Seit Monaten bereiten die Oberlauringer mit viel Engagement die 1200-Jahr-Feier des Ortes am 9. und 10. Juli vor. Anlass ist eine Urkunde aus dem Jahr 811. In der schenkt der Oberlauringer Gozperath, Erbe eines Hofes in „superiore Villa Lurungen“ (der „obere“ Siedlungsraum an der Lauer), dem Bischof Bonifatius in Fulda ein Stück Land. Dies ist als erster geschichtlicher Existenznachweis für Oberlauringen anerkannt.
Besiedelt ist das Grabfeld schon rund 4500 Jahre, wie Vilmar Herden, ein profunder Kenner der Ortsgeschichte, berichtet. Seit dem siebten Jahrhundert hielt hier das Christentum Einzug. Viele Jahrhunderte hindurch wurde der Ort von Ritterfamilien regiert. Bekannt als Herrschaften des Ortes sind die Henneberger, die Grafen von der Wildburg, Walter von Oberlauringen und die Ritter von der Werne, von Rossach, von Wenkheim, von Bibra und von Hutten. Der letzte Reichsfreiherr im Dorf war Carl August, Truchsess von Wetzhausen. 1814 kam Oberlauringen zusammen mit Franken an Bayern.
Baugeschichtliche Spuren dieser Herrschaftsverhältnisse sind auch heute im Ort zu finden. So steht noch die barocke Pforte des ehemaligen Amtshauses. Zum Teil ist der Wassergraben eines Schlosses, das 1488 erstmals erwähnt wird, noch vorhanden. Das heute noch bestehende Schloss stammt aus der Zeit der Truchsesse von Wetzhausen; seit 1945 hat dort die Jugend- und Behinderteneinrichtung „Haus Gottesgüte“ ihren Sitz.
Reiches jüdisches Kulturerbe
Oberlauringen besitzt ein vielfältiges Erbe an jüdischer Kultur. Im Jahr 1851 zählte die jüdische Gemeinde 172 Mitglieder, die einen eigenen Dorfteil mit Synagoge und Schule bewohnten. Ihr Friedhof liegt unweit des Dorfes. Als gutes Miteinander von Juden und der Bevölkerung wird die Tatsache interpretiert, dass die Juden kein eigenes Haus für die Rituale vor der Beerdigung eines ihrer Angehörigen gebaut haben. Sie wurden im letzten Haus der Straße zum Friedhof verrichtet: Dort wohnte ein christlicher Schreiner, der auch den Sarg fertigte.
Die jüdische Gemeinde war ein wichtiger Baustein der Wirtschaftskraft des Dorfes. Nicht nur die Herrschaft profitierte von der Judengemeinde, die als Händler wesentlich zum wirtschaftlichen Aufstieg des Ortes beitrugen, da ihre Handelsbeziehungen bis nach Berlin reichten. Diesem Zusammenleben setzte das nationalsozialistische Regime ein brutales Ende: 13 Oberlauringer wurden 1942 deportiert und später ermordet.
Wandel in der Neuzeit
Nach dem Anschluss an Bayern wandelte sich der Ort von einem Winzer- und Bauerndorf mit Schloss, Amt und seinen Bediensteten zu einem Ort von Handwerkern, Bauern und Arbeitern. Heute wird noch ein landwirtschaftlicher Betrieb im Haupterwerb bewirtschaftet, ansonsten sind nur noch Nebenerwerbslandwirte zu finden.
Viele pendeln zur Arbeitsstelle in die Stadt Schweinfurt. Die Einrichtungen der Jugend- und Behindertenhilfe sind der größte Arbeitgeber im Ort. Mit der Gemeindegebietsreform 1978 endete die politische Selbstständigkeit Oberlauringens, das fortan ein Teil des benachbarten Marktes Stadtlauringen wurde.
Rückert, der Dorfamtmannssohn
Mit finanzieller Unterstützung des Amtes für Ländliche Entwicklung hat Oberlauringen sich als Friedrich-Rückert-Themendorf etabliert. „Dies soll die Identifikation der Bürger mit dem Ort stärken“, sagt Bürgermeister Friedel Heckenlauer. Dichter Rückert lebte mit seiner Familie von 1792 bis 1802 im Ort. In seiner Liedersammlung „Erinnerungen aus den Kinderjahren eines Dorfamtmannssohn“ aus dem Jahr 1829 nimmt er den Leser mit in das Dorfleben. An neun Stationen verknüpft heute der 2,4 Kilometer lange Rückert-Rundweg im Dorf Lebensstationen des jugendlichen Dichters mit Zitaten dieser Liedersammlung.
Da der seit Jahren ausgewiesene Rückertwanderweg Gäste in den Ort führt, wurde in der Kirchenburg die ehemalige Schule zu einer Rückert-herberge umgebaut. Sie wird im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten offiziell eröffnet.
Das Oberlauringer Festprogramm
Am kommenden Wochenende gibt es zur 1200-Jahr-Feier in Oberlauringen musikalische Darbietungen unterschiedlichster Art sowie Bewirtungs- und Handwerksstände mit vielfältigem Angebot. Die Gruppen „Custor Casteli“, die Trimburger Ritterschaft und Godefreunds Erben werden ihr Lager in Oberlauringen aufschlagen. Es werden eine geschichtliche Ausstellung, Führungen durch Schloss und Kirchenburg angeboten sowie historisches Spielzeug präsentiert. Die in Oberlauringen geborene Künstlerin Barbara Wehner ist mit Skulpturen vertreten.
Samstag, 9. Juli:
13 Uhr: Eröffnung mit Bürgermeister Friedel Heckenlauer
15 und 17 Uhr: Führung Kirchenburg
15.30 Uhr: Führung Rückert-Rundweg
16 Uhr: Schwertkampf Mittelaltermarkt
18 Uhr: Orgelspiel Kirche
20 Uhr: Band „BlueSocks“, Spielplatz
20 Uhr: Feuerspucker Mittelaltermarkt
Sonntag, 10. Juli:
9 Uhr: Dankgottesdienst mit dem Posaunenchor
13, 15, und 17 Uhr: Führung Kirche/Kirchenburg
13.30 Uhr: Führung Rückert-Rundweg
14 Uhr: Jagdhornbläser Hofheim, Spielplatz
16 Uhr: Schwertkampf Mittelaltermarkt
18 Uhr: Orgelkonzert
Parkmöglichkeiten: Weihersbach, Sportheim und Sägewerk Ankenbauer (Einweisung Feuerwehr). Fahrräder/Motorräder parken in der Froschgasse.