Schweinfurt

Weg vom Egoismus, hin zur Zivilcourage

Die Bundespolizei gab Mitarbeitern der Bahnhofsmission ein Training in Zivilcourage.
Bundespolizist Sebastian Ruhl simuliert im Rollenspiel den Täter. Die Mitarbeiter der Bahnhofsmission müssen zeigen, wie man in einer Gefahrensituation richtig reagiert.
Foto: Steffen Krapf | Bundespolizist Sebastian Ruhl simuliert im Rollenspiel den Täter. Die Mitarbeiter der Bahnhofsmission müssen zeigen, wie man in einer Gefahrensituation richtig reagiert.

Wie verhalte ich mich richtig in Gefahren- und Krisensituationen? Antworten darauf bekamen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Schweinfurter Bahnhofsmission am Samstag im Rahmen eines Zivilcouragetrainings mit Klemens Großkopf-Klopf und Sebastian Ruhl von der Bundespolizei.

Polizeihauptkommissar erklärt: "Zivilcourage ist letztlich, sich einmischen". "Die Situationen, in denen man sich einmischen könnte" – Großkopf-Klopf betont noch einmal das Wort "könnte" – "werden ja mehr". Die Bereitschaft in der Bevölkerung dann zu helfen, wenn es angebracht wäre, gehen dagegen oft in die Richtung "ich halte mich lieber heraus, denn es geht mich ja direkt nichts an und ich kriege dadurch nur Ärger", erklärt der Beamte.

Gerade in der Bahnhofsmission geraten die Mitarbeiter häufiger in Konfliktsituationen. "Mischt euch ein, aber überlegt euch, wie ihr euch einmischt", vermittelte er im Training. Keiner allerdings soll sich dadurch selbst gefährden, lautet ein wichtiger Grundsatz. Aber auch Kreativität ist gefragt. Die Bundespolizisten raten, "nicht mit dem Kopf durch die Wand zu gehen", sich stattdessen lieber Alternativmöglichkeiten zur Konfliktlösung zu suchen.

Drei Konfliktphasen trainiert

Dabei kann es auch helfen, den "Gegner" – also den Täter – genau zu beobachten. In einem der Rollenspiele wurde versucht, eine mögliche Gefahrensituation zu simulieren. Die Bahnhofsmission-Mitarbeiter saßen in einem Stuhlkreis beieinander, Bundespolizist Ruhl lief langsam an jedem vorbei, fixierte jede Person gezielt mit seinen Augen – manchmal blieb er länger stehen, manchmal ging er einfach weiter. Ruhl sollte einen Täter mimen, der sich gerade in der "visuellen Konfliktphase" befindet, der sich ein vermeintlich schwaches Opfer aussucht.

Wichtig sei es in so einer Situation, nicht das auszustrahlen, wonach der Täter sucht. Den Augenkontakt erwidern ist richtig, Anstarren sollte man dabei freilich unterlassen. Auch die eigene Körperhaltung spiele grundsätzlich eine große Rolle, erklären die Polizisten. Ruhl läuft dann nochmal durch die Reihen, fängt jetzt auch an, die Mitarbeiter grundlos zu beschimpfen. Er führt die "verbale Konfliktphase" vor.

Als er einen Mitarbeiter bedrohlich nahe kommt und zur dritten "Konfliktphase" mit Handgreiflichkeiten übergehen möchte, springt der Mitarbeiter auf, drückt Ruhl mit der Hand kurz weg, die restlichen Mitarbeiter sind auch schon zur Stelle, stehen im sicheren Abstand um den "Täter", verunsichern und behindern ihn, so dass ihm im besten Fall dann in der Realität nichts anderes bleiben würde, als vom Opfer abzulassen.

Jeder kann zum Opfer werden

Ein wichtiger Punkt des Kurses ist auch die Vermittlung, dass jeder irgendwann selbst zum Opfer werden kann. Soll heißen: Wir alle sind aufeinander angewiesen. "Nichts zu machen, ist falsch", betont der Hauptkommissar. Zivilcourage kann schon das Absetzen des Notrufs sein, bis hin zum direkten Eingreifen. Wichtig ist es auch, eine "Öffentlichkeit herzustellen", keiner soll als "Einzelkämpfer" agieren müssen.

Der Erfolg führt in der Zivilcourage über den Zusammenhalt und die Gemeinschaft. "Wir haben den Gemeinsinn verlernt", ärgert sich Großkopf-Klopf. "Wir wurden in den letzten Jahrzehnten immer mehr Egoisten." Er möchte dabei helfen, das wieder zu ändern. "Wir müssen hinkriegen, dass die Leute wieder ein bisschen mehr auf anderen gucken."

Ein zweites Treffen mit den Mitarbeitern der Bahnhofsmission wird folgen. Dann sollen die Mitarbeiter berichten, ob sie in Konfliktsituationen geraten sind und wie sie dabei reagiert haben.

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