Gramschatz

Gramschatz: Wie mit Corona ein Dorf zusammengewachsen ist

Das Virus hält zwar alle auf Abstand, doch Gramschatz zeigt stellvertretend für viele Gemeinden, wie sich Bürger gegenseitig unterstützen und trotzdem füreinander da sind.
Philipp Stark, Elmar Rottmann und Doris Krückel erfreuten mit ihrer Blasmusik das ganze Corona-Jahr hindurch die Dorfbewohner. So war es auch am Heiligen Abend in Gramschatz.
Foto: Dirk Wiesner | Philipp Stark, Elmar Rottmann und Doris Krückel erfreuten mit ihrer Blasmusik das ganze Corona-Jahr hindurch die Dorfbewohner. So war es auch am Heiligen Abend in Gramschatz.

Im Corona-Jahr mit seinen Einschränkungen schärfte ein kleines Virus den Blick auf die Nöte der Zeit. Es verdeutlichte auch, was den Menschen am Herzen liegt. In Gramschatz war es der sprichwörtliche Zusammenhalt im Dorf. Für die Dorfbewohner war es nicht leicht, auf ihre Vereinsfeste und gemeinsamen Unternehmungen zu verzichten.

"Bei uns hat Corona viel Kreatives und Positives hervorgebracht", weiß Conny Brendler. Ingrid Volk und Gunde Wiesner etwa haben sich privat engagiert. Bisher nähten sie 1600 Mund-Nase-Masken. Die meisten verschenkten sie an umliegende Seniorenheime und Schulen, an die Station Regenbogen der Uniklinik in Würzburg und an Flüchtlinge.

Einige der selbstgenähten Mund-Nase-Masken von Gunde Wiesner.
Foto: Irene Konrad | Einige der selbstgenähten Mund-Nase-Masken von Gunde Wiesner.

Manche der selbstgenähten Masken verkauften sie. Dafür und für eigene Holzarbeiten nahmen sie 350 Euro ein. Das Geld spendeten die zwei Frauen dem Würzburger Verein "Hilfe im Kampf gegen Krebs". Zudem bastelten sie für alle Gramschatzer und einige Seniorenheime kleine Gaben zu Ostern und Weihnachten. In ihre Geschenktüten legten sie Gedichte oder süßes Gebäck.

Damit bereiteten die beiden Frauen Freude und machten Menschen Mut. Das wollen auch die Frauen und Männer, die sich seit Beginn der Pandemie im März in der Nachbarschaftshilfe engagieren. Sie erledigen insbesondere für Menschen in Quarantäne Gänge zum Einkaufen oder zur Apotheke.

"Noch nie hatten wir so viele Einsätze wie heuer."
Kommandant Dirk Wiesner

Ein schwieriges Jahr hatte die Freiwillige Feuerwehr. "Noch nie hatten wir so viele Einsätze wie heuer", informiert Kommandant Dirk Wiesner. Über 30 Mal hätte man ausrücken müssen und das, obwohl Einsätze zur Absicherungen von diversen Prozessionen und Wallfahrten gar nicht stattfanden.

Dass zur üblichen Schutzkleidung die Mund-Nase-Masken dazukamen und Abstandsregeln eingehalten werden mussten, seien besondere Herausforderungen gewesen. "Weil Übungen und Ausbildungen im Feuerwehrhaus nicht möglich sind, treffen wir uns nun zu Vorstandssitzungen und kleinen Übungen per Videokonferenz", beschreibt Kommandant Wiesner die Lage.

Pfarrgemeinderat engagierte sich das gesamte Jahr hindurch

Es freut ihn sehr, dass die Gramschatzer Spendenaktion zum Jahresende geklappt hat. Weil der traditionelle Christbaummarkt nicht stattfinden konnte, baten die Vereine um Spenden für die Hilfsorganisationen, die sie bisher unterstützten. Erfreuliche 1500 Euro sind so zusammen gekommen.

Auf den Kirchenbänken standen in der Adventszeit Tüten für Kinder und Erwachsene zum Mitnehmen bereit. Sie enthielten Tee, Süßigkeiten sowie Hefte zum Lesen oder Ausmalen.
Foto: Irene Konrad | Auf den Kirchenbänken standen in der Adventszeit Tüten für Kinder und Erwachsene zum Mitnehmen bereit. Sie enthielten Tee, Süßigkeiten sowie Hefte zum Lesen oder Ausmalen.

Sehr engagiert hat sich der Pfarrgemeinderat. Zu allen kirchlichen Festen im Jahr ließen sich engagierte Mitglieder der Kirchengemeinde St. Cyriakus etwas einfallen. Am Palmsonntag legten sie Palmzweige und Buchs und zu Weihnachten Schokoengel vor die Haustüren, in der Karwoche organisierten sie das "homeoffice-Rappeln", im Advent konnten unterhaltsam gefüllte Tüten abgeholt werden und für den Heiligen Abend daheim stellten sie Liedzettel, Bastelmaterial und Weihnachtsgeschichten bereit.

Musikanten erhielten großen Zuspruch

Während die Kirchengemeinde eher leise im Hintergrund agierte, waren einige Musikanten lautstark zu hören. Vor allem Elmar Rottmann und Doris Krückel wollten "die Corona-Wartezeit mit Musik überbrücken". Mit "Corona-Abstand" spielten sie in der Karwoche, zu Ostern, an den Sonntagen im Marienmonat Mai und in der Adventszeit, zu Allerheiligen, zur Erstkommunion und am Heiligen Abend.

Bei ihren Blasmusik-Aktionen an drei Stellen im Dorf wurden sie mehrmals von Martin Weis und Philipp Stark unterstützt. Die Musikanten bekamen durch Whats-App-Nachrichten, mit Dankesschreiben im Briefkasten, mit Applaus und kleinen Geschenken viel Lob. "Die Menschen brauchen Musik", ist Elmar Rottmann überzeugt. Für ihn war es ein Anliegen, auf diese Weise " vor allem das kirchliche Leben im Jahreskreislauf aufrecht zu erhalten".

Nur gut 600 Einwohner hat der Ortsteil der Marktgemeinde Rimpar. Im Jahr 2022 wollen sie mit über das Jahr verteilten Aktionen ihre 1250-jährige Geschichte feiern. Dann wird das Corona-Virus hoffentlich eingedämmt sein. Die Dorfbewohner vermissen sich gegenseitig. Das beweisen ihre herzlichen Aktivitäten im Corona-Jahr.

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