allerdings nicht aufs Tempo an. Die Frage lautet: Wer schafft innerhalb von 24 Stunden die meisten Runden? Es geht also um Ausdauer und ökonomisches Fahren.

Zwar besteht für die Teilnehmer Helmpflicht, und das Flair beim Eco-Grand-Prix hat auch ein bisschen den Hauch von Formel 1. Aber im Schnitt fahren die besten Teilnehmer nur etwa 65 km/h – ohne die Standzeiten beim Laden. Ein höheres Tempo würde wertvolle Energie vergeuden und Platzierungen kosten, sagt Alexander Goldberg.

Der Tesla ist schwerer als die anderen

"Dieser Eco-Grand-Prix ist etwas, das mich total reizt", macht Goldberg aus seiner Faszination für Elektroautos keinen Hehl. Zwar fährt er mit seinem Tesla S 90 D auch privat ein Spitzenmodell, doch das garantiert längst nicht den Sieg. "Das Auto hat zwar einen größeren Akku, aber es ist auch schwerer, braucht also mehr Energie, und jeder kann nur gleich schnell laden." Maximal 22 Kilowatt Ladeleistung sind erlaubt. "Wir sind also eigentlich sogar im Nachteil", meint der 49-Jährige über die Chancen seines Teams.

Das Rennen der Elektroautos in Hockenheim.
Foto: Alexander Goldberg | Das Rennen der Elektroautos in Hockenheim.

Team deshalb, weil sich mindestens drei Fahrer beim Rennen abwechseln müssen: Jeder darf maximal acht Stunden hinterm Lenkrad sitzen. Dafür hat Goldberg Profis um sich versammelt, die alle auch in seiner Firma "Michler-Kurier CO2-neutrale Transporte" tätig sind: Thorsten Keller, Fuhrparkleiter und Assistent des Geschäftsführers ist dabei, außerdem Michael Pfeifer, der "effizienteste Fahrer der Firma", Ecodriving-Coach und Teamleiter im Bereich Paket- und Stückgut. Der dritte im Bunde, Peter Eckstein, fährt bei Michler-Kurier Pkw und kleine Transporte.

Die Heizung bleibt ausgeschaltet

Auch beruflich seien sie auf effizientes Fahren bedacht, sagt Geschäftsführer Goldberg:  "Unsere Sprinter sind zum Beispiel alle auf 110 bis 120 km/h gedrosselt." Das spare Treibstoff, langsamer sei man damit auch nicht. Bei Elektrorennen allerdings gehe es um wesentliche feinere Dinge: "Man überlegt, ob der Scheibenwischer wirklich nötig, das automatische Umklappen der Spiegel wird ausgeschaltet, und das Display ist nur so hell wie nötig." Und die Heizung bleibt aus: "Wir sind alle warm angezogen."

Alexander Goldberg nach dem Rennen in Freiburg
Foto: Alexander Goldberg | Alexander Goldberg nach dem Rennen in Freiburg

Geheizt wird das Auto beim Boxenstopp während des Aufladens. Mehrmals wird es 30 bis 45 Minuten am Kabel hängen, sagt Goldberg. Wann und wie oft, das hängt von der Taktik des Teams ab. "Wir achten zum Beispiel darauf, wann es regnet." Eine nasse Fahrbahn kostet mehr Energie. Da sei es sinnvoll, während des Regens aufzuladen. Und mit der Bremse zu bremsen? Eigentlich tabu. Wenn schon Fahrt aus dem Wagen genommen wird, dann über die Rekuperation, sagt Goldberg. Indem also Strom in die Batterie zurückgespeist wird. Ach ja, und im Windschatten zu fahren bringe auch etwas.

Unterm Strich wird das Team das Auto wohl vier bis fünf Stunden laden und an die 19 Stunden unterwegs sein. Goldberg hat sich zum Ziel gesetzt, in Oschersleben 1200 Kilometer zu schaffen. Bei dem Rennen spiele der Reiz des Neuen und Unvorhersehbaren mit herein. Zwar könne man die theoretisch optimalen Lade-Fahr-Zyklen und die günstigste Geschwindigkeit errechnen, doch in der Praxis sehe das dann anders aus.

"Wir hatten nur noch drei Prozent Ladung"

Vergangenes Jahr gab es den ersten 24-Stunden-Eco-Grand-Prix  in Oschersleben. "Ich hatte das im Livestream einer Fahrerin verfolgt und mir war klar, dass ich da auch mitmachen muss", sagt der Karlstadter. Oschersleben ist eine von drei Stationen des Eco-Grand-Prix. Mit seinem Team hat Alexander Goldberg heuer bereits  auf der traditionsreichen Schauinsland-Strecke bei Freiburg und auf dem Hockenheimring teilgenommen.

Bei Freiburg war auf öffentlichen Straßen ein Kurs von 50 Kilometern zurückzulegen, davon zwölf Kilometer Bergstrecke mit mehr als 750 Höhenmetern. "Am Gipfel hatte die Batterie nur noch drei Prozent Ladung; wir haben es aber dann doch ins Ziel geschafft, weil sie sich bergab wieder ein Stück aufgeladen hat." Es habe sich rentiert, so knapp zu kalkulieren: Das Team Goldberg belegte den ersten Platz.

Platz drei sprang dann beim Nachtrennen auf dem Hockenheimring heraus. In der Gesamtwertung liegt Alexander Goldbergs Mannschaft jetzt mit 40 Punkten auf Platz zwei. Sieger ist bisher ein Tesla Roadster mit 45 Punkten.

Eco-Grand-Prix-Germany-Cup
 Der Eco-Grand-Prix-Germany-Cup findet heuer zum zweiten Mal statt. Veranstalter ist Rafaél de Mestre, der Schlagzeilen machte, indem er 2012 in 127 Tagen mit einem Elektroauto (Tesla Roadster) um die Welt fuhr. Die Gesamtwertung des Cups setzt sich zusammen aus den beiden Wettfahrten in Freiburg (mit mehr als 1000 Höhenmetern) und Hockenheim (Nachtrennen) sowie der in Oschersleben (24 Stunden). Teilnehmen kann jeder, der über ein serienmäßiges Elektroauto verfügt – vom Twike bis zum Tesla. Es gibt kein Preisgeld. Die Teilnahme kostet zum Beispiel in Oschersleben 600 Euro pro Team plus 25 je Fahrer.
Alexander Goldbergs Tesla in Freiburg.
Foto: Alexander Goldberg | Alexander Goldbergs Tesla in Freiburg.
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