Lohr

Karfreitag in Lohr: Keine Prozession, aber Stationen

Seit Jahrhunderten ist sie Brauch in Lohr, alljährlich kommen Tausende, um sie schweigend zu bestaunen: die Karfreitagsprozession. Auch 2021 findet sie nicht statt.
Station 9: Das heilige Kreuz in der Lohrer Stadtpfarrkirche.
Foto: Wolfgang Dehm | Station 9: Das heilige Kreuz in der Lohrer Stadtpfarrkirche.

Normalerweise sind am Karfreitag mehrere Tausend Menschen in der Lohrer Altstadt unterwegs, um sich die weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannte Karfreitagsprozession anzusehen oder auch aktiv daran teilzunehmen. Das Besondere an dieser Prozession sind die 13 lebensgroßen Figuren, die auf dem Weg durch die Straßen und Gassen mitgetragen werden; sie stellen das Leiden und Sterben Jesu Christi dar.

Doch wie schon im vergangenen Jahr, fiel die Prozession auch heuer wieder der Corona-Pandemie zum Opfer. 2020 waren als Alternative zur Prozession einige Tage um den Karfreitag herum vier Stationen der Karfreitagsprozession in der Stadtpfarrkirche St. Michael aufgestellt, die zu einem stillen Gebet oder zur Meditation einluden.

In diesem Jahr hat die Pfarreiengemeinschaft "12 Apostel am Tor zum Spessart" diese Idee erweitert und an insgesamt zehn verschiedenen Orten in Lohr und seinen Stadtteilen von Palmsonntag bis Karfreitag einen Stationenweg mit Figuren der Karfreitagsprozession aufgebaut. Dieser "Weg der Beter", wie ihn Pfarrer Sven Johannsen nennt, zeigte die 13 Stationen der Karfreitagsprozession an folgenden Orten:

  • 1) Das letzte Abendmahl (evangelische Auferstehenskirche)
  • 2) Jesus am Ölberg (Seniorenzentrum St. Martin)
  • 3) Gefangennahme (Kirche Wombach)
  • 4) Verspottung (Kirche Sackenbach)
  • 5) Geißelung (Kirche Sendelbach)
  • 6) Ecce Homo (Altes Rathaus)
  • 7) Jesus trägt das Kreuz (Pius-Kirche Lindigsiedlung)
  • 8) Kleiderberaubung (Altes Rathaus)
  • 9) Das heilige Kreuz (Stadtpfarrkirche)
  • 10) Das Kreuz unserer Zeit (Fischerhaus)
  • 11) Pietà (Kapuzinerkirche)
  • 12) Das heilige Grab (Kapuzinerkirche)
  • 13) Zeichen des Jona (Stadtpfarrkirche)

Die älteste gesicherte Nachricht über die Lohrer Karfreitagsprozession stammt aus dem Jahre 1656. Bis ins 18. Jahrhundert gab es ähnliche Prozessionen in vielen Städten im süddeutschen Raum. Fast alle wurden aber im Zuge der Aufklärung durch weltliche oder geistliche Instanzen abgeschafft. 

Dass die Lohrer Prozession bis heute existiert, hängt mit der Hartnäckigkeit des damaligen Lohrer Stadtpfarrers zusammen, der im Jahre 1818 die bayerischen Behörden mit dem Argument überzeugte, eine Abschaffung der Prozession würde unter anderem zu wirtschaftlichen Nachteilen für Lohr führen. Karfreitag war damals noch Werktag und wurde vor allem als Einkaufstag genutzt. Außerdem warnte der Pfarrer vor Unruhen in der Bevölkerung, wenn die Prozession verboten würde.

Station 4: Verspottung, ausgestellt in der Kirche in Sackenbach.
Foto: Wolfgang Dehm | Station 4: Verspottung, ausgestellt in der Kirche in Sackenbach.
Station 5: Geißelung, zu sehen in der Kirche in Sendelbach.
Foto: Wolfgang Dehm | Station 5: Geißelung, zu sehen in der Kirche in Sendelbach.
Station 1: Das letzte Abendmahl in der evangelischen Auferstehungskirche.
Foto: Wolfgang Dehm | Station 1: Das letzte Abendmahl in der evangelischen Auferstehungskirche.
Station 3: Gefangennahme, zu sehen in der Kirche in Wombach.
Foto: Wolfgang Dehm | Station 3: Gefangennahme, zu sehen in der Kirche in Wombach.
Station 6: Ecce Homo,  Altes Rathaus in Lohr.
Foto: Wolfgang Dehm | Station 6: Ecce Homo,  Altes Rathaus in Lohr.
Station 8: Kleiderberaubung, ausgestellt im Schaufenster das Alten Rathauses.
Foto: Wolfgang Dehm | Station 8: Kleiderberaubung, ausgestellt im Schaufenster das Alten Rathauses.
Station 7: Jesus trägt das Kreuz, Pius-Kirche in der Lindigsiedlung
Foto: Wolfgang Dehm | Station 7: Jesus trägt das Kreuz, Pius-Kirche in der Lindigsiedlung
Station 10: Das Kreuz unserer Zeit im Fischerhaus am Kirchplatz in Lohr.
Foto: Wolfgang Dehm | Station 10: Das Kreuz unserer Zeit im Fischerhaus am Kirchplatz in Lohr.
Station 11:  die Pietà in der Kapuzinerkirche
Foto: Wolfgang Dehm | Station 11:  die Pietà in der Kapuzinerkirche
Station 12: Das heilige Grab in der Kapuzinerkirche.
Foto: Wolfgang Dehm | Station 12: Das heilige Grab in der Kapuzinerkirche.
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