Schweinfurt

Jahresrückblick: Landkreis als Corona-Hotspot

Zeitweise zählte der Landkreis Schweinfurt zu den Corona-Hotspots der Region. Doch im Lockdown und jenseits aller Beeinträchtigungen waren die Menschen auch kreativ.
Mehrfach stand das Ankerzentrum bei Geldersheim wegen zahlreicher Corona-Fälle unter Quarantäne. Dort stellten sich aber auch Freiwillige für eine Antikörperstudie zur Verfügung.
Foto: Anand Anders | Mehrfach stand das Ankerzentrum bei Geldersheim wegen zahlreicher Corona-Fälle unter Quarantäne. Dort stellten sich aber auch Freiwillige für eine Antikörperstudie zur Verfügung.

Das Virus hatte auch den Landkreis Schweinfurt 2020 im Griff. Corona machte den Landstrich zwischen Oberlauringen und Oberschwarzach zeitweise zu einem Hotspot in der Region. In der zweiten Märzwoche war es soweit, nachdem überall die Zahl der nachgewiesenen Infektionen anstieg. Wenige Tage vor der Kommunalwahl am 15. März motteten die Parteien ihre Infostände ein und sagten Veranstaltungen ab.

Unverständnis äußerten viele Wernecker über den Umstand, dass der Bezirks Unterfranken den Park im Schloss Werneck für Monate geschlossen hielt, um Patienten und Klinikpersonal zu schützen.
Foto: Anand Anders | Unverständnis äußerten viele Wernecker über den Umstand, dass der Bezirks Unterfranken den Park im Schloss Werneck für Monate geschlossen hielt, um Patienten und Klinikpersonal zu schützen.

Als erste Großveranstaltung, die jährlich etwa 20 000 Menschen anzieht, zog Landtechnik  Müller in Holzhausen die beliebte Frühjahrsmesse zurück, die zwei Wochen später hätte starten sollen. Bereits Tage danach kochte auch das öffentliche Leben im Landkreis nur noch auf Sparflamme. Der erste Lockdown war da; erst im Mai wurde er wieder gelockert.

Leuchtende Kinderaugen: In Schwanfeld spazierte Lehrerin Chelsea Anderson als Dino durch die Straßen.
Foto: Heinz Peks | Leuchtende Kinderaugen: In Schwanfeld spazierte Lehrerin Chelsea Anderson als Dino durch die Straßen.

In den Gemeinderäten hielten die neuen Abstandsregeln Einzug. Wo es ging, verlegten die Gremien ihre Sitzungen in Sport- und Veranstaltungshallen, um das Infektionsrisiko zu verkleinern. In Waigolshausen wurde von nun an im Freizeitzentrum abgestimmt, in Sennfeld wurden Bauanträge in der Frankenhalle behandelt und in der Kulturhalle Grafenrheinfeld wechselten sich Gemeinderat und Kreistag ab. Die Staatsregierung genehmigte nun auch allen Gremien, einen Ferienausschuss zu bilden, wie es nur großen Städten vorbehalten war, um auch im verkleinerten Kreis rechtsgültige Beschlüsse fassen zu können. 

Am 11. März wurden die ersten infizierten Personen registriert. Zu einem ersten größeren Ausbruch in einer Pflegeeinrichtung kam es Anfang April im Kreisaltenheim Werneck. Im Oktober zählte der Landkreis zu den Hotspots der Region – mit einem Sieben-Tage-Inzidenz-Wert von 178. Mehr als einmal wurde die Flüchtlingseinrichtung Ankerzentrum bei Geldersheim nach zahlreichen positiven Testergebnissen unter Quarantäne gestellt. Aber auch das gab es dort: Freiwillige nahmen an einer medizinischen Studie teil, wie sich Antikörper gegen die Krankheit bilden und verhalten.

Abstand halten auch beim Gruppenfoto. Das gehörte zu den Verhaltensmaßnahmen, die die Menschen im Landkreis 2020 gelernt haben. Hier beim Abschied von Robert und Edeltraud Mantel von der Robert-und-Lore-Hofmann-Stiftung in Reichmannshausen.
Foto: Rita Steger-Frühwacht | Abstand halten auch beim Gruppenfoto. Das gehörte zu den Verhaltensmaßnahmen, die die Menschen im Landkreis 2020 gelernt haben.

Das erste Todesopfer, das das Corona-Virus in sich trug, wurde am 27. März registriert. Bis kurz vor Weihnachten waren es alleine im Landkreis über 60 mehr. Im Landratsamt werden die Maßnahmen koordiniert. Das Gesundheitsamt wird aufgestockt, ein Katastrophenteam gebildet und ein Bürgertelefon frei geschaltet. Beamte anderer Abteilungen müssen über Wochen aushelfen.

Tüftler Emanuel Balschat aus Garstadt hat einen Spiegel entwickelt, der Fieber messen und somit erste Anzeichen für eine mögliche Covid-19-Infektion liefern kann.
Foto: Uwe Eichler | Tüftler Emanuel Balschat aus Garstadt hat einen Spiegel entwickelt, der Fieber messen und somit erste Anzeichen für eine mögliche Covid-19-Infektion liefern kann.

Home-Office, Home-Schooling und geschlossene Geschäfte fördern aber auch die Kreativität der Menschen. An Karfreitag läuft der Schwanfelder Pfarrer Volker Benkert den Kreuzweg alleine, im Mai kommen Gläubige in Niederwerrn zu einem "Drive-in-Gottesdienst" zusammen, Markus Korb singt in Röthlein gegen das Virus an, in Schwanfeld spaziert Lehrerin Chelsea Anderson im selbst gebastelten Dinosaurier-Kostüm durch die Straßen, um die Kinder aufzuheitern. Und es entsteht Solidarität. In vielen Dörfern bilden sich Helferkreise, die für Menschen aus Risikogruppen oder in Quarantäne einkaufen oder den Hund ausführen. Die Dorfjugend Oberwerrn, die Nachbarschaftshilfe Gochsheim, die Feuerwehr Üchtelhausen, die "Steebeisser" Greßthal sind nur wenige Beispiele von vielen.

Auf vier Rädern zum Segen: In Niederwerrn organisierte die Pfarrei einen Drive-in-Gottesdienst.
Foto: Uwe Eichler | Auf vier Rädern zum Segen: In Niederwerrn organisierte die Pfarrei einen Drive-in-Gottesdienst.

Auch Kritik wird im Landkreis laut. Viele Wernecker verstehen nicht, dass der Schlosspark im Sommer über viele Wochen geschlossen bleibt. In Bergrheinfeld protestieren Corona-Kritiker im September gegen eine Reihentestung an der dortigen Schule.

Auftragseinbrüche, Liquiditätsprobleme und fehlende Kinderbetreuung haben im April die Unternehmen des Landkreises als Hauptprobleme definiert. Die meisten haben das Corona-Jahr 2020 durchgestanden. Die Arbeitslosenquote stieg bis November nur leicht auf 2,6 Prozent.

Ende einer 400-jährigen Familientradition. Die Wernecker Bierbrauerei mit den Chefs  Hans Jörg und Christine Lang stellte ihren Betrieb ein. Der zurückgegangene Absatz reichte nicht für das wirtschaftliche Überleben aus. 
Foto: Silvia Eidel | Ende einer 400-jährigen Familientradition. Die Wernecker Bierbrauerei mit den Chefs  Hans Jörg und Christine Lang stellte ihren Betrieb ein.

Bekanntestes wirtschaftliches Opfer der Pandemie wurde die Wernecker Bierbrauerei. Geschlossene Gastwirtschaften und ausgefallene Festveranstaltungen drückten den Absatz nach unten und die Firma in die Knie. Ein 400 Jahre altes Familienunternehmen ist für immer verschwunden. Abschied nahm Christine Lang in einem emotionalen Video in den Sozialen Netzwerken, das bundesweit für Aufsehen sorgte.

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