Marktheidenfeld

24 Corona-sichere Aktivitäten für den Advent 2020

Nun ist der harte Lockdown da, Kontakte sollen auf ein Minimum beschränkt werden. Doch auch 2020 gibt es manche Weihnachtsfreude, die uns Corona nicht nehmen kann.
Der Maskenpflicht kann sich 2020 auch der Weihnachtsmann nicht entziehen. (Symbolbild)
Foto: Federico Gambarini/dpa | Der Maskenpflicht kann sich 2020 auch der Weihnachtsmann nicht entziehen. (Symbolbild)

Das große Familienessen an der langen Tafel, der Glühwein mit den Nachbarn, Weihnachtslieder singen in der Kirche – ob das in Corona-Zeiten geht, wird sich wohl erst unmittelbar vor dem Fest entscheiden. Aber manche kleine Freude kann uns das Virus nicht nehmen: Die Weihnachtsplätzchen nach dem Rezept der Uroma, „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ im Fernsehen oder die selbst gebastelten Sterne am Tannenbaum. Hier erzählen Main-Post-Leser bis Weihnachten, worauf sie sich im Advent freuen – Corona hin oder her.

Landrätin Sabine Sitter hat Weihnachtskarten gebastelt

Was sich Main-Spessarts Landrätin nicht von Corona nehmen lässt? "Meine Weihnachtskarten selbst zu basteln", sagt Sabine Sitter.

Sabine Sitter hat diese Weihnachtskarten selbst gebastelt.
Foto: Sabine Sitter | Sabine Sitter hat diese Weihnachtskarten selbst gebastelt.

Die CSU-Politikerin ist schon seit Anfang Dezember in Weihnachtsstimmung, seit sie als Kontaktperson eines Corona-Infizierten einige Tage in häuslicher Quarantäne verbringen musste. In dieser Zeit hat sie im "Home Office" gearbeitet, hat die Arbeitspausen aber genutzt, um ihr Zuhause weihnachtlich zu dekorieren.

Landrätin  Sabine Sitter
Foto: Jürgen Müller | Landrätin  Sabine Sitter

"Außerdem habe ich von meinem Fenster aus einen herrlichen Blick auf den Weihnachtsbaum im Ort – wenn ich abends in meinem Bad stehe bekomme ich so die Weihnachtsatmosphäre mit."

In der Kirche an Heiligabend singen, das wird ihr fehlen, so Sitter. "Vor einigen Wochen waren wir zu einem Gottesdienst im Kiliansdom, da durften wir mit großen Abständen einmal wieder laut singen – das war wirklich schön."

Gemeinsames Musizieren mit Tochter Leonie

Bei Udo Wießner (36), einem Ingenieur für Kunststoff- und Kautschuktechnologie, dreht sich alles um die Familie. Wenn der gebürtige Ippesheimer von der Arbeit im hessischen Steinau nach Hause kommt, wird er beim täglichen Lauftraining in Gemünden gerne von Töchterchen Leonie (3) im Buggy begleitet. Als zweites Hobby pflegt der Tenorhornbläser die Musik. In seiner eigenen Kindheit waren Weihnachtslieder fester Bestandteil der Familienfeier an Heiligabend, deshalb hält Wießner an dieser Tradition fest und freut sich auf die besinnlichen Lieder im Advent.

Udo und Leonie Wießner
Foto: Rosemarie Knechtel | Udo und Leonie Wießner

Dieses Jahr begann er schon Anfang November mit seiner kleinen Tochter zu üben. Neben den gefühlvollen Klassikern wie "O du fröhliche", "Macht hoch die Tür" und "Stille Nacht", schätzt er auch Lieder aus dem 17. und 18. Jahrhundert wie "Es wird scho glei dumpa", oder "God Rest You Merry, Gentleman". Beim täglichen Musizieren spielt der Vater die Melodie zuerst auf dem Tenorhorn, bevor er gemeinsam mit seiner Tochter singt. Leonie, die bereits vor ihrer Geburt viel Musik hörte, hat großen Spaß daran, jedes der Lieder anschließend auf ihrem Kinder-Glockenspiel erklingen zu lassen – auch wenn sie die Töne nicht immer trifft. Weil die Dreijährige sowieso sehr gerne und viel singt, liegt für sie eine Toniebox unterm Weihnachtsbaum, ein CD-Player für kleine Kinder.

Die Eisenbahn fährt durch die ganze Wohnung

Professor Dr. Dominikus Bönsch (51) ist seit September 2011 Ärztlicher Direktor und Chefarzt am Bezirkskrankenhaus Lohr und seit 2012 ebenso Leiter des Maßregelvollzugs der Forensischen Psychiatrie am Sommerberg. Der Berufsalltag des Facharztes für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie ist geprägt von ernsten Krankengeschichten und therapeutischen, menschlichen und bürokratischen Herausforderungen. Er freue sich über die Wochenenden im Advent, in denen etwas Ruhe eingekehrt sei, sagt er. Und was ihn in der Woche vor Weihnachten ganz besonders erfreut hat, dürfte auch die Herzen mancher großen und kleinen Männer höher schlagen lassen.

Prof. Dr. Dominikus Bönsch
Foto: Rita Gress | Prof. Dr. Dominikus Bönsch

Er erzählt: "Wie in jedem Jahr habe ich meine Lehmann-Groß-Eisenbahn aufgebaut. Sie besteht aus großen Lokomotiven und Wägen. Die Schienen verlaufen quer durch unsere Wohnung und durch mehrere Zimmer. Das habe ich schon als kleines Kind in meiner Heimat Kempten im Allgäu so gemacht und darüber freue ich mich heute noch. Ritual ist bei mir der Lauf am frühen Morgen (Anm. der Red.: Bönsch ist passionierter Sportler).

Am Sonntagvormittag gehe ich in die Kirche. Nach einem gemeinsamen Spaziergang am Nachmittag genießen meine Frau Brigitte, unsere Töchter Eva (17) und Antonia (15) und ich unsere Kaffeestunde mit Plätzchen, welche die Mädels zusammen mit ihrer Mutter gebacken haben. Das dauert manchmal etwas länger. Musik gibt es am Weihnachtsabend – von und mit möglichst allen vier Familienmitgliedern."

Täglich ein neues Foto für die Großeltern

"Für uns ändert sich trotz Corona gar nichts", überlegt Kathrin Kraft (46) aus Gemünden. "Alles, worauf wir uns bisher immer im Advent gefreut haben, können wir auch weiterhin machen. Das einzige was uns fehlt, sind die Kontakte zu den Großeltern, mit denen wir sonst an den Adventssonntagen Kaffee getrunken haben."

Familie Kraft aus Gemünden
Foto: Rosemarie Knechtel | Familie Kraft aus Gemünden

Deshalb ließen sich die drei Kinder Lena (11), Elia (9) und Lotta (9) etwas Besonderes einfallen. "Für Oma und Opa lege ich mich mit meinen Schwestern so auf den Fußboden, dass wir eine Zahl bilden. Das Foto schicken wir täglich mit WhatsApp", erklärt Elia und seine Mutter ergänzt, dass die anderen Enkelkinder aus Landshut die geraden Zahlen legen, nur die Ungeraden kommen aus Gemünden.

An den Abenden freuen sich die Kinder darauf, vor dem Zubettgehen zu basteln, damit immer mehr Schneeflocken und Sterne an den Fenstern der Wohnung hängen. Lena und die Zwillinge Elia und Lotta haben jeder einen eigenen Adventskalender mit Überraschungen für die Eltern vorbereitet, die dann Gutscheine einlösen können "für Getränke holen aus dem Keller, oder Einkaufen gehen mit dem Papa", lacht Michael Kraft (47).

Zu den Höhepunkten im Advent gehört das gemeinsame Backen, wobei Lena und Lotta fleißig helfen während Elia die Plätzchen verziert. Sogar ihr Vater, dessen Großvater Bäcker in Wiesen war, stellte seine Backkünste schon unter Beweis

Dicke Schmöker und Buch-Klassiker

Susanne Wunderlich leitet die Stadtbibliothek Marktheidenfeld. Sie erzählt vom Bibliotheksleben zu Coronazeiten: "Die Weihnachtszeit beginnt in der Bibliothek immer im frühen Herbst. Dieses Jahr ist sie außergewöhnlich. Die Stimmung ist entspannter als sonst in der Vorweihnachtszeit. Es ist eine ruhigere Zeit. Gemeinsame Erlebnisse mit der engsten Familie stehen im Vordergrund. Die Abende werden gemütlich zu Hause verbracht. Oft mit einem guten Buch oder Gesellschaftsspiel aus der Bibliothek.

Susanne Wunderlich, Leiterin der Stadtbibliothek Marktheidenfeld
Foto: Stadtbibliothek | Susanne Wunderlich, Leiterin der Stadtbibliothek Marktheidenfeld

Diesen Trend spürt man bei der Medienauswahl. Vermehrt wurden dicke Schmöker wie zum Beispiel Ken Follett oder Jussi Adler-Olsen entliehen. Wiederentdeckt, sowohl von Kindern als auch Erwachsenen wurden Klassiker von Michael Ende oder Astrid Lindgren. Aufgefallen ist außerdem, dass viele Handarbeits- und Bastelbücher entliehen wurden. Unangetastet und für diese Jahreszeit ganz untypisch stand ein Großteil der Reiseliteratur im Regal. Nur Reiseführer über den Spessart und die nähere Umgebung waren sehr gefragt.

Seit die Bibliothek wegen des Lockdowns geschlossen hat, packen wir Büchertaschen. Hier fällt auf, dass die Bestellungen, je näher Weihnachten rückt, zahlreicher und umfangreicher werden. Positiver Nebeneffekt – Fitnesstraining nebenbei für das Bibliotheksteam und möglicherweise eine Veranstaltungsidee für das nächste Jahr. Wenn wir die Bibliothek in diesem Jahr zum letzten Mal verlassen, freuen wir uns auf gemütliche Stunden auf dem Sofa bei Plätzchen, Christstollen und Tee und einem spannendem Buch, egal ob auf Papier oder digital."

Mit Schwung durch die Weihnachtszeit

Andrea Hübner, die mit ihrer Familie in Frammersbach lebt, ist eine Bewegungsfrau mit Leib und Seele. Die gebürtige Wiesenfelderin, die in ihrem Heimatort früher beim Leistungsturnen war, betreibt in Frammersbach ein eigenes Tanzstudio. Neben Bauchtanz und Chairdance hat sie sich vor allem Zumba verschrieben, gibt normalerweise wöchentlich Kurse bei sich in Frammersbach, in Wernfeld, am Bezirkskrankenhaus in Lohr, bei der Turngemeinde und im Ruder-Club Karlstadt. Auch hat "Amira" – wie sie sich gelegentlich nennt – das Publikum der Karlstadter Prunksitzung schon mit ihren Bauchtanzdarbietungen verzückt.

Andrea Hübner
Foto: Karlheinz Haase | Andrea Hübner

Dass Kurse von Angesicht zu Angesicht derzeit nicht möglich sind, ist für sie zwar ein Verlust, aber als positiv gestimmter Mensch macht sie das Beste daraus. "Ich versuche, fast täglich, im Internet über Zoom Kurse zu halten. Ich nutze die Weihnachtszeit auch dafür, dass meine Teilnehmerinnen sich weiter bewegen können und dabei Spaß haben. Die wollen auch über Weihnachten was tun. Dabei baue ich immer auch leichte und neue Choreografien mit ein."

Pro Kurs seien es bis zu zehn Personen, die mitmachen. Pausen gebe es nur, wenn sie selbst zu beschäftigt sei. So nimmt die Zumba-Instruktorin dieses Wochenende an zwei Fortbildungen teil – am Samstag in Wien und am Sonntag in Mailand – das Internet macht's möglich.

Heuer sehr persönliche Weihnachtsgeschenke angefertigt

Simone Sommer lebt mit ihrem Mann und den beiden Söhnen Sebastian und Kilian in Urspringen. Die Grundschullehrerin leitet die örtliche Singgruppe und ist stellvertretende Chorleiterin der Marktheidenfelder Kantorei, wo sie als Sängerin und Solistin ihrer Leidenschaft nachgeht. "Normalerweise ist der Advent für mich als Musikerin die Hoch-Zeit mit den vielen Gottesdiensten und Konzerten", erklärt Simone Sommer, die sich zudem als Organistin und Wortgottesdienstbeauftragte in der Pfarrei engagiert.

Simone Sommer mit  Kilian und Sebastian an der Urspringer Orgel.
Foto: Heidi Vogel | Simone Sommer mit  Kilian und Sebastian an der Urspringer Orgel.

In der Vergangenheit war es keine Seltenheit, dass sie im Advent an vier Abenden in der Woche bei Proben war. "Dieses Jahr ist es für mich wirklich eine stade Zeit", berichtet die Urspringerin. Sie nimmt sich bewusst jeden Abend, wenn ihre beiden Jungs im Bett sind, die Zeit, um in ihren Adventskalendern zu lesen und Musik zu hören. "Für mich bedeutet Corona nicht Verzicht, sondern ein Mehr an Zeit", macht sie den positiven Aspekt der aktuellen Lage deutlich.

Heuer im Advent hat sie ihre Kreativität nicht in der Musik ausgelebt, sondern sich aufs Handarbeiten, wie Basteln, Nähen oder Häkeln verlegt. Deshalb gibt es im Hause Sommer diesmal auch sehr persönliche Weihnachtsgeschenke. Gleichwohl betont die Urspringerin, dass sie die Kontakte und die Arbeit mit ihren Sängerinnen und Sängern vermisst. Als sie kürzlich im Radio ein Lied gehört hat, welches auch ihr Chor im Repertoire hat, sei sie ganz wehmütig geworden. "Es ist eben alles anders", stellt sie fest und verweist auf die schwierige Situation von Maria und Josef, die sich die Geburt ihres ersten Kindes sicher auch anders vorgestellt hatten, diese aber dennoch gemeistert haben.

Weihnachtshaus besuchen: Iris Schreck und ihre Familien machen eine Lichtertour

Iris Schreck aus Esselbach bewundert gerne die Lichter mit ihrer Familie.
Foto: Dorothee May | Iris Schreck aus Esselbach bewundert gerne die Lichter mit ihrer Familie.

Die 36-jährige Iris Schreck wohnt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Esselbach. Dort ist sie unter anderem als Lektorin in der Pfarrgemeinde Heilig Geist im Spessartgrund aktiv. Sie sagt: "Eine besondere Tradition für meine Familie und mich ist unsere Lichterrunde an den Adventssonntagen. Wir schauen uns die Beleuchtung der einzelnen Häuser an. Das machen wir meistens zu Fuß, kann aber auch mal mit dem Auto sein. Letztes Jahr waren wir sogar beim Weihnachtshaus in Veitshöchheim. Das geht dieses Jahr natürlich nicht. Trotzdem ist es uns eine liebgewonnene Tradition, an den Adventssonntagen die Lichter zu bewundern. Unsere Tochter Leonie findet das immer total schön und fordert das die letzten Jahre auch selber ein. Man kann dabei zur Ruhe kommen und ist an der frischen Luft. Dies ist wirklich etwas, das es so nur im Advent gibt und trotz Corona können wir diese Angewohnheit beibehalten.

Werkeln: Miro Blaic fertigt Geschenke aus Holz

Miro Blaic beschäftigt sich beruflich mit Metall, privat lieber mit Holz.
Foto: Rosemarie Knechtel | Miro Blaic beschäftigt sich beruflich mit Metall, privat lieber mit Holz.

Von Beruf ist Miro Blaic Elektriker im Metallbau. Seit 30 Jahren lebt der gebürtige Kroate in Gemünden und bringt sich in seiner hilfsbereiten Art überall dort ehrenamtlich ein, wo Not am Mann ist. Doch seine große Liebe gehört dem Holz. "Ich spüre gerne die Wärme, die das Holz ausstrahlt, egal ob es schon glatt poliert ist, oder noch rau und unbearbeitet, weil es ein lebendiges Material ist und so beruhigend, wenn ich mich damit beschäftige", gesteht der 54-Jährige.

Auf den Advent freut er sich ganz besonders wegen der Motive, die zur Weihnachtszeit passen und mit denen er sich gedanklich auf das bevorstehende Weihnachtsfest einstimmt. Wenn dabei als Ergebnis das eine oder andere schöne Geschenk entsteht, ist die Freude um so größer.

"Weil ich im Metallbau arbeite, gehe ich mit einem vom Menschen geschaffenen Werkstoff um, ohne den unsere moderne Welt undenkbar wäre. Zu Hause beschäftige ich mich viel lieber kreativ mit einem lebendigen Material, aus dem jedes einzelne Stück einmalig wird." Von Corona lässt sich der Hobbykünstler nicht abhalten, Sterne, Tannenbäume und vieles mehr in seiner kleinen Werkstatt anzufertigen. "Aus jeder Holzart kann ich etwas machen und meine größte Freude ist, strahlende Augen zu sehen – ganz besonders im Advent."

Zeit mit der Familie verbringen: Christina Jäckel ist mit dem Sohn an der Wern unterwegs

Christina Jäckel hat alle Hände voll zu tun auf ihren Spaziergängen mit Kinderwagen und drei Hunden.
Foto: Günter Roth | Christina Jäckel hat alle Hände voll zu tun auf ihren Spaziergängen mit Kinderwagen und drei Hunden.

Christina Jäckel wohnt mit ihrem Partner Ranieri seit drei Jahren in Stetten und ist eigentlich immer auf Achse. Wenn die 29-jährige Rechtsanwaltsfachangestellte nicht an ihrer Teilzeitarbeitsstelle ist, versorgt sie den Haushalt sowie ihren zweieinhalbjährigen Sohn Emilio. Und dann sind da noch die beiden Hunde, der anderthalbjährige Schäferhund Back, der kleine Mischling Laila und schließlich noch meistens Abby, der Berner Sennhund ihrer Mutter. In ihrer spärlichen Freizeit ist Christina noch zu einem berufsbegleitenden Fernstudium in Wirtschaftrecht an der Fachhochschule eingeschrieben und hat dort erst vor kurzem eine wichtige Prüfung abgelegt.

Mit der gegenwärtigen Kontaktbeschränkungen durch die Coronapandemie hat sie sich mit ihrer kleinen Familie so leidlich arrangiert. Obwohl sie und ihr Partner Ranieri keine ausgesprochenen Feier- und Partytypen sind, vermissen die beiden das Ausgehen ins Kino oder zum Essen schon sehr. Aber die beiden täglichen ausgedehnten Spaziergänge an der Wern mit Kind und Hunden will sie sich auch von Corona nicht nehmen lassen.

Ein Festessen vorbereiten: Marie-Pierre Katzamayer kocht französisch

Mitterlweile hat sich die Französin Marie-Pierre Katzameyer den deutschen Weihnachtstraditionen angepasst.
Foto: Frank Zagel | Mitterlweile hat sich die Französin Marie-Pierre Katzameyer den deutschen Weihnachtstraditionen angepasst.

Die Französin Marie-Pierre Katzamayer genießt das Festliche in ihrer neuen Heimat Partenstein. Sie sagt: "Als geborene Französin habe ich die deutsche Traditionen angenommen. Adventskalender dürfen bei meinen Kindern nicht fehlen, genauso wie der Adventskranz. Aber am Heiligabend verzichte ich ungern auf das französische traditionelle Weihnachtessen, der 'Réveillon'.

Das ist das große Festessen und besteht aus verschiedenen Gängen. Gerne essen wir dann Austern, Gänseleberpastete, Käse und mit Esskastanien gefüllten Truthahn. Dazu Wein und Champagner. Für viele Franzosen ist ein Weihnachten ohne die 'Bûche de Noel' nicht vorstellbar. Es handelt sich hierbei um einen mit Creme gefüllten und gerollten Kuchen, der rein optisch an einen Holzscheit erinnert. Früher hatte man in der Weihnachtszeit einen Holzscheit im Feuer verglimmen lassen und die Asche auf den Äckern verteilt, um diese mit Fruchtbarkeit zu segnen. Vermutlich ist das Backen der "Bûche de Noël" eine Überbleibsel aus jener Zeit.

Anders als in Deutschland wird die Adventszeit bei den Franzosen nicht so ausgiebig zelebriert. Die Adventszeit bringt in Deutschland mehr Traditionen mit sich, als in Frankreich. Die vorweihnachtlichen Lichterkränze, Adventskalender und Weihnachtsmärkte entspringen keiner französischen Tradition, sondern sind ein stimmungsvoller Import aus Deutschland.

Durch kaum ein französisches Haus strömt der süße Duft von weihnachtlichen Gebäckspezialitäten. Stattdessen beschränkt sich die Besinnlichkeit oftmals auf das Dekorieren der Zimmer mit Mistelzweigen und buntem, für deutsche Gewohnheiten oftmals als 'kitschig' empfundenen Weihnachtsschmuck."

Plätzchen backen: Uschi Hartmann ist berühmt für 25 Sorten

Uschi Hartmann geht mit einer Excel-Tabelle einkaufen.
Foto: Rosemarie Knechtel | Uschi Hartmann geht mit einer Excel-Tabelle einkaufen.

Uschi Hartmann kennt viele Menschen, die nicht mehr backen können, weil sie zu alt sind oder krank. "Die bekommen immer Plätzchen von mir. Trotz Corona werde ich das auch dieses Jahr machen, da hänge ich sie nach telefonischer Anmeldung einfach an die Tür." Die 73-Jährige, seit mehr als vier Jahrzehnten im Gemündener ESV engagiert, stammt aus Waldzell. Im Elternhaus auf der fränkischen Platte erlebte sie traditionelles Weihnachten, zu dem Spritzgebäck, Makronen, Vanillehörnchen und Buttergebäck gehörten; die Schneeflöcken auf dem handgeschriebenen Rezept von Mutter Rosemarie kamen erst später dazu.

In ihrer Familie hat die Seniorin diese Tradition weitergeführt und ist mittlerweile für 25 verschiedene Sorten Plätzchen berühmt. Wegen des Grübelns über Zutaten und Glasuren gab es keine Zeit an Corona zu denken, gesteht die leidenschaftliche Bäckerin und verrät, wie sie beginnt: "In einer Excel-Tabelle notiere ich die Seite vom Kochbuch, alle benötigten Zutaten, bilde die Summen und gehe mit dem Zettel zum Einkaufen. Fünf Tage lang ununterbrochen zu backen, auch wenn meine Küche danach schlimm aussieht, darauf freue ich mich im Advent!"

Enkelin Corinna (23), die schon als kleines Kind geholfen hat, kommt immer noch gerne zum Plätzchenbacken zur Oma. Dieses Jahr hat ihr Freund Steffen die Zimtsterne glasiert.

Adventskranz binden: Johannes Burkhardt legt selbst Hand an

Johannes Burkhardt hat in diesem Jahr erstmals Plätzchen selbst gebacken.
Foto: Rita Gress | Johannes Burkhardt hat in diesem Jahr erstmals Plätzchen selbst gebacken.

"Für mich ist der Advent die Vorbereitung darauf, das Wesentliche in den Blick zu nehmen. Das ist die Ankunft von Jesus Christus", sagt Johannes Burkhardt (56) aus Sendelbach.

"Gerade in der jetzigen Zeit der Bedrängnis kann der Glaube uns Hoffnung schenken und sie kann uns nicht einmal Corona nehmen. Gottes Zusage ist das Licht, das nicht nur draußen in der weihnachtlichen Dekoration scheint, sondern eines, das die letzte Zelle in unserem Körper erhellt." Johannes Burkhardt ist Pharmareferent im wissenschaftlichen Außendienst der Bayer Vital GmbH. Wegen der Corona-Pandemie arbeitet er seit Monaten im Homeoffice. "Da Begegnungen mit Ärzten, Kunden und Kollegen derzeit nicht möglich sind, stehen wir größtenteils in digitaler Verbindung miteinander. Ich sehe diese Art von Vernetzung positiv. Videokonferenzen ermöglichen nicht nur den fachlichen Austausch. Bei einem Gesprächspartner ohne Maske kann man seine Mimik und Emotionen erkennen. Das empfinde ich als ungemein wertvoll. Dieselbe Art von Austausch pflege ich auch mit engen Freunden. Privat war es mir sehr wichtig, selbst ein Adventsgesteck zu binden. Und ich habe zum ersten Mal in meinem Leben Plätzchen gebacken. Die Mandelringe nach dem Rezept meiner verstorbenen Mutter würde ich gerne mit Freunden genießen. Falls ein Treffen an Heiligabend erlaubt ist, möchte ich das Fest gerne mit ein paar nahestehenden Menschen bei mir zuhause feiern. Darf es nicht sein, macht mir das Alleinsein keine Angst. Nach einem Spaziergang am Nachmittag werde ich abends in die Christmette in St. Michael gehen und mich auf den Kern des Weihnachtsfestes konzentrieren: Das ist die Menschenfreundlichkeit und Liebe Gottes."

Basteln: Lehrerin Regina Kreß lässt sich ihre Kreativität nicht nehmen 

Regina Kreß ist Lehrerin für Werken und Gestalten an der Grundschule in Thüngen.
Foto: Günter Roth | Regina Kreß ist Lehrerin für Werken und Gestalten an der Grundschule in Thüngen.

Gerade die Vorweihnachtszeit ist geeignet für kreatives Tun, weiß Regina Kreß, die Fachlehrerin für Werken und Gestalten an der Grundschule Thüngen. Und deshalb will sie ihre Schüler in dieser Zeit vermehrt zur Selbststätigkeit anhalten und hofft, dass ihr die gegenwärtige Corona-Situation keinen Strich durch die Rechnung macht und die Kinder erneut in den Hausunterricht zwingt.

Genau das war ja in der ersten Phase der Pandemie geschehen und hatte nach ihrer Ansicht die praktischen Unterrichtsfächer besonders betroffen. "Zwar habe ich damals – wie auch meine Kolleginnen – Tipps und Anweisungen fürs Home-Schooling ausgearbeitet, aber das war eben lange nicht dasselbe wie der Präsenzunterricht", sagt Kreß. Das gemeinsame Tun, die gegenseitige Hilfe, habe allen besonders in den konkreten haptischen Fächern gefehlt. Deshalb waren alle froh, als es wieder mit richtigem Unterricht weiterging. Derzeit gestalten die Zweitklässler in der "Weihnachtswerkstatt" Engel aus Holz, Kleister sowie Pappmaschee und es fühlt sich einfach gut an, den Kleister an den Fingern zu fühlen.

"Gerade in der Adventszeit möchte ich mir die Chance zur Kreativität, zum selbstständigen Tun durch die Corona-Krise nicht nehmen lassen und wir alle hier hoffen, dass das so weitergehen kann."

Weihnachtskarten schreiben: Alexandra Roos nimmt sich Zeit für andere

Alexandra Roos aus Esselbach nimmt sich im Advent Zeit.
Foto: Roos | Alexandra Roos aus Esselbach nimmt sich im Advent Zeit.

Alexandra Roos ist 45 Jahre, wohnt mit ihrem Ehemann und ihren beiden Kindern in Esselbach. Für sie ist in der Vorweihnachtszeit "Zeit nehmen" besonders wichtig. Und daran kann auch Corona nichts ändern.

Sie sagt: "Mir Zeit für andere Menschen zu nehmen, das ist in diesem Jahr noch wichtiger geworden als sonst. Da gehe ich wirklich in mich und überlege, wen es in meinem Leben gibt, dem ich in letzter Zeit nicht so häufig meine Aufmerksamkeit geschenkt habe. Normalerweise treffe ich mich in der Vorweihnachtszeit mit den Menschen, gehe spazieren oder lade sie zum Kaffee trinken zu mir ein. Das geht jetzt natürlich nur bedingt. Aber trotzdem lasse ich es mir in dem möglichen Rahmen nicht nehmen. Eigentlich bin ich nicht der große Briefeschreiber, aber in der Adventszeit mache ich das bewusst. Vor allem älteren Menschen, die mir nahe sind, schreibe ich eine persönliche Weihnachtskarte. Je älter ich werde, desto mehr stelle ich fest, wie kostbar Zeit ist. Einfach Zeit nehmen zum Zuhören – das tut vielen Menschen gut und gibt mir selbst auch viel zurück. Es macht mir große Freude, anderen Menschen Zeit zu schenken und zu sehen, wie diese sich freuen, ist unbezahlbar. Zeit nehme ich mir jedes Jahr auch ganz bewusst für meinen Vater. Mit ihm backe ich jährlich Plätzchen, und das ist ja auch jetzt möglich. Das ist für uns ein sehr schönes Ritual. Zeit nehme ich mir auch jährlich für eine Hilfsorganisation. Hier packe ich Päckchen für notleidende Menschen. Sonst habe ich auch immer Stollen oder Plätzchen gebacken, die für einen guten Zweck verkauft wurden. Dies ist ja dieses Jahr leider nicht möglich, da alle Weihnachtsmärkte ausfallen. Und trotzdem ist es mir wichtig, in der Adventszeit an Menschen zu denken, denen es nicht so gut geht."

Wintersonnenwende feiern: Natalie Melchior mag die urtümlichen Bräuche

Der leuchtende Adventskranz bedeutet für Natalie Melchior nach heidnischer Überlieferung Segen für das Haus.
Foto: Frank Zagel | Der leuchtende Adventskranz bedeutet für Natalie Melchior nach heidnischer Überlieferung Segen für das Haus.

Für Natalie Melchior aus Lohr ist Weihnachten nicht nur ein Fest für den christlichen Glauben. Die Märchenerzählerin und Puppenspielerin sagt: "An der Vorweihnachtszeit liebe ich das sinnliche Miteinander in der Familie. Wenn die Tage kürzer werden, machen wir es uns im Haus heller. Der Kerzenschein macht diese Jahreszeit gemütlich.

Ich mag urtümliche und heidnische Bräuche, denn ich bin generell an Ritualen und deren Symbolkraft aus der ganzen Welt interessiert. Daher verbinde ich die Weihnachtszeit nicht unbedingt mit dem christlichen Glauben. Der Tag der Wintersonnenwende am 21. Dezember war schon lange vor der Geburt Jesus ein wichtiges Datum für die europäischen Kulturen und wurde gefeiert. Der Adventskranz ist ein heidnischer Brauch, der Segen bringen sollte. Auch Tannen- und Mistelzweige wurden dafür an den Häusern angebracht. Vermutlich entstand daraus der Weihnachtsbaum. Plätzchen gehören natürlich auch dazu, ich mag Heinerli am liebsten."

Die Ruhe genießen: Brigitte Heck genießt die dunkle Jahreszeit bei Kerzenschein

Brigitte Heck
Foto: Rosemarie Knechtel | Brigitte Heck

"Im Advent freue ich mich über die ruhige Zeit, in der ich mich einigeln kann", schwärmt Brigitte Heck (69) aus Langenprozelten, die Ende des vergangenen Jahrhunderts ihre Liebe zur Kunst entdeckt hat. "Ich achte besonders auf dunkle Ecken und Plätze, deren Charme sich in meinen Werken widerspiegelt." Mit ihren Bildern nahm sie bereits an unzähligen Ausstellungen im In- und Ausland teil und wurde ebenso oft für Kunstpreise nominiert. Unverkennbar bevorzugt sie dunkle Farben, "deshalb gefallen mir auch die dunklen Tage", gesteht die gebürtige Gemündenerin, die im Advent bei Kerzenschein die Vorfreude auf Weihnachten genießt. Diese besondere Stimmung fängt die Künstlerin mit ihren Bildern ein und nutzt die Ruhe in der Corona-bedingt ausstellungsfreien Zeit, um in den vielen Regalmetern ihrer umfangreichen Fachliteratur zu stöbern. "Während ich mich an dem Grau erfreue, das mich umgibt und mit dem ich arbeite, schmiede ich meine Pläne für die kommenden Jahreszeiten. Konkret beschäftige ich mich bereits mit den nächsten beiden Jahren und damit, wie ich meine Ideen am besten umsetze."

Spaß mit den Enkeln: Wolfgang Merklein baut auf Familie

Wolfgang Merklein verbringt einen Teil der Adventszeit in seinem Arbeitszimmer.
Foto: Merklein | Wolfgang Merklein verbringt einen Teil der Adventszeit in seinem Arbeitszimmer.

Den Vormittag verbringt Wolfgang Merklein meist in seinem Arbeitszimmer. Dort beschäftigt sich der Vorsitzende des Historischen Vereins Karlstadt derzeit mit Johann Schöner, denn zur Eröffnung des neuen städtischen Museums in der Hauptstraße voraussichtlich im März 2022 soll es eine Ausstellung zu dem berühmten Sohn der Stadt geben. "Toll wäre es, wenn es gelingt, einen Original-Globus zu der Ausstellung zu bekommen", sagt er. Denn der in Karlstadt geborene Schöner gehörte im frühen 16. Jahrhundert zu den ersten, die Himmelsgloben anfertigten. Um einen solchen Globus zu bekommen, steht er in Kontakt unter anderem mit der Anna Amalia Bibliothek in Weimar.

Zudem versucht er, die verschiedenen Bauabschnitte der Karlsburg zu rekonstruieren. "Dies mache ich auch für eine Zeitung, die Main-Post heißt", sagt er mit einem Schmunzeln. Denn das Ergebnis soll in die derzeit laufenden Geschichtsserie einfließen. Das sei sowohl eine wissenschaftliche als auch eine künstlerische Arbeit, denn er will auch zeichnen, wie die Karlsburg einmal ausgesehen haben könnte.

Corona nimmt Merklein ernst. "Man ist vorsichtig geworden", sagt er und vermisst die Kontakte mit seinen Freunden. Was er sich allerdings nicht nehmen lässt und er hofft, dass dies weiter erlaubt bleibt, sind die Kontakte zu seinen Enkeln. Diese kommen meist am Nachmittag zu Ihnen ins Haus, dann wird vorgelesen, zusammen gespielt und auch gemalt. So soll es auch an Heiligabend sein. Für das Weihnachtsfest ist ein Essen im engsten Familienkreis geplant. "Es gibt dann Bratwürste, Sauerkraut und Kartoffelbrei", sagt er. Irgendwann bimmelt dann ein Glöckchen. Dann wissen die Enkelkinder, dass das Christkind da gewesen ist. "Sie sind dann nicht mehr zu halten."

Waldspaziergang: Familie Esgen ist mit Kerzen, Glühwein und Geschichten unterwegs

Carolin Esgen: Mit Herzblut im kirchlichen und sozialen Ehrenamt tätig.
Foto: Rita Gress | Carolin Esgen: Mit Herzblut im kirchlichen und sozialen Ehrenamt tätig.

Aus der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Lohr, dem dortigen Kirchenvorstand, dem Dekanat oder dem Hospizverein Main-Spessart zum Beispiel sind das ehrenamtliche Engagement und Herzblut von Carolin Esgen nicht wegzudenken. Vor 20 Jahren führte der berufliche Weg die gebürtige Remscheiderin (Bergisches Land; Nordrhein-Westfalen) und ihren Mann Mathias nach Lohr. Die Mutter der Söhne Alexander (21) und Jonathan (18) ist Diplom-Wirtschaftsingenieurin, studierte Mediatorin und Natur-Coach mit eigenem Unternehmen.

Sie sagt: "In der Adventszeit freue ich mich über das, was in unserer Familie in guter Tradition steht. Das ist der selbst gebundene Adventskranz genau so wie der Waldspaziergang mit meinem Mann, den Kindern und meinen Eltern. An Haltepunkten zünden wir eine Kerze an, trinken ein Glas Glühwein und jeder aus unserer kleinen Runde liest eine Geschichte vor. Auch macht es mich froh, dass wir in der Gemeinde noch Gottesdienste feiern dürfen. Die persönlichen Begegnungen und Gespräche sind aufgrund der Beschränkungen weniger geworden, das ist ein Wermutstropfen. Es wäre mir eine große Freude, wenn sie im nächsten Kirchenjahr wieder mehr werden könnten. Weihnachten wollen wir als kleines besinnliches Fest in der Familie feiern. Am zweiten Feiertag gestalte ich mit Dekan Till Roth den Gottesdienst in der Auferstehungskirche."

Meditieren: Bernd Elsesser geht in sich

Bernhard Elsesser von der Pfarreiengemeinschaft St. Laurentius Marktheidenfeld
Foto: Lucia Lenzen | Bernhard Elsesser von der Pfarreiengemeinschaft St. Laurentius Marktheidenfeld

Seit zwölf Jahren gibt es jedes Jahr im Advent die "5 nach 5 Adventsmeditationen" in St. Laurentius in Marktheidenfeld. Und auch im Corona-Jahr darf es dieses besondere Angebot an die Menschen geben – unter den Corona-Auflagen versteht sich. "Advent und Weihnachten finden statt – auch heuer", sagt Bernhard Elsesser für die Pfarreiengemeinschaft St. Laurentius, die hinter dem Angebot steckt. Jeden Dienstag, Mittwoch und Freitag, immer um 17.05 Uhr, werden die Türen der Laurentius Kirche geöffnet für ein paar Minuten der Entspannung, Meditation und Besinnlichkeit. Es gibt kleine Geschichten und Musik – oft von Musikern live gespielt, aber auch mal von CD. "Gerade zu Corona-Zeiten tut es gut, inne zuhalten und darüber nachzudenken: was ist mir wichtig", beschreibt Elsesser. Dabei dürfen die Impulse, die in den kurzen Beiträgen gegeben werden, besinnlich, anschaulich, aber auch mal provozierend sein. Dieses Jahr gibt es ein paar neue Gesichter: Martin Harth widmet sich dem Thema "Einsamkeit und Begegnung", in einem Beitrag von Dr. Thomas Barthel wirft der Mediziner seine Perspektive auf das Thema "Kündet allen in der Not – im Corona-Jahr". "Wir laden alle ein, zu lauschen", so Elsesser. "Gerade in dieser Zeit ist es notwendig, das wir Menschen als beste Medizin sehen für Menschen."

Anderen eine Freude machen: Doris Betz schmückt für die Spaziergänger

Doris Betz freut sich, wenn Fußgänger in ihrem Garten kleine Details entdecken.
Foto: Rosemarie Knechtel | Doris Betz freut sich, wenn Fußgänger in ihrem Garten kleine Details entdecken.

Ihre Kindheit und Jugend verbrachte Doris Betz in Schmalnau in der hessischen Rhön, nahe der Wasserkuppe. Seit mehr als vier Jahrzehnten lebt sie in Gemünden, wo sie sich in vielen Bereichen ehrenamtlich engagiert. "Früher kannten wir kein weihnachtliches Schmücken. In meiner Familie gab es einen Adventskranz und einen Christbaum, aber nicht vor der Türe, so wie man dies inzwischen macht. Als ich hierher zog, war dies noch nicht üblich", erinnert sich die 68-Jährige. "Ich freue mich über die Schönheit natürlicher Materialien, mit denen ich im Advent gerne eine heimelige Atmosphäre schaffe, auch vor dem Haus. Für viele Menschen ist ein Spaziergang eine der wenigen Ablenkungen von Corona, wenn nicht gar die einzige. Deshalb war es mir in diesem Jahr besonders wichtig, ansprechend zu dekorieren, um anderen eine Freude zu bereiten. Ich wiederum freue mich darauf zu sehen, dass Spaziergänger in meinem Vorgarten bei genauer Betrachtung das eine oder andere Detail entdecken und sich gegenseitig darauf aufmerksam machen."

Lichterglanz genießen: Die Fischers unternehmen Abendspaziergänge

Kerstin Fischer mit ihren Kindern Jonas und Karla.
Foto: Karlheinz Haase | Kerstin Fischer mit ihren Kindern Jonas und Karla.

Kerstin Fischer ist in Karlstadt durch ihre Auftritte im Fasching bekannt. "Ich bin seit 2006 in der Bütt", blickt sie zurück, wobei der Begriff "Bütt" ein wenig in die Irre führt. In den ersten Jahren trat die stimmkräftige Frau in der "Karschter Puppenkiste" als "Urmel" oder "Mama Wutz" auf. Die Darstellerinnen schlüpften in Rollen der Augsburger Puppenkiste und zogen das Karschter Ortsgeschehen in Dialogen und Gesangsbeiträgen durch den Kakao. Später löste "Till Eulenspiegel" die "Puppenkiste" ab. Dort glossierte Kerstin Fischer als die "Eule" das Lokalgeschehen. Nur zweimal machte sie Babypause.

Sie sagt über die Advents- und Weihnachtszeit: "Was wir wahnsinnig gerne machen, sind Abendspaziergänge mit unseren beiden Kindern Karla und Jonas, um zu sehen, wie die Leute geschmückt habe. Wir genießen dann den Lichterglanz. Was wir uns von Corona auch nicht nehmen lassen wollen, ist die Feuertonne mit Kinderpunsch." Und während sie das sagt, fällt Kerstin Fischer noch etwas ein: "Unseren Humor, den lassen wir uns auch nicht nehmen." Klingt doch reichlich optimistisch in einer Zeit, die Armin Laschet das "härteste Weihnachten, das die Nachkriegsgenerationen je erlebt haben" angekündigt hatte.

Dekorieren: Rosalinde Staub geniest die Kaffeestunde in ihrer geschmückten Wohnung

Rosalinde Staub aus Frammersbach liebt es, ihre Wohnung im Advent festlich zu schmücken.
Foto: Rita Gress | Rosalinde Staub aus Frammersbach liebt es, ihre Wohnung im Advent festlich zu schmücken.

Rosalinde Staub (78) ist gebürtige Frammersbacherin. 72 Jahre lang lebte sie in ihrem Heimatort, gründete dort mit ihrem Mann Otto eine Familie und brachte Tochter Birgit und Sohn Karl-Otto zur Welt. Zwei Jahre nach dem Tod ihres Mannes 2012 verkaufte die Seniorin ihr viel zu groß gewordenes Haus in der Marktgemeinde und zog nach Lohr.

Sie sagt: "In der Adventszeit freue ich mich am meisten darauf, meine Wohnung weihnachtlich zu schmücken. Hier genieße ich am Nachmittag gerne meine persönliche Kaffeestunde. Sie mit Freunden zu teilen wäre schön, doch davon sehen wir wegen der Corona-Ansteckungsgefahr ab. Das ist auch der Grund, weshalb wir Weihnachten in diesem Jahr nicht in der Großfamilie begehen werden. Das gemeinsame Festessen fällt heuer aus, ebenso der alljährliche und fest eingeplante Besuch bei meinem Enkel Maximilian in München. Das wird mir sehr fehlen! Was mich jedoch das ganze Jahr über froh macht, ist der gute Kontakt zu meiner Urenkelin Jana (12) und ihrem Papa Marcel aus Frammersbach, ebenso wie der zu meinen beiden Enkelinnen Yvonne aus Frammersbach und Denise aus Sendelbach. Sie alle besuche ich oft mit meinem Auto. In der Familie von Denise bin ich regelmäßig und wenn immer das Wetter es zulässt, fahre ich meinen jüngsten Urenkel Fred im Kinderwagen spazieren. Der Kleine ist mit seinen fast vier Monaten ein wahrer Sonnenschein. Dieses Glück kann Corona nicht trüben."

Kochen: Marktheidenfelds Bürgermeister Thomas Stamm freut sich auf Forelle zum Fest

Marktheidenfelds Bürgermeister Thomas Stamm in seinem Büro.
Foto: Carolin Schulte | Marktheidenfelds Bürgermeister Thomas Stamm in seinem Büro.

Thomas Stamm ist gebürtiger Marktheidenfelder. Bei den Kommunalwahlen im März wurde der 59-Jährige in seiner Heimatstadt zum Bürgermeister gewählt, im Mai trat er die Stelle an. Noch sei er nicht in jener Situation gewesen, die Vorweihnachtszeit "aus dem Amt heraus" zu erleben: "Es fehlt einiges, vieles läuft nüchtern ab, aber ich habe die Adventszeit noch nicht anders erlebt, daher kann es in den nächsten Jahr nur besser werden."

Das Zusammenkommen mit Familie und Freunden an Heiligabend falle in diesem Jahr notgedrungen kleiner aus. Dennoch werde er es sich nicht nehmen lassen, auch im kleinen Kreis gemeinsam ein leckeres Festtagsmenü zuzubereiten: Eine Forelle aus dem Spessart samt einer kleinen Vorspeise und einem süßen Nachtisch könnte heuer auf dem Tisch stehen.

Da für ihn an den Wochenenden viele Veranstaltungen ausfallen, verbringt Stamm die frei gewordene Zeit zu Hause in der Küche und kocht, vom schnellen Gericht bis zum aufwendigen Menü. Kekse, Kuchen oder Konfekt dürften nicht fehlen: "Ein bisschen was Süßes gönne ich mir immer", gesteht Stamm. In der Adventszeit komme er auf den Geschmack. So habe es ihn gefreut, als ihm Stadtjugendpflegerin Stephanie Namyslo vor kurzem eine Tüte Plätzchen ins Büro gebracht habe. Das Rezept für die Nussmakronen will er sich besorgen.

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