WÜRZBURG

Homaira Mansury: Powerfrau mit feinem Gespür

Der Sozialpolitik verschrieben: Homaira Mansury, Dozentin in der Erwachsenenbildung auf der Frankenwarte, fordert für Benachteiligte Respekt ein.
Foto: THOMaS OBERMEIER | Der Sozialpolitik verschrieben: Homaira Mansury, Dozentin in der Erwachsenenbildung auf der Frankenwarte, fordert für Benachteiligte Respekt ein.

Die Frau mit den afghanischen Wurzeln wurde in Neuwied am Rhein geboren. Ihr Blick fesselt, fängt ein. Homaira Mansury ist da, ganz anwesend – nicht nur, wenn sie eine Rede hält oder mit bekannten Persönlichkeiten zu tun hat. Die Frau, die gerne beerenfarbene Pullis, Blusen und Schals trägt, wirkt in der Öffentlichkeit nie verträumt: Sie gibt die Frau, die genau weiß, was sie will. Homaira Mansury ist Vizechefin der WürzburgSPD und Wahlkreis-Kandidatin für den Bundestag.

Starker Händedruck, klarer Blick. Herausfordernd. Auf Fragen, Hinweise oder Kritik werden immer Antworten kommen. Jede Begegnung nimmt sie als Bereicherung, die ihr Selbstbewusstsein weiter schärft. Das ist eine gute Ausgangsposition für Teamarbeit oder die Leitung eines Teams. „ ...nur gemeinsam können wir etwas für unsere Region und unsere ganze Gesellschaft erreichen“, steht auf ihrer Internetseite.

Die 35-Jährige zeigt sich offen für alle Mitbürger. Man nimmt ihr ab, dass Aussagen nicht nur bloße Wahlversprechen sind. Sie ist nicht fahrig, nicht oberflächlich. Dafür arbeitet sie. Stein um Stein baut sie an ihrem Ruf, gewinnt die Herzen, wenn sie von Gleichheitsgrundsätzen spricht, zum Beispiel der Bildung als Notwendigkeit für jedermann. Dass kürzlich zur Lesung mit Renan Demirkan, der deutschen Schauspielerin und Buchautorin mit türkischen Wurzeln, nur wenige Zuhörer kamen, schmerzte sie. Demirkan ist für Mansury ein Vorbild, weil sie viel über Respekt nachgedacht hat und entsprechend lebt – Respekt jedem gegenüber, ob Müllwerker, Firmenchef oder Staatsvertreter, alt oder jung, farbig oder nicht. Respekt bedeute, den Anderen als gleichwertig auf Augenhöhe zu betrachten.

Und genau das beansprucht Homaira Mansury für sich selbst, will es auch für andere durchsetzen. Ihre Stärke für die Schwachen. „Das ist keine Sozialromantik“ sagt sie, „sondern die Grundlage für eine gerechte und chancengleiche Gesellschaft, von der wir noch entfernt sind.“

Dass sie in ihrer politischen Laufbahn doch recht großen Fußspuren folgt, nämlich denen des früheren Bundestagsabgeordneten und Verteidigungs-Staatssekretärs Walter Kolbow, empfindet sie als Ehre. „Das wäre ein großes Ding, es zu schaffen, als Volksvertreterin gewählt zu werden“, sagt sie hoffnungsfroh.

Homaira Mansury ist das Nesthäkchen ihrer Familie, sie hat zwei Brüder. Ihre Eltern hatten in Kabul (Afghanistan) gelebt und kamen Ende der 60er Jahre ins Rheinland, wohin der Großvater im diplomatischen Dienst versetzt worden war. „Ich hätte ihn viel mehr fragen müssen“, sagt Homaira Mansury nachdenklich, denn der Großvater – „den ich sehr geliebt habe“ – hat 1998 enorm viel Wissen um Afghanistan mit ins Grab genommen. Für die junge Homaira verschloss sich damit eine sehr wertvolle Quelle.

Ihre Mutter ist Biologin, sie widmete sich vorwiegend der Familie und schon lange dem Yoga; Mansurys Vater ist Arzt im Ruhestand. Er hat als Kardiologe im DRK-Krankenhaus Neuwied gearbeitet. „Ich bin ohne größere Sorgen aufgewachsen“, sagt sie, da fiel soziales Engagement nicht schwer.

Homaira Mansury studierte in Bonn Soziologie, Anglistik und Erziehungswissenschaften und verbrachte zwei Auslandssemester in Liverpool. Auch dort engagierte sie sich. Ehrenamtlich kümmerte sie sich um straffällige oder drogensüchtige Teenager oder schwangere Mädchen. Völlig verunsicherte Teenager, heruntergekommene Wohnungen ohne Heizung. Bessere Bildung und bessere Gleichstellung hätten damals den Jugendlichen mehr Chancen geboten, ist sich Mansury sicher.

Auch hierzulande sieht sie ganz aktuell zunehmende Unruhe und Ungleichheit in der Bevölkerung. „Natürlich sind wir nicht alle gleich. Aber wir sind alle gleich viel wert“, so Mansury. Die Politik laufe aber zurzeit nicht in diese Richtung. Liverpool hatte neben den Schattenseiten auch die sonnigen: die Studentin sang in einer Band und spielte damals auch noch Saxophon.

Die Familie ist regelmäßig in Afghanistan und leistet humanitäre Hilfe vor allem im Bildungs- und medizinischen Bereich. „Seit 1992 arbeiten wir da in Hebammen- und Alphabetisierungsprojekten für erwachsene Frauen, Hilfe zur Selbsthilfe durch Ausbildung zu Näherinnen, Bau und Unterhaltung von Schulen mit Lehrpersonal, Trinkwasserversorgung durch Brunnenbohrung und -installation“, zählt die 35-Jährige auf. Zuletzt waren sie im April 2012 in Kabul. Mansury floh mit ihrer Mutter aus der Stadt vor der Taliban-Offensive. Beklemmend sei das, „zumal wir selbst uns in diesen hochsicherheitsüberwachten Zonen bewegt haben.“ Grundsätzlich, sagt die Politikerin, habe sie kein Problem, mit beiden Kulturen zu leben.

Mansury erhielt ihre heutige Stelle durch eine Ausschreibung. Die Dozentin für Erwachsenenbildung ist an der Akademie Frankenwarte für die Bereiche Integration, Interkultureller Dialog, Europa, Mittlerer und Naher Osten und Politisches Management zuständig.

Kandidaten-Check

Die drei wichtigsten Themen der Region in der nächsten Legislaturperiode?
Infrastruktur ausbauen: schnelles Internet überall, Ortsumgehungen vorantreiben, Lärmschutz an Straße und Schiene, von Schwarz-Gelb gekürzte Förderungen (z. B. Soziale Stadt) zurück nehmen und Gelder in die Region bringen!
Bildung: Grundschulen erhalten, Ganztagsschulen flächendeckend und vor allem die Kitas ausbauen!
Energiewende: regional, dezentral und in der Hand der Bürgerinnen und Bürger statt der Großkonzerne!

Ein Politiker, den Sie bewundern?
Willy Brandt (ganz besonders für seinen historischen Kniefall in Warschau)

Wie weckt man bei jungen Menschen Interesse an Politik?
Indem ich sie einbinde und ihnen vermittele, dass sie und ihre Meinungen nicht nur wahr-, sondern auch ernstgenommen werden.

Wie überzeugen Sie einen Nichtwähler?
Menschen daran erinnern, dass Demokratie und Wahlrecht Privilegien sind, die nicht vom Himmel gefallen sind.

Woher kommt Politikverdrossenheit?
Sicherlich eine ungünstige Mischung aus mangelnder Vermittlung politischer Inhalte und Glaubwürdigkeit, aber auch aus polarisierender Darstellung in vielen Medien und der Ansicht mancher Menschen, sich nicht mit der Gestaltung unserer Gesellschaft auseinander setzen zu müssen.

Ein politischer Gegner, den Sie besonders schätzen?
Die Grünen.

Sie machen Politik, weil . . .
… ich selbst mit anpacken will, unsere Gesellschaft zu mehr Gerechtigkeit zu bringen – reden allein hilft nicht.

Heimat ist für Sie . . .
… dort, wo die Menschen sind, die ich liebe.

Drei Dinge, die Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?
Eine Sonnenbrille. iPad (Musik, Kamera, Möglichkeit, Notizen zu meinen Eindrücken und Gedanken zu machen). Hund (wobei ein Hund natürlich kein Ding ist).

Ihr schönster Moment bislang in diesem Jahr?
Der Gesichtsausdruck meiner Mutter, als ich überraschend zu ihrem Geburtstag vor der Haustür in Neuwied stand.

Was können Sie richtig gut?
Lachen.

Was sollten Sie besser lassen?
Monopoly spielen.

Wo findet man Sie im Urlaub?
Überall und nirgendwo, am liebsten an Orten, an denen es etwas zu entdecken gibt.

Biografisches

Alter: 35 Jahre

Beruf: Dozentin

Ausbildung: Studium Soziologie, Anglistik und Erziehungswissenschaften (Unis Bonn und Liverpool/GB), M.A.
Projektleiterin und Buchautorin für die Friedrich-Ebert-Stiftung, Dozentin bei der Gesellschaft für Politische Bildung (Akademie Frankenwarte Würzburg)

Familienstand: ledig

Geburtsort: Neuwied/Rhein

Wohnort: Würzburg

In der SPD seit: 2006

Politische Ämter: stellv. Vorsitzende der WürzburgSPD, Vize-Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Stadtmitte, stellv. Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Migration und Vielfalt der BayernSPD

Lieblingsessen: Orientalische und (original) italienische Küche – mit einer Schwäche für fränkisches Essen.

Lieblingsmusik: Musik ist meine Leidenschaft und nicht einzugrenzen.

Lieblingsbuch: „David Copperfield“ (Charles Dickens)

Lieblingsfilm: Vor kurzem wiederentdeckt: „Machuca mein Freund“

Lieblingsplatz in der Region:
Ich liebe den Main und das Drumherum. Ob idyllisch im Grünen oder auf der Alten Mainbrücke in Würzburg!

Lieblingssport: Wandern

Lebensmotto: Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus.

Wenn Sie die Wahl hätten …
Weißwurst oder Blaue Zipfel:
Blaue Zipfel

Münchner Bier oder Frankenwein Frankenwein
FC Bayern oder „Der Glubb“: weder noch

Karl Valentin oder Erwin Pelzig:
 Erwin Pelzig

Neuschwanstein oder Residenz:
Würzburger Residenz

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