KREIS SCHWEINFURT

Landwirte: Kreative Unternehmer

Bio-Zucker: Hilmar Cäsar (im Vordergrund) bewirtschaftet mit Gut Dächheim und Gutshof Werneck 370 Hektar Ackerfläche nach ökologischen Kriterien. Regierungspräsident Paul Beinhofer (rechts) und stellvertretende Landrätin Christine Bender (daneben) ließen sich mit anderen Vertretern von Behörden, Kommunen und Organisationen über den Anbau der Zuckerrüben aufklären.
Foto: Silvia Eidel | Bio-Zucker: Hilmar Cäsar (im Vordergrund) bewirtschaftet mit Gut Dächheim und Gutshof Werneck 370 Hektar Ackerfläche nach ökologischen Kriterien.

Wie kreativ manche Landwirte sind und wie ideenreich und energisch sie ihre Zukunft anpacken, zeigte die landwirtschaftliche Informationsfahrt, die Unterfrankens Regierungspräsident Paul Beinhofer in diesem Jahr im Landkreis Schweinfurt unternahm. Vom fahrbaren Bio-Hühnermobil über modernste Milchviehhaltung bis zur Direktvermarktung in der eigenen Genuss-Scheune demonstrierten die Familienbetriebe ihre unternehmerischen Fähigkeiten.

Die vier besuchten Hofbesitzer erläuterten bei der Rundfahrt von Gerolzhofen bis Hambach ihre unterschiedlichen Entwicklungskonzepte einem Kreis fachkundiger und entscheidungsbefugter Teilnehmer. Regierung, Landratsamt, Amt für Ländliche Entwicklung, Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten, Bauernverband und Jagdschutzverein ließen sich informieren.

Zwei Bio- und zwei konventionelle Höfe wurden besucht, schließlich wirtschaften im Landkreis Schweinfurt von insgesamt 1200 Betrieben - davon 450 im Vollerwerb - auch 55 nach den Kriterien des ökologischen Landbaus. Das ist eine Verdoppelung seit 2007; neben der Untermainregion hat der Kreis damit das stärkste Wachstum im unterfränkischen Ökolandbau.

Lernort Bauernhof

Begonnen hatte die Info-Fahrt auf dem Rosenhof in Gerolzhofen, mit moderner Milchviehhaltung inklusive Melkroboter. Erlebnisbäuerin Manuela Hauck zeigt zudem am „Lernort Bauernhof“ Schulklassen und Kindergärten das aktuelle, nicht verkitschte Bild der Landwirtschaft.

Seinen 370 Hektar großen Bioland-Betrieb stellte Hilmar Cäsar, Pächter von Gut Dächheim bei Theilheim und Gutshof Werneck, am Zuckerrüben- und Sonnenblumenfeld vor. 2008 hatte der selbsternannte „Ackerbauer mit Leib und Seele“ die gesamte Fläche auf ökologische Bewirtschaftung umgestellt. Damals waren die Weizenpreise äußerst niedrig, erzählte er. Eine Biogasanlage sei für ihn keine Option als neue Einkommensquelle gewesen, zumal Pachtpreise und Betriebskosten steigen.

Neben ökonomischen Überlegungen seien auch der Boden- und vor allem der Grundwasserschutz für künftige Generationen ein Umstellungsmotiv gewesen. Hackmaschinen und damit verbunden breitere Anbaureihen ersetzen bei ihm die konventionelle Unkrautbekämpfung.

Aus Cäsars 70 Hektar Zuckerrüben wird Biozucker hergestellt. Neben dem Rübengrundpreis erhalten die Öko-Bauern einen Biozuschlag, erklärte er. Allerdings kündigte die Südzucker AG an, in diesem Jahr den Zuschlag um 55 Prozent zu kürzen. Zu dieser Zeit hatten die Betriebe aber das Saatgut bereits bestellt, so der Betriebsleiter. Dank der Intervention unter anderem auch der Regierung könne die Kürzung eventuell geringer ausfallen, hoffte Cäsar.

Um den Absatz des Biozuckers muss sich der Öko-Landwirt selbst kümmern. Abnehmer findet er unter anderem bei den Maintal-Konfitüren in Haßfurt. Ziel ist, so Cäsar, den weltweiten Rohrzucker durch regionalen Rübenzucker zu ersetzen. Wie schwierig die Vermarktung auch im konventionellen Bereich ist, machte BBV-Kreisobmann Konrad Klein deutlich. Auch da gebe es kaum noch kurze Wege zur Verarbeitung.

Die gibt es allerdings für die Bio-Eier, die der Schleeriether Landwirt Herbert Krückel von seinen 3000 Legehennen täglich erhält. Im Dezember 2010 baute er zusätzlich zu seinem 50-Hektar-Naturlandbetrieb einen modernen Hühnerstall mit 1,2 Hektar Auslauf außerhalb des Dorfes. Die Eier vermarktet er über den konventionellen Legehennenbetrieb Vogler, der die regionalen Supermärkte beliefert. Weil die Nachfrage nach Bio-Eiern wächst, baut derzeit auch Hilmar Cäsar bei Ettleben einen Stall für zweimal 3000 Bio-Hennen.

Krückels neueste Anschaffung, ein mobiler Hühnerstall für 225 Tiere, beeindruckte auch den Regierungspräsidenten. Zudem gehört sein Hof zu den BioRegio 2020-Betrieben. Die bayerische Staatsregierung hatte 2013 mit einem Landesprogramm das Ziel ausgegeben, bis 2020 die Bioproduktion zu verdoppeln. Ausgewählte Betriebe informieren dabei in Bauer-zu-Bauer-Gesprächen über den Ökoanbau.

Die Info-Fahrt führte schließlich nach Hambach, wo Michael und Susanne Reck voll auf Direktvermarktung setzen. Auf ihrem Aussiedlerhof bauen sie neben Getreide auch Gemüse an, das sie über den Hofladen verkaufen. Auch Wurst und Fleisch ihrer Mastschweine und Rinder gibt es dort.

Jüngstes Projekt waren der Umbau von Stall und Scheune in einen neuen Hofladen, Gastronomieküche und die sogenannte Genuss-Scheune. Der ehemalige Getreideboden bietet dabei reichlich Platz für Feste und Feiern. Dort endete auch die Informationsfahrt des Regierungspräsidenten.

-> Franken Seite 9
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