Höchberg

Höchberger Gemeinderat: Mehr Raum für die Anliegen der Jugendlichen

Kindern und Jugendlichen mehr Gehör verschaffen will künftig der "Jugendbeirat für alle". Was sich dahinter verbirgt, erklärte Sozialpädagogin Franziska Hupp dem Gemeinderat.
Das Sportgelände am Höchberger Schulzentrum ist zu normalen Zeiten ein beliebter Treffpunkt für Jugendliche. Doch die können sich durchaus auch attraktivere Freizeitmöglichkeiten vorstellen, wie nun das Ergebnis einer Jugendumfrage ergab.
Foto: Thomas Obermeier | Das Sportgelände am Höchberger Schulzentrum ist zu normalen Zeiten ein beliebter Treffpunkt für Jugendliche. Doch die können sich durchaus auch attraktivere Freizeitmöglichkeiten vorstellen, wie nun das Ergebnis ...

Höchberg gilt als familienfreundliche Gemeinde. Doch räumt sie Kindern und Jugendlichen tatsächlich den Raum ein, den sie brauchen? Was erwarten junge Menschen von einer Gemeinde, wo liegen ihre Interessen und wo treffen sie sich? Und was kann die Gemeinde im Gegenzug tun, um den Ort auch für Jugendliche noch attraktiver zu machen? Um alle diese Fragen zu beantworten, startete im Dezember vergangenen Jahres die erste Jugendumfrage in Höchberg. Ziel dieser Kampagne sollte die Bildung eines Jugendbeirates sein, den der Gemeinderat nun auch am Dienstagabend beschlossen hat.

Mit seiner Wahl zum Bürgermeister am 15. März 2020 war es Alexander Knahn von vornherein wichtig, alle Höchberger mitzunehmen und ins gesellschaftliche Leben einzubinden. Deshalb ging er auf Franziska Hupp, Sozialpädagogin der Gemeinde, zu und beauftragte sie damit, ein Konzept zu erstellen. Den Anfang dazu machte die Jugendumfrage, an der bis März 2021 insgesamt 136 Höchberger Jugendliche zwischen elf und 21 Jahren teilnahmen. Das entspricht 25 Prozent aller Höchberger Jugendlichen in diesem Alter. Der Anteil von Jungen und Mädchen sei dabei relativ gleich gewesen, stellte Franziska Hupp fest. Gefragt wurde nach Treffpunkten und Freizeitgestaltung, Engagement und Beteiligung, Kommunikation und Mobilität, Benachteiligung oder gar Diskriminierung sowie Zufriedenheit beziehungsweise Zukunftssorgen.

65 Prozent der Höchberger Jugendlichen begrüßen einen Jugendbeirat

Freunde treffen, Social Media pflegen und Musik hören sowie shoppen gehen und Sport machen sind die typischen Hobbies der Jugendlichen, führte Franziska Hupp im Gemeinderat aus. Aber ein Platz zum "einfach nur mit Freunden abhängen" fehle ihnen am meisten, so ein Ergebnis der Umfrage. Freuen würden sie sich allerdings auch über eine Skateanlage, ein Beachvolleyballfeld, einen Pumptrack (speziell geschaffene Mountainbikestrecke) oder ein jugendfreundliches Café. Neben Schule und Familie engagieren sich immerhin 64 Prozent in Sportvereinen. Viele würden sich indes auch gerne in der Arbeit mit geflüchteten Menschen, im Umwelt-, Natur- und Tierschutz sowie in der Politik einsetzen, denn der Klimawandel sowie Rassismus und soziale Ungerechtigkeit macht der Jugend laut Umfrage am meisten Angst.

Franziska Hupp, Sozialpädagogin in der Gemeinde Höchberg, hat einen Jugenbeirat initiiert.
Foto: Hupp | Franziska Hupp, Sozialpädagogin in der Gemeinde Höchberg, hat einen Jugenbeirat initiiert.

Dennoch sehen 74 Prozent ihrer Zukunft positiv entgegen und leben gerne in Höchberg. Auch wenn sie sich dort mehr Nachtbusse und Fahrradwege - vor allem in der engen und verkehrsbelasteten Hauptstraße - wünschen. Etwa 50 Prozent der Befragten würden sich laut Umfrage in der Gemeinde engagieren, gleichzeitig aber hätten viele das Gefühl, als Jugendlicher nicht gehört zu werden. Deshalb begrüßen 65 Prozent einen Jugendbeirat in Höchberg. 

"Die Jugendlichen können sich auch nur für die Dauer eines bestimmten Projektes einsetzen und dann wieder austreten."
Franziska Hupp zum Konzept von einem Jugendbeirat für alle

Auch der Gemeinderat steht dieser Mitwirkung positiv gegenüber. Im Vorfeld hatte sich die Verwaltung gemeinsam mit den Fraktionen für einen "Jugendbeirat für Alle" ausgesprochen, den es in dieser Form in der Gemeinde Rottendorf bereits seit 2017 gibt. Das Konzept dahinter zeichnet sich vor allem durch seine offenen Strukturen aus. Heißt: Jeder Höchberger ab zwölf Jahren kann mitmachen und darf dies für die Dauer tun, die er selbst bestimmt. "So ist es möglich, sich nur für ein bestimmtes Projekt einzusetzen und mit dessen Beendigung wieder auszutreten", erklärte Hupp.

Gemeinderat Timo Koppitz (UWG) hakte nach, ob die 26-Jährige als sozialpädagogische Kraft moderierend einwirke, weil er sonst "ein heilloses Durcheinander" befürchte. Diese Angst konnte Franziska Hupp ihm nehmen, wenn auch vielleicht sie nicht persönlich, aber auf jeden Fall ein Sozialpädagoge die Leitung der Sitzungen übernimmt. Bürgermeister Alexander Knahn freute sich jedenfalls über  den positiven Beschluss, sofern "nicht nur Forderungen kommen", wie auch Susanne Cimander (Bündnis 90/die Grünen) anmahnte. 

Die erste Vollversammlung sei aufgrund der Corona-Pandemie nun für September geplant, sagte Hupp abschließend, die sich dafür einen Platz unter freiem Himmel, aber auf jeden Fall von Angesicht zu Angesicht wünscht. Bis dahin informiere man die Jugendlichen übers gemeindliche Mitteilungsblatt, Facebook und Instagram. 

Jugendbeirat für alle

Mitglied dürfen alle Kinder und Jugendlichen ab zwölf Jahre werden, die ihren Erstwohnsitz in Höchberg haben. Die Mitgliederzahl ist nicht beschränkt (in Rottendorf sind es zurzeit 34). Beginn und Ende der Tätigkeit im Jugendbeirat kann jedes Mitglied selbst bestimmen. Eine sozialpädagogische Leitung übernimmt die grundlegende Organisation und Moderation. Dem Jugendbeirat steht ein Jahresbudget von 3000 Euro zur freien Verfügung. Alle Mitglieder führen ihre Tätigkeit ehrenamtlich aus.
Der Jugendbeirat tagt in der Regel sechs Mal jährlich. Die für die Arbeit nötigen Räumlichkeiten werden dem Jugendbeirat kostenlos zur Verfügung gestellt. Alle Mitglieder haben ein Stimm-, Rede- sowie Antragsrecht. Beschlüsse werden mit einfacher Mehrheit gefasst. Die Gemeinde teilt dem Rat frühzeitig alle für Kinder und Jugendliche relevanten Themen mit, sofern keine Geheimhaltungspflicht besteht. Der Jugendbeirat dienst als Bindeglied zwischen Kindern und Jugendlichen, der Verwaltung und dem Gemeinderat.
Quelle: Main-Post
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