Schweinfurt

Schweinfurt: Bandkeramiker brachten Ackerbau und Viehzucht

Eine ziemlich spannende Geschichte dürfte die Aufarbeitung der Grabungsergebnisse zwischen Peterstirn und Marienbachmündung bescheren, doch noch fehlt dafür das Geld.
Im August enden die Ausgrabungen auf dem Grundstück des künftigen Parkhauses.
Foto: Gerd Landgraf | Im August enden die Ausgrabungen auf dem Grundstück des künftigen Parkhauses.

Gesucht ist ein Sponsor, der es ermöglicht, die mittlerweile reichlichen Ergebnisse der Ausgrabungen zwischen Peterstirn und Marienbach zusammenzufassen, damit Licht in die noch recht dunkle Frühgeschichte der Schweinfurter und in das Leben in der mittelalterlichen Altstadt unter dem Kiliansberg kommt. An Material für einen Doktoranden fehlt es nicht, auch weil die Erforschung des Bodens auf dem ehemaligen Grundstück des Autohauses Wendling an der Mainberger Straße (neben der Polizeiinspektion) ganz aktuell weitere Einblicke und eine neue Erkenntnis gewährt.

Dass der Boden der Mainberger Straße 16 ein geschichtsträchtiger ist, stand schon vor der Planung des dort anvisierten Parkhauses fest, das die Parksituation rund um das Leopoldina-Krankenhaus entspannen soll. Und so waren die Bodenfunde aus der Zeit des Mittelalters bei den im März gestarteten archäologischen Grabungen durch das Architektenbüro Heyse auch nicht die große Überraschung. Mit den Überresten eines Langhauses, das vor etwa 7000 Jahren zwischen dem Main und der heutigen Mainberger Straße stand, hatte man jedoch nicht gerechnet.    

Schwerstarbeit leisten die Archäologen.
Foto: Gerd Landgraf | Schwerstarbeit leisten die Archäologen.

Die aus dem Osten Europas eingewanderten Bandkeramiker der Jungsteinzeit brachten die älteste bäuerliche Kultur Mitteleuropas nach Schweinfurt. Das stete Wanderleben der Jäger und Sammler wurde von permanenten Siedlungsformen mit Ackerbau und Viehzucht abgelöst. Die Herstellung von Keramik ermöglichte und erleichterte die Vorratshaltung, was zur Spezialisierung im aufkeimenden Handwerk und zur Nahrungsproduktion (statt Sammeln und Jagen) führte. 

Ein Langhaus der Bandkeramiker.
Foto: Gerd Landgraf | Ein Langhaus der Bandkeramiker.

Dokumentiert sind die Pfostenlöcher von einem Haus der Bandkeramiker, das wohl über drei oder vier Generationen von einer Familie bewohnt war. Mit den Erdverfärbungen wurden neben den Standorten der Hauspfosten Vorrats- und Abfallgruben ausgemacht, was die zeitliche Einordnung der Besiedlung ermöglichte.  

Die Wiederverwertung war im Mittelalter an der Tagesordnung. Grabungsleiter Frank Feuerhahn (Mitte) erklärte OB Remelé (links), dass der Stein mit einem Steinmetzzeichen, der in einem Keller verbaut war, aus einem noch älteren Gemäuer stammt – eventuell aus der ehemaligen Burg auf der Peterstirn. Im Hintergrund: Dieter Heyse, Inhaber des mit den Grabungen beauftragten Architekturbüros.
Foto: Gerd Landgraf | Die Wiederverwertung war im Mittelalter an der Tagesordnung. Grabungsleiter Frank Feuerhahn (Mitte) erklärte OB Remelé (links), dass der Stein mit einem Steinmetzzeichen, der in einem Keller verbaut war, aus einem ...

Beim Ortstermin mit dem städtischen Baureferenten Ralf Brettin und Oberbürgermeister Sebastian Remelé präsentierte jetzt Grabungsleiter Frank Feuerhahn, was er und weitere vier Archäologen, eine Studentin und ein Arbeiter seit Mitte März zu Tage gefördert haben. Neben Kellern und Gruben zeugen Werkzeuge und auch ein Kamm von dem Leben im frühen und im hohen Mittelalter (800 bis 1200 nach Christus). Mit dem Ergebnis der Ausgrabungen vor einem Jahr in der nahen Mainberger Straße 34 (Fischersiedlung) steht damit fest, dass die erste Schweinfurter Altstadt sich auf mindestens 500 Meter zwischen der Peterstirn und dem Marienbach erstreckte.

Hinweise auf den Speiseplan des Mittelalters in den Abfallgruben. Das Fleisch von Schwein und Huhn ließen sich die Altvorderen schmecken.
Foto: Gerd Landgraf | Hinweise auf den Speiseplan des Mittelalters in den Abfallgruben. Das Fleisch von Schwein und Huhn ließen sich die Altvorderen schmecken.

Aufgegeben wurde die Siedlung um 1250. Die Mauer rund um die heutige Altstadt versprach wahrscheinlich mehr Sicherheit. Anzeichen für einen Brand oder einen anderen unplanmäßigen Umzug aus den Häusern in direkter Nachbarschaft zur heutigen Mainberger Straße (11. Jahrhundert) fanden die Archäologen nicht. Auch gab es keine Hinweise auf eine Besiedlung in den Jahrtausenden zwischen 5000 vor und 800 nach Christus. 

Nach der kompletten Untersuchung des Geländes für das Parkhaus bleiben von der einst "dichten Besiedlung" (Andreas Büttner vom Landesamt für Denkmalpflege) nur die Fundstücke und eine ausführliche Dokumentation, die von den Grubenhäusern der Handwerker und von der Kellern aus der Zeit des Mittelalters berichten wird. Hinweise auf nicht unterkellerte Wohnhäuser gab die Erde nicht frei. Das Ende der Grabungen ist auf August datiert.

Maria Baldi arbeitet an der ausführlichen Dokumentation.
Foto: Gerd Landgraf | Maria Baldi arbeitet an der ausführlichen Dokumentation.
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