Schweinfurt

Life of Agony: Eine Frau steht ihre Frau

Die amerikanische Hardcore-Band macht aus dem Stattbahnhof ein Schweißbad der Gefühle. Warum Sängerin Mina Caputo im Macho-Kosmos des Metal eine besondere Rolle spielt.
Rockerin mit viel Gefühl: Mina Caputo mit ihrer Band Life of Agony im Stattbahnhof.
Foto: Michael Bauer | Rockerin mit viel Gefühl: Mina Caputo mit ihrer Band Life of Agony im Stattbahnhof.

Mina Caputo tanzt auf der Bühne, trägt enge Klamotten, wuschelt häufig in ihren langen Haaren und trägt auffallend viele Schmetterlings-Tattoos. Sie ist der Sängerin der zwischen Hardcore und Alternative Metal stilsicher wandelnden Kapelle Life of Agony. Hübsche Front-Miezen oder rotzige Gören im Mechaniker-Chic lässt das Genre ja zu. Auch, weil's die Männer gerne sehen. Aber eine Transfrau? Mina Caputo genießt ihren Sonderstatus in dieser Welt aus Stahl. Und über 400 Fans im Stattbahnhof feiern ihre Courage - und ihre Stimme.

Aus Keith wird Mina

Es war einmal ein schmächtiger Sänger namens Keith Caputo. Der gestand sich irgendwann Anfang des neuen Jahrtausends ein, was er tief im Inneren schon immer gefühlt hat: seine Weiblichkeit. Das posaunt man dann nicht gleich in die Welt. Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem der Druck zu groß wird. Es muss raus. 2011 war's soweit. Und aus Keith wurde Mina. Hormone, mutmaßlich auch ein bisschen Chirurgie, formten den neuen Körper der zum schon immer gefühlten Geschlecht passt. Und schon hatten Life of Agony eine Sängerin.

Und was für eine. Dieser Barriton ist immer noch da. Dieses unglaubliche Gespür, hartem Rock so viel Gefühl zu geben, ohne dass es auch nur ansatzweise pappig würde. Das kann auch nur klappen, weil sich die Musiker ausgiebig kennen. Gitarrist Joey Z., Alan Robert und Mina haben Life of Agony 1989 gegründet. Nur Veronica Bellino ist mit einem Jahr Zugehörigkeit ein waschechtes Küken, haut aber brillant aufs Trommelfell.

Selfies mit den Fans

Dass es im Stattbahnhof ungemessene, aber auch nicht nur gefühlte über 40 Grad hat, lässt sich das Quartett nicht anmerken. "Underground", "Through and through" – von Anfang an Vollgas. Da wird das altehrwürdige Gemäuer ruckzuck zu einem Schweißbad der Gefühle. Und mittendrin Mina Caputo. Die sich zwei, drei Schritte zurückziehen kann wie ein scheues Reh, dann wieder hinunter kraxelt zu den Fans, die gierig die Hände ausstrecken, mit ihnen singt, Selfies macht und auch den ein oder anderen Blödsinn. Diese Frau steht ihre Frau.

Nähe zu den Fans: Mina Caputo.
Foto: Michael Bauer | Nähe zu den Fans: Mina Caputo.

Die immer wieder öffentlich Intoleranz und Hass auf Andersartigkeit anprangert, die überstrapazierte Phallus-Symbolik auch in ihrem Musik-Genre, die sagt, dass ihr Opa sie vermutlich erschossen hätte, wenn er von ihrer Transidentität erfahren hätte. Die Freunde verloren hat und selbstverständlich auf die Damentoilette geht. Solche Dinge erzählt Mina Caputo eher im kleinen Kreis. Vor den Fans ist sie letztlich dann doch taff – und presst mit "Method of Groove" auch noch den letzten Schweißtropfen aus ihnen heraus.

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