Laudenbach

Verunglückter Junge: Wann war der Rettungswagen in Laudenbach?

Waren die Retter schnell genug bei dem Neunjährigen? Ein Anwohner hält die Zeit, bis ärztliche Hilfe kam, für viel zu lang. Die Integrierte Leitstelle erklärt die Abläufe.
Ein Rettungswagen eilt zum Einsatzort (Symbolfoto).
Foto: Nicolas Armer, dpa | Ein Rettungswagen eilt zum Einsatzort (Symbolfoto).

Der tragische Unfall eines neunjährigen Jungen, der beim Spielen erstickt ist, beschäftigt und berührt weiter viele Menschen. Wie berichtet, hatte der Junge am Samstagnachmittag, 14. November,  mit anderen Kindern auf dem Gelände der ehemaligen Grundschule im Karlstadter Stadtteil Laudenbach (Lkr. Main-Spessart) gespielt und sich dabei unglücklich mit einer Hundeleine stranguliert. 

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Wie schnell aber waren Rettungskräfte vor Ort? Ein Anwohner aus Laudenbach hat sich an diese Redaktion gewandt und sagt: Der erste Rettungswagen sei erst circa eine halbe Stunde nach der Verständigung eingetroffen, kurz danach der zweite Rettungswagen und der Notarzt. "Absolut nicht nachvollziehbar", findet der Laudenbacher. Gemäß den Rechtsgrundlagen zum Rettungsdienst in Bayern wäre das deutlich zu spät gewesen. Dort heißt es, "dass jeder an einer Straße liegende Einsatzort in der Regel innerhalb einer Fahrzeit von höchstens zwölf Minuten beziehungsweise in dünn besiedelten Gebieten mit schwachem Verkehr ausnahmsweise in bis zu 15 Minuten" erreicht werden muss. 

Wie Nachfragen der Redaktion ergeben, hatte es am 14. November fast zeitgleich in Zellingen einen Notfall gegeben. Weil der Rettungswagen, der normalerweise nach Laudenbach gekommen wäre, dort im Einsatz war, übernahm der Rettungswagen, der für den Raum Arnstein zuständig ist.

30 Minuten, bis Rettungswagen und Notarzt kamen?

Der Anwohner berichtet, seine Frau habe ihn an jenem Spätnachmittag gerufen, weil "da irgendwas passiert" sei. Er wohnt direkt oberhalb des Geländes der ehemaligen Grundschule. "Ungefähr zehn Minuten nach dem Unfall" sei er dorthin gelaufen und 20 Minuten lang Zeuge geworden, wie sich dort zwei junge Polizisten "aufopfernd um die Wiederbelebung des Buben bemühten". Auch wenn er nicht auf die Uhr geschaut habe, sei er sich sicher, dass es so lange gedauert habe, bis der erste Rettungswagen eintraf.

Wie viel Zeit verging tatsächlich? Die Integrierte Rettungsleitstelle ist eine Einrichtung der Stadt Würzburg: Deren Sprecher Christian Weiß liegen die genauen Daten zu dem Einsatz vor: Demnach war der Notruf aus Laudenbach um 16.19 Uhr und 32 Sekunden bei der Leitstelle eingegangen. Die "ersten Kräfte" seien um 16.22 Uhr ausgerückt. Sowohl der Rettungswagen aus Arnstein als auch der Notarzt, der aus Gemünden kam, hätten jeweils 16 Minuten bis zum Unglücksort benötigt. Demnach war die Ankunft um 16.38 Uhr – also 18,5 Minuten nach dem Notruf.

So funktioniert die Alarmierung

Weshalb es nach der Alarmierung zweieinhalb Minuten dauern kann, bis der Rettungswagen losfährt, erklärt Dr. Matthias Sauer, der Ärztliche Leiter des Rettungsdiensts im Bereich Würzburg und damit auch zuständig für die Landkreise Main-Spessart und Kitzingen. 

Wenn bei den Rettern der Piepser auslöst, kommt die Einsatzdurchsage. Das alleine dauere rund eine halbe Minute, sagt Sauer. Auf dem Display sehen die Retter ein sogenanntes Einsatzmeldebild. Ihnen wird schriftlich mitgeteilt, wo sich der Notfall befindet. Das Navi zeigt ihnen den Weg an. Per Knopfdruck bestätigen die Rettungskräfte dann, dass sie den Notruf komplett erhalten haben. Der Rettungswagen kann also längst in Fahrt sein, wenn der jeweilige Sanitäter die Quittierung abschickt.

Die konkreten Daten des Einsatzes in Laudenbach lägen ihm nicht vor, sagt der Ärztliche Leiter. Der Rettungswagen könne aber schon nicht mehr in Arnstein gewesen sein, als der Notruf kam. Laut Routenplaner beträgt die Fahrtzeit von dort bis zur ehemaligen Laudenbacher Grundschule 26 Minuten. Sobald der Karlstadter Rettungswagen einen Einsatz habe, beordere die Rettungsleitstelle den Arnsteiner Rettungswagen Richtung Thüngen, sagt Sauer, um das Gebiet dort zeitnah erreichen zu können. So auch in diesem Fall, sagt Sauer. Die Leitstelle habe optimal agiert.

Warum wurde nicht der Hubschrauber genutzt?

Nicht nachvollziehen kann der Laudenbacher Anwohner, der sich an die Redaktion wandte, auch,  "weshalb der Junge mit einem Rettungswagen nach Würzburg gefahren wurde, obwohl der Rettungshubschrauber vor Ort war". Der Hubschrauber, so der Würzburger Pressesprecher Christian Weiß, sei aus Bad Mergentheim (Main-Tauber-Kreis) gekommen.

Für den Transport im Rettungswagen hat Notfallmediziner Matthias Sauer eine allgemeine Erklärung: Für den Einsatz eines Beatmungstubus und eine Herzdruckmassage sei es in einem Hubschrauber sehr eng. Auch wenn ein Patient nach einer ersten Behandlung vor Ort in einen stabilen Zustand kommt, könne während des Transports in die Klinik erneut eine Reanimation nötig sein. Diese Überlegung würden die Notärzte bei ihrer Entscheidung einbeziehen, ebenso wie Entfernung oder Wetterlage.

Start und Landung des Hubschraubers würden jeweils eine Minute benötigen, so Sauer. In der Regel würden Patienten deshalb immer zunächst in einem Rettungswagen versorgt. Für den Flug müssten sie dann umgelagert werden. Wenn der Patient dann noch vom Dach der Würzburger Universitätsklinik zur Kinderklinik gebracht werden muss, würden weitere fünf Minuten vergehen.

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