Würzburg

Bistum Würzburg trotz Rekordetat auf Sparkurs

Die Finanzexperten des Bistums Würzburg – hier der Blick auf Dom und Neumünsterkirche – kalkulieren den Diözesanhaushalt 2018 mit Kirchensteuereinnahmen von 173,6 Millionen Euro.
Foto: Patty Varasano | Die Finanzexperten des Bistums Würzburg – hier der Blick auf Dom und Neumünsterkirche – kalkulieren den Diözesanhaushalt 2018 mit Kirchensteuereinnahmen von 173,6 Millionen Euro.

Trotz erwarteter Rekordkirchensteuereinnahmen von rund 173,6 Millionen Euro in diesem Jahr will das Bistum Würzburg sparen. Dies erklärte der Bischöfliche Finanzdirektor Albrecht Siedler bei der Haushaltspressekonferenz des Bistums am Donnerstag.

„Wir müssen Wege gehen, die bisher nicht üblich waren und die auch schmerzlich sein werden“, sagte Siedler. Das Bistum wolle die Zahl von Pfarrbüros und Veranstaltungen in den einzelnen Pfarreien reduzieren. Künftig sollten Pfarrbüros und Veranstaltungen ortsübergreifend auf der Ebene der Pfarreiengemeinschaften organisiert werden. Auch „Pfarrhäuser und Pfarrheime sind zu hinterfragen“, hieß es.

Stellenwiederbesetzungen prüfen

Der Sparwille des Bistums zeigt sich auch beim Personal. Die Diözese Würzburg müsse die Wiederbesetzung frei werdender Stellen „besonders sorgfältig prüfen“, betonte Siedler. Das Bistum beschäftigt derzeit rund 2500 Mitarbeiter – Geistliche und Caritas-Mitarbeiter nicht eingerechnet.

Auf die Frage, wie denn erwartete Rekordkirchensteuereinnahmen mit einem Sparkurs zusammenpassten, verwiesen Finanzdirektor Albrecht Siedler und Personalleiter Thomas Lorey mit Blick auf sich abzeichnende Tarifabschlüsse auf eine wahrscheinliche Steigerung der Personalkosten.

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Schon jetzt seien „bedenkliche 80 Prozent des Kirchensteueraufkommens“ durch Personalverpflichtungen gebunden. Siedler betonte, dass im laufenden Haushaltsjahr insbesondere Kosten im Personalbereich nicht durch steigende laufende Einnahmen gedeckt seien, sondern vielmehr durch Entnahmen aus den Rücklagen finanziert werden müssten.

Wie in vergangenen Jahren auch verwies Siedler bei der Rechtfertigung seines Sparkurses auf einen in Zukunft erwartbaren „realen Rückgang des Kirchensteueraufkommens“.

Rund 33 Millionen Bauzuschüsse

Noch kann davon im Bistum Würzburg aber keine Rede sein: 2018 wird die Diözese voraussichtlich 173,6 Millionen Euro an Kirchensteuern einnehmen. Rechnet man Staatsleistungen, Erträge aus Pfründestiftungen sowie sonstige Einnahmen hinzu, kommt man auf ein Gesamthaushaltsvolumen von 213 Millionen Euro. 31 Millionen Euro davon werden laut Siedler in Bauzuschüsse für Kitas, Seniorenheime, Schulen und diözesane Bauvorhaben fließen.

Bauzuschüsse in einer Höhe von insgesamt 2,3 Millionen Euro für die Pfarrei St. Anton in Schweinfurt, das Matthias-Ehrenfried-Haus in Würzburg, das Kloster in Dettelbach und die Theologie-Fakultät der Uni Würzburg gibt das Bistum ergänzend aus dem Haushalt des Bischöflichen Stuhls dazu.

Denn neben dem Haushalt der Diözese, der sich hauptsächlich aus Kirchensteuereinnahmen speist und dessen Gelder überwiegend für Seelsorge-Aufgaben, Verwaltung, caritative Dienste und Baumaßnahmen verwendet werden, hat das Bistum noch einen zusätzlichen Finanztopf – den Haushalt des Bischöflichen Stuhls.

Wie hoch das Gesamtvolumen dieses Haushalts 2017 war, soll offiziell erst ab Sommer bekannt gegeben werden. Finanzdirektor Siedler erklärte allerdings, dass das Gesamtvermögen auf der Aktivseite des Bischöflichen Stuhls 2017 wohl in etwa dem Gesamtvermögen von 2016 entsprechen wird – und das waren damals 421 Millionen Euro (im Vergleich: 2015: 379 Millionen Euro; 2014: 367 Millionen Euro). Ein Teil der Gelder aus dem Bischöflichen Stuhl wird laut Diözese üblicherweise für die Gehälter von Ruhestandspriestern verwendet.

Dass die Mehrung des Millionenvermögens auf Anlagegeschäfte zurückgeht, bestätigte Finanzdirektor Albrecht Siedler auf Nachfrage. Insgesamt 274 Millionen Euro aus dem Bischöflichen Stuhl sowie zusätzliche 70 Millionen Euro aus dem Diözesanhaushalt seien Anlagevermögen.

Mit Blick auf die Vorkommnisse im Bistum Eichstätt, das durch unseriöse Anlagegeschäfte in den USA gerade 50 Millionen Euro verloren hat, betonte Siedler, dass im Bistum Würzburg selbstverwaltete Finanzanlageprodukte in der Summe „nunmehr weniger als fünf Prozent“ ausmachten. „Millionenverluste wie bei der Diözese Eichstätt sind in Würzburg nicht möglich!“

Spezialfonds begrenzen Risiko

Auf Nachfrage bestätigte Siedler, dass bis vor vier oder fünf Jahren bis zu 60 Prozent des Anlagevermögens des Bistums in selbstverwalteten Finanzanlageprodukten angelegt gewesen seien. Man habe aber in den letzten Jahren in Absprache mit dem Diözesanvermögensverwaltungsrat die Anlagepolitik „komplett umgestellt“ und investiere mittlerweile zu 95 Prozent in Spezialfonds.

Für diese Fonds seien in den jeweiligen Richtlinien unter anderem Vorgaben hinsichtlich zulässiger Anlageregionen, Ratings, Aktienquote, Nachhaltigkeitsaspekte und ethischer Ausschlusskriterien vereinbart. Der Risikobegrenzung dienten Wertsicherheitskonzepte. Siedler zufolge berücksichtigen die Kriterien Rendite, Sicherheit, Liquidität und Nachhaltigkeit sowie ethische Vertretbarkeit.

„Unbesicherte Immobiliendarlehen im Ausland haben wir nicht vergeben und werden wir nicht vergeben“, so Siedler. Die Frage nach den Finanzpartnern der Diözese wurde nicht beantwortet; auf die Frage, ob es eine Kontrollinstanz gebe, verwies der Bischöfliche Finanzchef auf den Diözesanverwaltungsvermögensrat.

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