Würzburg

Ein Kinderschicksal, das weh tut

Macht der Bilder: Der Würzburger Medienpsychologe Frank Schwab erklärt, wie Bilder auf uns wirken und warum das Foto des toten syrischen Flüchtlingsjungen durchaus Ärger bei den Betrachtern hervorrufen sollte: Emotionen lösen oft vernünftige Prozesse aus.
Das traurigste Bild der Flüchtlingstragödie       -  (fqu)   Wir haben in der Redaktion lange diskutiert, ob wir das Bild des dreijährigen Aylan Kurdi unseren Lesern zeigen sollen oder nicht. Der Junge kommt aus der syrischen Stadt Kobane, die von IS-Kämpfern terrorisiert wird. Seine Eltern und seine beiden Brüder versuchten mit ihm in einem Schlauchboot nach Griechenland zu kommen. Nur der Vater überlebte. Ein unschuldiges kleines Kind hat aufgrund der Zustände in seiner Heimat und der EU-Abschottungspolitik sterben müssen, darum kann dieses Bild zum Symbol der Flüchtlingstragödie werden. Wir sollten es zeigen, argumentierten viele Kollegen. Es überfordert die Leser und es nimmt dem Kind seine Würde, sagten andere. Wir haben uns entschlossen, das Bild zu zeigen. Es ist so schlimm und so traurig, dass wir hoffen, es könnte ein Umdenken auslösen. Nachdem britische Zeitungen das Bild druckten, gerät Premier David Cameron ob seiner Abschottungspolitik unter Druck. „Was wenn nicht dieses Bild eines an den Strand gespülten syrischen Kindes, wird die europäische Haltung gegenüber Flüchtlingen ändern“, fragt die britische Zeitung „The Independent“. Vielleicht auch die Haltung des einen oder anderen Mitbürgers, der sich gegen Flüchtlinge und deren Aufnahme stellt.
| (fqu) Wir haben in der Redaktion lange diskutiert, ob wir das Bild des dreijährigen Aylan Kurdi unseren Lesern zeigen sollen oder nicht. Der Junge kommt aus der syrischen Stadt Kobane, die von IS-Kämpfern terrorisiert wird. Seine Eltern und seine beiden Brüder versuchten mit ihm in einem Schlauchboot nach Griechenland zu kommen. Nur der Vater überlebte. Ein unschuldiges kleines Kind hat aufgrund der Zustände in seiner Heimat und der EU-Abschottungspolitik sterben müssen, darum kann dieses Bild zum Symbol der Flüchtlingstragödie werden. Wir sollten es zeigen, argumentierten viele Kollegen. Es überfordert die Leser und es nimmt dem Kind seine Würde, sagten andere. Wir haben uns entschlossen, das Bild zu zeigen. Es ist so schlimm und so traurig, dass wir hoffen, es könnte ein Umdenken auslösen. Nachdem britische Zeitungen das Bild druckten, gerät Premier David Cameron ob seiner Abschottungspolitik unter Druck. „Was wenn nicht dieses Bild eines an den Strand gespülten syrischen Kindes, wird die europäische Haltung gegenüber Flüchtlingen ändern“, fragt die britische Zeitung „The Independent“. Vielleicht auch die Haltung des einen oder anderen Mitbürgers, der sich gegen Flüchtlinge und deren Aufnahme stellt.

Das Foto des toten Kindes am Strand einer türkischen Touristenhochburg lässt wohl die wenigsten Menschen kalt. Und obwohl seit Wochen tagtäglich über das Schicksal tausender Flüchtlinge berichtet wird, ist es genau dieses Bild eines einzelnen Kindes, das zum einen erschüttert, zum anderen für Diskussionen darüber sorgt, ob es überhaupt gezeigt, veröffentlicht, also ins Blickfeld gerückt werden sollte. Der Würzburger Professor Frank Schwab, Inhaber des Lehrstuhls für Medienpsychologie am Institut „Mensch-Computer-Medien“ der Universität Würzburg, erklärt, wie Bilder auf uns wirken – und was ...

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