Würzburg

Eine Firma für gehäkelte Kuscheltiere

Drei Frauen – eine Firma: (von links) Großmutter Raisa Kasper, Marianna Hardt und Mutter Ludmila Kasper häkeln und vertreiben Kuscheltiere.Foto: Alexandra Feitsch
| Drei Frauen – eine Firma: (von links) Großmutter Raisa Kasper, Marianna Hardt und Mutter Ludmila Kasper häkeln und vertreiben Kuscheltiere.Foto: Alexandra Feitsch

Während viele junge Menschen lieber Abstand von der älteren Generation nehmen, hat Marianna Hardt gemeinsam mit ihrer Mutter Ludmila Kasper und ihrer Großmutter Raisa Kasper eine Firma gegründet. Gemeinsam entwerfen, produzieren und verkaufen sie gehäkelte Kuscheltiere für Kinder unter dem Label „Marijaka“. Der Name entstand, weil Hardts Neffe ihren Namen nicht richtig aussprechen konnte.

Der Ursprung von „Marijaka“ liegt in Tansania, Ostafrika. Hier bekam Hardt während ihrer Hochzeitsreise im Jahr 2011 die Idee für ihr Label. Denn die 34-jährige wollte Kuscheltiere in Form von Giraffen oder Zebras als Souvenir von ihrer Reise mitbringen. Das Problem: „Überall stand Made in China oder Bangladesch auf den Schildchen.“ Deshalb hatte sie die Idee, Kuscheltiere selbst herzustellen. Sie sollten auch keine schädlichen Materialien enthalten.

Familie stammt aus Kasachstan

Als Hardt ihrer Mutter und ihrer Großmutter davon erzählte, waren sie sofort begeistert. Denn beide sind handwerklich begabt und gelernte Schneiderinnen. Außerdem wollten sie auch schon immer selbst etwas auf die Beine stellen.

Anfangs scheiterte das Projekt noch an der Sprachbarriere. Denn ursprünglich kommt die Familie aus Kasachstan. „Im Sommer waren wir immer auf dem Hof meiner Oma und ich habe dort in Kisten voller Stoff gewühlt.“ Hardt fand das, was ihre Großmutter macht, nie altbacken. Auch mit 79 häkelt, strickt und näht sie noch den ganzen Tag.
 

„Es ist für mich ein großes Glück, mit Großmutter zusammenzuarbeiten.“

Marianne Hardt Unternehmerin

„Meine Schränke sind voll von Garn“, sagt Großmutter Raisa freudig. „Es ist mein Hobby.“ Das handwerkliche Geschick und den Sinn für Selbstgemachtes hat Hardt im Blut. „Mit fünf hat sie schon ihr erstes Puppenkleid genäht“, sagt Mutter Ludmila. Man merkt der 61-Jährigen an, wie stolz sie auf ihre Tochter ist. Etwas ausschlagen würde sie ihr nie: „Ich mache alles für meine Tochter und unterstütze sie, wo ich kann.“

Als Hardt zehn Jahre alt war, kam die Familie nach Deutschland – nach Gießen in Mittelhessen, wo der Rest der Familie immer noch wohnt. Wenn Hardt spricht, merkt man ihr mit keinem Wort an, dass sie nicht in Deutschland geboren wurde. „Während der Schulzeit habe ich schon viel in Ateliers gearbeitet, bis ich schließlich Modedesign in Mannheim studiert habe“, sagt Hardt. Danach fand sie einen Job als Modedesignerin bei s.Oliver, weshalb es sie nach Würzburg verschlug. In ihrer Würzburger Wohnung ist auch das Atelier, in dem die Häkeltiere für „Marijaka“ entstehen.

Auf dem Schreibtisch im Atelier steht ein von der Großmutter selbst gehäkeltes Nadelkissen. Der Tisch ist mit Aquarellfarben, Skizzenpapier und Teilen von Häkeltieren übersät. Im Atelier kann man die Entstehung von „Marijaka“ gut nachvollziehen: Überall hängen Pinnwände mit den Entwürfen der Tiere.

Fast zwei Jahre am Konzept gearbeitet

Fast zwei Jahre hat Hardt an dem Konzept gearbeitet. Viele Giraffen mit großen und kleinen Nasen sind entstanden. Mit Knopfaugen und Wimpern ist schließlich daraus die Giraffe Wilma hervorgegangen. Im Jahr 2013 hat Hardt die ersten Häkeltiere unter dem Label „Marijaka“ über das Internet verkauft. Alle Tiere haben einen eigenen Namen, um ihnen mehr Persönlichkeit zu verleihen. So sollen sie die besten Freunde der Kinder werden.

Die Prototypen hat Großmutter Raisa gehäkelt. „Sie wollte möglichst nah an der Natur arbeiten und hat manchmal nicht verstanden, dass die Kuscheltiere niedlich sein sollen“, erzählt Hardt schmunzelnd. Als Designerin hat sie ein Auge für Schönes. „Wenn wir uns gegenseitig kritisieren, versteht das jeder und am Ende lachen wir darüber.“ Stattdessen bestimmen Harmonie und Hilfsbereitschaft die Arbeitsatmosphäre.

Das geben die drei Frauen auch an ihre Produkte weiter. Alles ist mit sehr viel Liebe zum Detail gestaltet. Jedes Tier bekommt ein Namensschild und wird in eine Papiertüte gepackt, die mit einem Aufkleber verschlossen wird.

Damit die Tiere komplett unbedenklich für Kinder sind, soll alles, was man in den Mund nehmen kann, verträglich sein. Als Füllung haben die drei Schafswollkügelchen ausgewählt. Damit sie nicht rausfallen können, sind sie in extra Säckchen eingenäht. Ansonsten besteht am Kuscheltier alles aus Häkelgarn. Eineinhalb bis zwei Tage dauert es, bis ein Tier fertig ist.

„Meine Oma häkelt hauptsächlich die Einzelteile, meine Mama und ich nähen sie zusammen“, sagt Hardt. In die Massenproduktion werden die drei aber nicht gehen. Denn: „Das Erstaunliche ist, dass man nur mit der Hand häkeln kann, es gibt keine Häkelmaschinen“, erklärt Hardt. Mittlerweile sind gehäkelte Rasseln und Eierwärmer in der Form der Häkeltiere dazu gekommen.

Das große Glück, mit der Oma zusammenzuarbeiten

Oma, Mama und Tochter haben eine ganz besondere Bindung. Es scheint, als haben alle genau ihren Platz gefunden. „Das alles gehörte schon immer zu mir“, sagt Hardt. Für sie ist es ein großes Glück mit ihrer Großmutter zusammenzuarbeiten. „Ich habe für immer eine schöne Erinnerung an Oma.“

Und die nächste Generation wartet bereits auf ihren kreativen Einsatz: Mariannas Tochter Annie ist gerade vier Monate alt. Sie trägt selbst gestrickte Socken ihrer Urgroßmutter und hat ein selbst gebautes Mobilé von ihrer Mutter über ihrem Kinderbettchen hängen. Auf dem Tisch steht Limonade aus selbst gemachtem Holundersirup.

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