SCHWEINFURT

Gunter Pauli: Die Welt mit Ideen retten

Setzt auf Ideen: Gunter Pauli bei den Hochschultagen.
Foto: Fuchs-Mauder | Setzt auf Ideen: Gunter Pauli bei den Hochschultagen.

Für Georgia Drescher, Mitorganisantorin der Hochschultage ist Gunter Pauli ein „echter Visionär“. Eine Frau aus dem Publikum wünscht sich nach seinem Vortrag zum Thema „Wie Innovationen in Wirtschaftsmodellen eine bessere Gesellschaft schaffen“, dass er der Präsident der Weltregierung wäre. „Der Gurufaktor ist ganz schön hoch“, sagt dagegen ein Zuhörer, der mit den Visionen und Ideen des charmanten Erfinders von „Blue Economy“ und Märchenbuchautoren wohl nicht so viel anfangen kann.

Ein paar Reihen weiter denken Leute darüber nach, Kaffeesatz zu sammeln und damit Pilze zu züchten. Pilzzucht ist so was wie Paulis Allheilmittel gegen Hunger: Sie wachsen schnell, praktisch aus dem Nichts und sind gesund. Der Belgier, der die Welt und die Menschen besser machen möchte, polarisiert. Aber er regt zum Nachdenken an.

Keine Emissionen, kein Abfall, dabei wirtschaftlich erfolgreich arbeiten und Arbeitsplätze schaffen. Das ist seine Idee. Indem zum Beispiel aus Bergbaurückständen zusammen mit PET-Flaschen Steinpapier entsteht oder die Oberfläche von Bergwerken mit Bambus bepflanzt wird. Das sorgt für eine besseres Klima, für mehr Regen, und die Leute haben Material, um sich Häuser zubauen. Und der Bambus, der kein Baumaterial ist, wird zu Papier verarbeitet. Ein Kreislauf. Aus dem, was vor Ort da ist. Das ist für Pauli der Weg für die Zukunft. „Verwenden, was wir haben. Die Basisbedürfnisse sichern, auf Wissenschaft und Innovationen setzen.“

Um diesen Weg zu gehen, müssen die Menschen an sich arbeiten. Nicht nur, was ihre Gewohnheiten, ihr Konsumverhalten angeht. Sie müssen einfach wissen, um die Dinge zu verstehen und um neue Lösungen zu finden. Und dazu braucht es Naturwissenschaften. „Physik, Mathe, dann Chemie, Biologie.“

Pauli hat was gegen Doppelmoral. „Wenn ich weniger stehle, bin ich immer noch ein Dieb. Aber wenn ein Unternehmen weniger die Umwelt verschmutzt, kriegt es einen Preis.“ Deswegen geht für ihn ethisch und ökologisch handeln Hand in Hand. Auf seiner Visionsmission unterstützen ihn Mentoren. „Menschen die tun, was sie sagen.“ Vor allem Frauen sind das. Eine hat einen Investmentfonds nur für Frauen in Südafrika gegründet, eine andere investiert ins Gesundheitssystem. Aus der Collage mit den vielen Gesichtern, die Pauli an die Tafel der Aula der FHWS projiziert, sticht ein bekanntes hervor. Elisabeth Mann Borgese, Kämpferin gegen Verschutzung und Überfischung der Meere.

Gegen Überfischung hat Pauli gerade ein Projekt mit Marokko laufen. Eine neue Form von Fischerboot benutzt Luftblasen, statt Netze. „Die Technik haben wir den Walen abgeschaut.“ Vorteil: weniger Beifang, nichts verheddert sich, der Meeresgrund wird nicht geschädigt. An Bord werden die Fische begutachtet. Die weiblichen, mit Eiern im Bauch, kommen zurück. „Pfft, ins Wasser“, sagt Pauli. Auf der Kanaren-Insel El Hierro habe sich so der Fischbestand dadurch deutlich erholt, sagt er. Später, beim Essen, weist ihn Robert Grebner, der Präsident der Fachhochschule, scherzhaft darauf hin, dass vielleicht auch ab und an ein Fischmännchen zurückgeworfen werden sollte, damit's mit dem Nachwuchs klappt.

Über drei Millionen Arbeitsplätze seien mit Ideen wie Steinpapier, Pilzzucht und Bambus-Anbau schon geschaffen worden, sagt Pauli. „Wir können das noch besser.“ Durch denken, Fragen stellen, was ausprobieren. „Und niemals ein Nein akzeptieren“, sagt er. „Bis etwas gemacht ist, schaut es immer unmöglich aus“, zitiert er Nelson Mandela. Und dann ist er auch schon umringt, von Leuten, die gerne mal mit ihm persönlich sprechen wollen. Macht er gerne. Der Gurufaktor ist eben hoch.

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