Wasserlosen

Auch in Wasserlosen kränkelt der Wald

Mehr schlechte als gute Nachrichten hatte Stephan Thierfelder, Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, den Wasserlöser Räten über den Zustand des gemeindlichen Waldes zu vermelden.

Die Guten: Die Eiche steht auch nach den Trockenjahren der beiden vergangenen Jahre "insgesamt gut da", auch wenn einzelne Bäume wegen Schäden schneller als vorgesehen eingeschlagen wurden. Erfreulich sei zudem, dass die staatlichen Fördergelder in Anbetracht der Waldprobleme erheblich angehoben wurden. Recht positiv sei auch die geplante Waldflurbereinigung in Greßthal und Wasserlosen angelaufen.

Die Schlechten: Die Hitze- und Trockenjahre 2015, 2018 und 2019 haben dazu geführt, dass sich der bis dahin "ökologische stabile Waldbestand mit viel Buchen deutlich verschlechtert hat". Hinzu komme besonders der Schwammspinnerbefall, der sich immer weiter nach Norden ausdehne.

Schnellwachsende Schattenspender sterben ab

Galt die für die Beschattung wichtige Hainbuche bisher als "stabil", so führe deren Absterben zu stärkerem Lichteinfall und als Folge zu vermehrtem Schwammspinnerbebefall. Die schnell wachsende Esche sei vom Eschentriebsterben bedroht. Die aufgetretene gesundheitsgefährdende Rußrindenkrankheit beim Bergahorn habe man bis vor drei Jahren noch gar nicht gekannt und erfordere beim Fällen Vollkörperschutz. Nach wie vor sorge der Borkenkäfer in den Fichtenbeständen für große Schäden.

Der Schwammspinner schadet jetzt auch Buchenbeständen

Besorgnis erregend sei die Entwicklung bei der Buche, die im Raum Wasserlosen die wesentliche Baumart ist. Sie habe im vergangenen Jahr kaum an Wachstum zugelegt. Vor allem im Bereich Brebersdorf seien viele Buchen komplett oder zumindest im Kronenbereich abgestorben. Hinzu komme ein neues Phänomen: Der Schwammspinner, der sich bisher nur in Eichenbeständen vermehrte, sorgt mittlerweile auch in den Buchenbeständen für Schäden. Zudem habe man bisher damit rechnen können, dass die Massenvermehrung nach zwei Jahren abklinge, doch gebe es diese nun schon im dritten Jahr.

Die negativen Auswirkungen auf die Vitalität des Waldes verursachen zudem zusätzliche Kosten durch den größeren Zeitaufwand für das Einschlagen der kranken Bäume und der Verkehrssicherung, während gleichzeitig die Holzpreise, mit Ausnahme der Eiche, rapide gesunken sind.

Rote Zahlen in der Waldbewirtschaftung

Diese negativen Auswirkungen wirkten sich auch auf die Jahresbetriebspläne aus, die Revierleiter Robert Müller erläuterte. So seien in 2019 im mit Rechten belasteten Wald 790 Festmeter (fm) Holz eingeschlagen worden. Das waren in Folge des Borkenkäferbefalls 100 fm mehr als geplant. Die Rechtler haben 370 Stunden für Kulturpflege, Pflanzungen und Zaunbau geleistet.

Im unbelasteten Gemeindewald lag der Hiebsatz bei 1750 fm. Die Einnahmen beliefen sich auf 136 000 Euro, die 16 400 Euro an Fördergeldern beinhalten. Die Ausgaben betrugen 162 000 Euro, so dass das Jahr mit einem Minus in Höhe von 26 000 Euro abschloss. Zusätzlich investierte die Gemeinde 47 000 Euro in die Anschaffung eines Traktors sowie eines hydraulischen Fällkeils, um die Sicherheit der Waldarbeiter zu verbessern.

Für das kommende Jahr ist ein Holzeinschlag von 1700 fm geplant. Bei Einnahmen von voraussichtlich 100 000 Euro ist mit einem Defizit in Höhe von 20 000 Euro zu rechnen, wobei "viele Unbekannte bleiben, da die Natur die erforderlichen Maßnahmen bestimmt".

Rat genehmigt Pflanzenschutzmitteleinsatz gegen Schwammspinner

Ohne Gegenstimmen genehmigte der Rat den Jahresbetriebsplan 2020. Einstimmig sprach er sich auch dafür aus, den Schwammspinner durch den Einsatz des Pflanzenschutzmittels "Mimic" zu bekämpfen. Thierfelder drückte sein Unbehagen gegen den Einsatz chemischer Mittel aus, für den es jedoch keine effektiven Alternativen gebe.

Kahl gefressene Waldstücke hätten jedoch gezeigt, dass diese sich in Folge der fehlenden Beschattung auch sehr negativ auf die Tier- und Insektenwelt auswirkten. Wie von Gemeinderat Erwin Schmitt vorgeschlagen, soll jedoch keine Besprühung im Bereich des Wasserschutzgebietes erfolgen, auch wenn es dafür eine Ausnahmegenehmigung geben sollte. Thierfelder wies noch darauf hin, dass alle Waldbesitzer angeschrieben werden, in der Hoffnung, dass sich möglichst viele für den Einsatz von "Mimic" aussprechen, um dies möglichst großflächig ausbringen zu können.

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