Schweinfurt

24 Stunden Leopoldina (Teil 13): Warum Kinder oft ambulant operiert werden

Nüchtern erscheinen: Das ist extrem wichtig für alle, die sich im Ambulanten Operationszentrum einem Eingriff unterziehen. Leiter Dr. Dirk-Christian Nüchter sagt warum.
Ein Patient wird im  Ambulanten Operationszentrum des Leopoldina-Krankenhauses  auf einen Eingriff vorbereitet. 
Foto: Josef Lamber | Ein Patient wird im  Ambulanten Operationszentrum des Leopoldina-Krankenhauses  auf einen Eingriff vorbereitet. 

13 Uhr: In einem der Operationssäle des Ambulanten Operationszentrums (AOZ) glättet der  Chefarzt der Unfallchirurgie, Dr. Matthias Blanke, einen Knorpelschaden am Knie. Dr. Roland Bonfig, Chefarztkollege von der Urologie, operiert gleich im anderen Saal. Kinder sind heute nicht unter den Patienten. Das ist eher ungewöhnlich, denn gut 50 Prozent der Patienten, die hier operiert werden, sind Kinder. Patienten ab einem Jahr werden hier behandelt. 

"Besonders die Kinder profitieren von der Genesung im häuslichen Umfeld, wenn die Bedingungen es zulassen und dadurch kein höheres Risiko besteht, als bei der stationären Behandlung. Das ist unbedingte Voraussetzung", sagt der Leiter des AOZ und Facharzt für Anästhesiologie, Dr. Dirk-Christian Nüchter. Ein Elternteil begleitet das Kind, bis es in den OP kommt und kann dann auch nach der Verlegung in den Aufwachraum gleich wieder zu ihm. Für die Kinder gibt's auch Krankenhaushemdchen mit lustigen Figuren, die Erwachsenen kriegen das klassische Flügelhemd.

2000 Eingriffe im Jahr 

Gynäkologische Operationen, Metallentfernungen, Leistenbruch-OPs, Samenleiter-Durchtrennungen, zahnmedizinische Eingriffe, Hand-Chirurgie und ästhetische Chirurgie: Das sind nur einige der Eingriffe, die hier in diesem interdisziplinären Zentrum gemacht werden. Durchschnittlich 2000 Eingriffe stehen im Jahr an.

Wer hier operiert wird, ist in der Regel am frühen Abend spätestens wieder daheim. Selber fahren ist allerdings nicht drin. Man muss sich abholen lassen, entweder von Familie, Freunden, Bekannten oder von einem Taxifahrer. Und zwar im AOZ im 2014 eröffneten Gesundheitspark auf dem Gelände des Alten Krankenhauses. Die erste Nacht  nach der Operation muss die Betreuung zu Hause sichergestellt sein, zum Beispiel durch ein Familienmitglied.

Chefarzt Dr.  Matthias Blanke bei einem ambulanten  Knie-Eingriff, rechts Dr. Dirk-Christian Nüchter.
Foto: Josef Lamber | Chefarzt Dr.  Matthias Blanke bei einem ambulanten  Knie-Eingriff, rechts Dr. Dirk-Christian Nüchter.

Was leider nicht immer klappt: Nüchtern zum Eingriff kommen, wie es einem beim Vorgespräch ausdrücklich erklärt wird und wie es auch klar und deutlich auf dem Info-Material steht. Sechs Stunden vor dem Eingriff nichts essen, bis zwei Stunden vorher kann noch etwas Wasser oder Tee getrunken werden. Durchschnittlich ein Kind pro Monat kann nicht wie geplant operiert werden, weil die Nüchternheit nicht eingehalten wurde.

Wichtig: Nüchtern zum Eingriff kommen 

 Ein Nicht-Einhalten dieser Vorschrift bei geplanten Eingriffen ist lebensgefährlich. Durch die Narkose sind Schluck- und Hustenreflex ausgeschaltet. Dadurch kann unter Umständen Mageninhalt in die Atemwege geraten und eine schwerwiegende Lungenentzündung hervorrufen. Eine Narkoseeinleitung im Notfall und wenn sofort operiert werden muss, wird daher anders und mit einem höheren Verletzungsrisiko durchgeführt, das sei eine Frage der Abwägung, so Nüchter.

Wer sich hier einem Eingriff unterzieht, darf bis es losgeht oder nach dem Aufwachen Fernsehen schauen. Hilft beim Entspannen. 
Foto: Josef Lamber | Wer sich hier einem Eingriff unterzieht, darf bis es losgeht oder nach dem Aufwachen Fernsehen schauen. Hilft beim Entspannen. 

Entspannt sollen die Patienten sein. "Das spart Beruhigungsmittel", sagt Nüchter halb scherzhaft. Deswegen kann man beim  Warten auf den Eingriff und nachher beim Aufwachen Filme anschauen. Natürlich gibt's ein extra Kinder-Programm. Drei  OP-Säle gibt es, acht Betten im Aufwachraum. Es wirkt alles sehr ruhig, nicht hektisch. Und auch ein bisschen gemütlich. Nicht nur wegen des Fernsehers am Fußende des Bettes. Nach der OP  gibt's etwas zu trinken und einen Keks. "Die Leute haben meist erstmal Durst", sagt Nüchter.   

Dr. Dirk- Christian Nüchter bei einer Anästhesie am Ambulanten Operationszentrum. 
Foto: Josef Lamber | Dr. Dirk- Christian Nüchter bei einer Anästhesie am Ambulanten Operationszentrum. 

"Corona hat dafür gesorgt, dass einige Wochen kaum operiert werden konnte, da wir Ressourcen frei halten und unsere Organisationsstrukturen anpassen mussten", so Nüchter. Die Trennung der Patienten mit unterschiedlichem Risiko-Profil (nach dem damaligen Erkenntnisstand), Umsetzen der Abstands-Regeln und Priorisierung der Eingriffe nach Dringlichkeit waren ein nicht unerheblicher logistischer Aufwand. Nun ist aber unter den neuen Bedingungen fast wieder Normalbetrieb. "Bei COVID-19, als Infektion, die im Wesentlichen face to face übertragen wird, legen wir auch bei unseren Patienten auf das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes wert, so lange es medizinisch vertretbar ist."

24 Stunden im Leopoldina-Krankenhaus: Im Rahmen einer Serie stellen wir das Krankenhaus vor, in dem 24 Stunden an den unterschiedlichsten Orten und Bereichen Betrieb ist. Von A wie Apotheke bis Z wie Zentrale Notaufnahme. Dabei geht es auch an Orte, die Patienten und Besucher nicht sehen. Alle Teile der Serie finden Sie unter: www.mainpost.de/24+Stunden+Leopoldina./

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