Würzburg

Für Flüchtlingshilfe: Wie Schüler mit Liegestütze Spenden sammeln

Das Leid der Flüchtlinge auf der Insel Lesbos hat sie bewegt: So initiierte die Lehrerin der Goethe-Mittelschule eine Spendenaktion. Wie? Mit dem alt bewährten Liegestütz.
Spenden-Aktion für Flüchtlinge:  Martina Wenger, Lehrerin an der Goethe-Mittelschule, übt mit den Schülern Liegestütze  für den guten Zweck.  
Foto: Patty Varasano | Spenden-Aktion für Flüchtlinge: Martina Wenger, Lehrerin an der Goethe-Mittelschule, übt mit den Schülern Liegestütze  für den guten Zweck.  

Der verheerende Brand im überfüllten Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos im September ließ ihr keine Ruhe. "Immer wieder kamen mir die Bilder und das Leid der geflüchteten Menschen in den Kopf", erzählt Martina Wenger, die Lehrerin an der Goethe-Mittelschule im Frauenland ist. Ein weiterer Videobericht, der Geflüchtete in einem überfüllten Boot zeigte, darunter Babys und Kinder, die von der Grenzpolizei wieder aufs offene Meer hinaus getrieben wurden, gab den Ausschlag. Eine einfache Spende reichte nicht mehr, "ich will und muss mehr tun", war Wenger klar.

An der Goethe-Mittelschule haben fast die Hälfte der insgesamt 109 Schüler einen Migrationshintergrund, auch in Wengers fünfter Klasse sind mehrere Flüchtlingskinder. "Ich habe nur gedacht: Das ist irgendwie auch die Geschichte meiner Schüler." So wurde die Idee für eine Spendenaktion an ihrer Schule geboren, für die die 44-Jährige Sponsoren sucht. Da wegen der Corona-Auflagen derzeit ein Dauerlauf mit vielen Schülern ausgeschlossen ist, griff sie auf den alt bewährten Liegestütz zurück. Für jeden Liegestütz ein Euro - so die Devise. Der gesammelte Betrag soll dann an die UNO-Nothilfe für Flüchtlinge auf Lesbos gehen.

Das provisorische Zeltlager Kara Tepe war in Windeseile errichtet worden, nachdem das ursprüngliche Lager Moria bei einem Großbrand fast völlig zerstört worden war. 
Foto:
Panagiotis Balaskas/AP/dpa  | Das provisorische Zeltlager Kara Tepe war in Windeseile errichtet worden, nachdem das ursprüngliche Lager Moria bei einem Großbrand fast völlig zerstört worden war. 

Die Schüler fiebern mit

Auch Schulleiter Klaus Kerner befand die Idee für gut und unterstützt Wenger bei der Vorbereitung - ebenso wie weitere Kollegen. "Vor allem die Sportlehrer üben im Unterricht mit den Kindern gerade vermehrt Liegestütze", sagt Wenger und lacht. Es sei wichtig, sich für die gute Sache zu engagieren, "ich schaffe bis zu 100 Liegestütze", sagt Schüler Leonardo stolz. "Jeder so wie er kann", merkt die 44-Jährige aus Estenfeld an, "denn jeder Liegestütz zählt." Überrascht hat sie, wie viele Kinder, die sich sonst eher weniger im Unterricht engagierten, bei der Spendenaktion sofort mitfieberten: "In meiner Klasse brachte ich das Thema auf und sofort entstand ein Gespräch, in dem einige meiner Schüler plötzlich ihre Geschichte offenbarten."

Archivbild: Seenotrettung im Mittelmeer.
Foto: Renata Brito/AP/dpa | Archivbild: Seenotrettung im Mittelmeer.

So hat auch die zwölfjährige Malak vor einigen Jahren eine Flucht übers Meer erlebt. Ihre Familie stammt aus Syrien und wegen des dortigen andauernden Bürgerkrieges musste sie fliehen. Sie habe Angst gehabt, "ich erinnere mich, dass das Boot so gewackelt hat und ich froh war, als ich wieder an Land kam", erzählt sie mit leiser Stimme.  

Auch ihr 11-jähriger Klassenkamerad, dessen Familie aus Bosnien stammt, ist froh, hier in Deutschland leben zu dürfen: "Ich war noch klein, als meine Eltern mit mir zusammen flohen", sagt er. Amelie aus der siebten Klasse macht es traurig, "dass es in anderen Ländern so verzwickt ist und dass man nur schwer helfen kann". Und: "Ich frage mich, warum das manche Leute gar nicht interessiert." Sie freut sich, dass sie etwas tun kann, ist auch durch ihr Karate-Training sehr sportlich, "so dass ich schon einige Liegestütze hinbekomme".

"Ich frage mich, warum das manche Leute gar nicht interessiert."  
Amelie, Schülerin der Goethe-Mittelschule, über das Leid der Flüchtlinge  

Für Marcellino aus der neunten Klasse ist es klar, dass man helfen muss: "Ich habe zwar selbst keine Flucht erlebt, aber einige Freunde von mir sind auch mit dem Boot gekommen und haben schon einiges mitmachen müssen." Schülerin Marissa merkt zudem an, wie wichtig es ist, andere Kulturen kennenzulernen und sich gegenseitig zu helfen. "An unserer Schule geht es Multi-Kulti zu."  

Spenden-Aktion für Flüchtlinge:  Martina Wenger sucht nach Sponsoren. Die Idee: pro Liegestütz ein Euro.
Foto: Patty Varasano | Spenden-Aktion für Flüchtlinge: Martina Wenger sucht nach Sponsoren. Die Idee: pro Liegestütz ein Euro.

Schwierige Suche nach Sponsoren

Wenn es nach Wenger geht, soll die Liegestütz-Aktion in der Woche nach den Herbstferien stattfinden. Aber: "Ich suche dringend noch Sponsoren." Bisher hätten sich auf Anfrage nur wenige Firmen - darunter die Sparkasse, das Estenfelder Kosmetikstudio Vanity und die Firma WSP Deutschland AG -  bereit erklärt, mitzumachen. "Ich hoffe, das werden noch ein paar mehr, denn unsere Schüler sind hoch motiviert." Auch Privatspenden sind natürlich willkommen.       

Geübt wird derzeit auch fleißig zuhause. Neben den erhofften Spenden, habe die Aktion den positiven Nebeneffekt, "dass sich alle mehr bewegen", so Wenger.     

Spenden für die UNO-Flüchtlingshilfe

Die Goethe-Mittelschule im Frauenland will mit dem Liegestütz Geld für die "Nothilfe für Flüchtlinge auf Lesbos" der UNO sammeln und sucht nach Sponsoren. Firmen, die spenden möchten, können sich an Martina Wenger unter der E-Mail: martinastrohmenger@gmx.de wenden.
Auch Privatspenden sind willkommen. Spenden bitte auf das Konto der Goethe-Mittelschule: DE 44 7905 0000 0042 0299 34. Betreff: Aktion Liegestütz
Quelle: Goethe-Mittelschule
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